Alkoholverbot am Oktoberfest

rauchenDer Nichtraucherschutz in Österreich: Ein Chaos. Schlechtes Vorbild ist mal wieder Bayern. In der dort herrschenden Anarchie muss mit allem gerechnet werden.

Mit den Alpha-Tieren des Bösen ist es wie mit dem mythologischen Ungeheuer Hydra: Schlägt man ihm einen Kopf ab, wachsen zwei nach. Sei es der Schulhof-Schläger, der Mafia-Pate oder Saddam Hussein – hat man das vermeintliche Übel beseitigt, geraten die negativen Energien in Unruhe. Und am Ende ist alles noch schlimmer. Warum also sollte es ausgerechnet mit der bayrischen, der ungeheuerlichen CSU anders verlaufen?

Früher, als noch Charmebolzen Edmund Stoiber das Heft in der Hand hatte, war die CSU zwar furchteinflößend und bedrohlich – aber man konnte sich darauf verlassen, dass alle rechten Kräfte des Freistaates unter ihrem Dach vereint waren. Und somit bis zu einem gewissen Grad auch unter Kontrolle.
Seit mit Horst Seehofer ein Mann ohne Eigenschaften Chef wurde, hat die Organisation ihre Bindungskraft verloren. Es herrscht Anarchie in Bayern: Wie entfesselt schließt das Volk sich zu verschiedensten Bewegungen zusammen, es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Letzter trauriger Höhepunkt: Die Anti-Tabak-Guerilla rund um den maliziös lächelnden Sebastian Frankenberger (seine Anhänger rufen ihn ehrfürchtig „Antiflummenbasti“) hat die Macht im Freistaat an sich gerissen. Über geistige Vorväter der Bewegung kann nur spekuliert werden. Es ist lediglich überliefert, dass eine Frau, will sie als vollwertige „deutsche Frau“ gelten, auf Nikotin verzichten und stattdessen Kinder gebären muss.
Nur ein Bruchteil der bayrischen Bevölkerung ließ sich von Frankenbergers flammenden Reden beeindrucken – dennoch konnten seine Anhänger im so genannten „Oktober-Putsch“ (auch das Oktoberfest wird künftig als „gesund“ deklariert, ein Alkoholverbot ist angedacht) ihren Willen durchsetzen. Die Entwicklung scheint in Richtung Kasten-Wesen zu gehen: Eine kleine Gruppe so genannter „Bürger“ kontrolliert Legislative (und bald vermutlich auch Exekutive) und zwingt der Mehrheit ihren Willen auf. „Der Bürger hat sich nicht blenden lassen und mit Hirn abgestimmt. Der Volksentscheid zeigt: Wir sollten den Bürger öfters abstimmen lassen“, schwelgt Frankenberger bereits in Allmachtsphantasien. Seine Anhänger tauschen sich derweil über die neue Gesellschaftsordnung aus: Raucher in den Schrank stecken, schlägt der eine vor. Die Besitzerin der Eckkneipe, in der geraucht werden darf, vergewaltigen, phantasiert der andere. (So gelesen im Weblog der Nürnberger Zeitung: http://blog.nz-online.de/senf/2009/11/19/was-halten-sie-vom-volksbegehre...)
Die nicht-bürgerliche Mehrheit der Bayern hat die Gefahr noch nicht in ihrem vollen Ausmaß erkannt. Manche jedoch stellen sich bereits die bange Frage: Was kommt als nächstes? Prohibition? Geburtenregelung? Ihre letzte Hoffnung: Karl der Große, der derzeit noch im Untersberg ein Schläfchen abhält, möge die Not der Menschen erkennen und kommen, sie zu befreien. Derweilen bleibt nur zu hoffen, dass die CSU wieder zu alter Monstrosität aufsteigt.

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