Abgesagt wegen Sonnenscheins

Soeben habe ich eine Einladung abgelehnt mit der Begründung: “Ich kann nicht, morgen ist schönes Wetter.” Dabei ist mir der ureigenste Zweck des Wetters aufgegangen: das Ausredenerfinden.

“Die Sonne hat mich geblendet.”
“Ich hatte starken Gegenwind.”
“Mein Esel ist im Schnee stecken geblieben.”
“Ich wollte eh zu dir kommen, aber auf der Kreuzung vorn war ein Tornado. Der hat mich so lang rumgewirbelt, bis ich nicht mehr gewußt habe, in welche Richtung ich fahre, und dann war ich plötzlich wieder zuhause.”
“Da war eine Frau auf der Straße, mit ganz viel Lippenstift. Der Regen hat ihn aufgeweicht, und als sie an mir vorbeiging, ist mir welcher auf den Kragen getropft.”
“Selbstverständlich habe ich ein blaues Auge! Hör mal, es war Windstärke 9, und es hat gehagelt!”
“Nein, ich bin nicht bekifft. Das ist der Föhn.”

In besonderen Fällen kann auch die Abwesenheit einer bestimmten Wetterlage als Ausrede dienen. Da war zum Beispiel der fleißige chinesische Student, der beim Leuchten der Glühwürmchen und beim Schimmern des Schnees die Klassiker zu studieren pflegte. Wenn keine Glühwürmchen flogen und kein Schnee lag, dann mußte er einen Spaziergang machen – er konnte dann ja nicht studieren.

Aber die allerbeste Ausrede für fast jede Gelegenheit, von Verwandtenbesuch bis Fensterrahmen streichen, ist die, die wir auch hier in der Wetterredaktion jedesmal benutzen, wenn wir nicht arbeiten wollen:

“Eigentlich würde ich ja gern, aber ich weiß nicht, wie das Wetter wird.”

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