Bücherverbrennungen

_„Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.“_

Begleitet von dergestalten sogenannten Feuersprüchen wurden im dritten Reich Bücher von den genannten und vielen anderen Autoren verbrannt. So wie aber die Nationalsozialisten ihre Konzentrationslager nicht selbst erfunden haben, sondern die Idee nach spanischen, US-amerikanischen und britischen Vorbildern weiterentwickelten, so waren auch die Bücherverbrennungen keine Weltneuheit: Eine schöne Vorreiterrolle nimmt in dieser feurigen Tradition die katholische Kirche ein. Unter Berufung auf eine freiwillige Bücherverbrennung durch heidnische Zauberer nach ihrer Bekehrung durch den Apostel Paulus wurden bis in die Neuzeit – meist vermutlich gegen den Willen ihrer Verfasser – immer wieder scheiterhaufenweise gefährliche und unheilige Schriften der reinigenden Kraft des Feuers übergeben. Illustre Opfer dieser Praxis waren unter anderem Arius, der als häretisch geltende Begründer der Arianer, der italienische Literat Boccaccio, der Theologe Thomas von Aquin, oder auch der Abweichler Martin Luther, der jedoch in gut christlicher Tradition sofort zurückschlug und gleichfalls Bücher verbrannte, nämlich die kanonischen Rechtsbücher (Codex Iuris Canonici) und die päpstliche Bannandrohungsbulle gegen ihn.
Aus Bequemlichkeit wurden manchmal die Verfasser gefährlicher Schriften gleich mitverbrannt, so geschehen mit dem italienischen Dichter und Philosoph Giordano Bruno, der im Jahr 1600 in Rom verbrannt wurde – angeblich mit festgebundener Zunge, damit er das schaulustige Volk nicht noch in letzter Sekunde verführen könnte. Seine Bücher blieben bis zum zweiten Vatikanischen Konzil 1966 auf dem Index der verbotenen Schriften.

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