Beim Urologen

Nie vergessen werde ich dieses Bild: Als ich mich, einem hilflosen Wurm gleich, in seitlicher Embryostellung auf seinem Untersuchungstisch krümmte. Ritzenalarm auf Tausend. „Es wird gar nicht weh tun“, brummte das bärtige Monstrum, ich glaub’, es war ein Freund meines Vaters. Letzterer war übrigens auch mit dabei, irgendwer musste mir ja die Hand halten (oder ich seine). Allerdings fühlte ich mich Papas Blick ebenso ausgeliefert wie dem des Urologen. Ob die zwei schon meinen Zwölffingerdarm sehen konnten?

Hm. Was ich auf jeden Fall sah, waren Riesenpranken, mit denen der weiß Bekittelte etwas aus einer Schachtel herausgrapschte. „Dir werd‘ ich schon helfen, Bürschchen“, funkelte es in seinen milchig-trüben Urologenaugen, als er den Latexhandschuh über seine Bärentatze stülpte. (Mit dem bekannten Geräusch, wenn Gummi auf Haut schnalzt, das ein ähnliches Gefühl in mir hervorruft wie das Wegschnippen des Tröpfchens aus der Injektionsnadel).
Trotz Vaseline habe ich kein großes Vertrauen in die Urologie. Vielleicht, weil mir einer ihrer Vertreter mal so ungestüm wo hineingebohrt hatte, dass mir schwarz vor Augen (und vor Schmerz) geworden ist. Ganz zu schweigen von dem Schlauch, den ein anderer für seine rektalen Fantasien an mir testen wollte. Dieses Mal aber sollte es anders werden. Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen. Beim Ausatmen rammte ihn mir der Onkel Doktor in meinen Allerwertesten. Es fühlte sich an wie eine ungarische Riesensalami. Umh! Ich glaube, es war sein Zeigefinger. Alles zog sich in mir zusammen, als er für einen kurzen Moment meinen G-Punkt entdeckt hatte.
Und dann war es auch schon wieder vorbei. Eine völlig harmlose Routine-Untersuchung. Alles in Ordnung, Papa hilft dir beim Anziehen. Bis zum nächsten Mal …
Aber fehlte da nicht etwas beim Urologen, am Dienstag vormittag? Im Wartezimmer, bei den Zeitschriften - dort hätte er mich auf die Untersuchung garantiert besser vorbereiten können als Bunte, Gala und Freizeit Revue - der Bagger!

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