Bitte, bitte nicht der Schaufler!

Bauch eingezogen, Luft angehalten – Ratsch.
Vorsichtig atme ich aus, erwarte das Schlimmste, doch, nichts. Der Reißverschluss hält das kleine Stück Stoff zusammen, das man, wie beim Erwerb glaubhaft versichert wurde, tatsächlich als (sehr) kleines Schwarzes bezeichnen darf. Noch zweifelnd, ob das gute Stück und ich jemals Eins werden könnten, betrachte ich uns jetzt nicht ohne Stolz im Spiegel. Mein Magen stimmt knurrend zu. Ausgehungert wie ich bin, läuft mir bei dem Gedanken an Spaghetti Puttanesca und an das Gustostück, das mir dabei Gesellschaft leisten wird, gleichermaßen das Wasser im Mund zusammen und ich frage mich, was er wohl für einer ist. Natürlich kennt man sich einigermaßen, doch hatten wir noch nie das Vergnügen, haben uns weder Tisch noch Bett geteilt. Und angenommen, Essgewohnheiten liefern zuverlässigere Informationen über die Qualitäten eines potentiellen Liebhabers als etwa die Größe der Nase oder eine Schwäche für Gedichte der Spätromantik, so hoffe ich inständig, heute nicht auf einen Asketen zu treffen. Heißes Zitronenwasser schlürfend würde er mir von der Kontrolle des Geistes über den Körper predigen und ich müsste hoffen, meinen unheilvoll grollenden Unterleib mit einigen Salatblättern besänftigen zu können. Wenig gelegen käme mir auch der Gemäßigte. Er weiß was gut wäre, bloß kriegt man es nicht. Ein Wiener Schnitzel wäre lecker, ach wäre doch heut Schnitzel-Tag! (Würde man denn immer, wenn man wollte, wo käme man da hin?!) Nirgends wohl, befürchte ich und wünsche mir da noch eher den Pragmatischen, der zweimal am Tag einfach irgendetwas isst, weil er Hunger hat, bis er eben keinen mehr hat. Vielleicht hab ich auch Glück und er entpuppt sich als der Sinnliche. Er würde kleine, feine Dinge mit exotischen Namen bestellen, mir erzählen, dass diese Art seltener Trüffel nur von jener Art seltener Trüffelschweine gefunden werden kann, und bei jedem Bissen kurz die Augen schließen. Was mir am Liebsten wäre? Ganz klar, der Dekadente. Der so gerne isst wie er liebt, und wenn er etwas gefunden hat, das ihm schmeckt, dann kann er nicht genug davon kriegen.
Und das wäre bitte gerne ich!

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