DageGEN! DageGEN! DageGEN!

Ich bin Österreicher und es geht um Gentechnik und Essen & Landwirtschaft im Allgemeinen. Mit der Überschrift sollte eigentlich alles gesagt sein. Oder doch nicht?
Wie schon früher bei Matheschularbeiten lohnt es sich, zu differenzieren. Ein Versuch.

Es gibt einen klassischen Fehler, den alle Ex­tre­mistenInnen (egal ob links, rechts oder Mitte) begehen: Sie glauben, sie sind als einzige/r im Besitz der alleinigen Wahrheit und halten sich für so fehlbar wie der Papst. Das Problem dabei: Man ändert dabei seine Standpunkte ebenso so schnell wie das Väterchen der Katholiken. In einer schnelllebigen Welt wie der der Gentechnik eine etwas suboptimale Ausgangslage.

Wie auch bei der Atomkraft kommt es in Österreich zu einem seltsam-einigen Schulterschluss aller Parteien, der Kirche (ja ja, die mit der Überzeugung, der Welthunger könnte durch Enthaltsamkeit besser als mit Kondomen gestoppt werden) und dem Zentralorgan der österreichischen Befindlichkeiten und seinem Hohenpriester („Krone“ samt Dichand). Gegen so eine Allianz der Gentechnikablehner muss mal ein Kraut wachsen. Egal ob manipuliert oder nicht. Denn was Gentechnik wirklich ist, nämlich ein Werkzeug mit dem man Gutes wie Schlechtes tun kann, das sehen die wenigsten.

You, me, them – everybody!

Nun ein kleines Beispiel. Der CSR-Report einer großen schwedischen Modekette spricht zum Thema Baumwolle folgendes: „The vast majority of cotton used by hmmmhmmmmhmmm is conventional cotton, blablablabla.” Aus dem Englischen und der Marketingabteilung zurückübersetzt bedeutet das frei übersetzt folgendes: Naja, das meiste ist eigentlich schon normale Baumwolle, aber so genau können wir das nicht sagen … Klingt wie bei einer ÖSV-Konferenz zum Thema Gendoping. Also, nicht allzu traurig sein, liebe linksrechtsalternativkonservativen Menschleins in Österreich: Wir tragen fast alle beim alltäglichen Tragen von Gewand zur Verbreitung der grünen Gentechnik bei. Prinzipiell ist das ja kein Problem …

Panic on the streets of Europe!

95 Prozent der EuropäerInnen halten Gen-Lebensmittel für „gefährlich“. Mit gutem Grund. Sie bieten den KonsumentInnen keinerlei Nutzen, aber jede Menge Risiko.
Das meint die „unparteiische“ Homepage von Global 2000 Österreich. Surft man munter ein wenig weiter und besucht die amerikanische Version der Greenpeace-Homepage kommt man der wahren Gefahr der grünen Gentechnik auf jeden Fall um einiges näher.
„These companies see huge profits in controlling life patents, in denying consumers their right to know when food is genetically altered and in creating crops that require farmers to use the company’s brand of pesticides.”
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Die Amis ernähren sich ja bekanntlich nicht gesund, aber das liegt nicht am dort weit verbreiteten Genfood, sondern einfach nur an den hundsmiserablen Essensgewohnheiten (seriöse Studien, die gesundheitliche Schädigung durch Gentechnisch veränderte Organismen – kurz GVOs – beweisen können, bitte per Leserbrief bekanntmachen).
Auf der Greenpeace-Seite steht nichts über Be­drohungen durch das Essen von ach so bösem Genmais. Gefährlich wird Gentechnik in erster Linie dann, wenn die Pflanzen gegen Herbizide und/oder Pestizide immunisiert werden. Dann ist aber nicht die Gentechnik das Problem, sondern es liegt ein Problem mit Schädlingen vor, das am besten ökologisch gelöst werden sollte und nicht mit der chemischen Keule.
Es ist schlicht und ergreifend die wirtschaftliche und vor allem juristische Ausschlachtung der Möglichkeiten, die dem ganzen einen sehr schalen/ablehnungswürdigen Beigeschmack gibt. Konzerne wie Monsanto (einer der beiden Konzerne, die während des Vietnamkonfliktes für die US Army Agent Orange produzierten) verstehen es mit ihren Heerscharen von Marketingmenschen, den Bauern in Dritte-Welt-Ländern eine bessere Zu­kunft mittels gentechnisch manipulierten Pflanzen (egal ob Baumwolle, Mais …) zu versprechen, welche sich aber nur selten erfüllt. Ein höchst diskussionswürdiges Beispiel zu diesem Thema ist der Selbstmord indischer Baumwollbauern in den 2000er Jahren. Dazu gibt es so viele Studien, die den Einfluss von Gen-Baumwolle beweisen und widerlegen, sodass es unmöglich scheint, zu einem „wahren“ Ergebnis zu kommen, da zu viele Co-Faktoren einzuberechnen und vermutlich von Suizid zu Suizid verschieden zu bewerten sind, wie generell miserable Bewässerungsanlagen, schlechte klimatische Bedingungen, fehlende Mikrokredite, exportsubventionierte Baumwolle aus den USA sowie einen Weltmarktpreis, der zwischen 1994 und 2004 von 92 auf 54 US-Cent gefallen ist. Ein weiter Kritikpunkt an der grünen Gentechnik ist die so genannte Terminator-Technologie. Sie verändert das Saatgut in der Art und Weise, dass nur ein einmaliges Auskeimen möglich ist. Dies schafft Abhängigkeiten, indem jedes Jahr neues Saatgut gekauft werden muss, um das Feld zu bestellen, und nicht wie bei konventionellem Saatgut ein Teil der Vorjahresernte verwendet werden kann. Andererseits verringert diese Technologie aber auch die gefürchtete (und bisher großflächig ausgebliebene) Gefahr des Auskreuzens von GVOs. Man merkt: ES IST ALLES GANZ SCHÖN KOMPLIZIERT!

Meine Augen sehn, was deine Augen sehn …

Rice, Rice Baby! Das ist vor allem für die Armen auf dieser Welt der Leitspruch beim Essen. Reis hat einen Vorteil. Er ist sehr nahrhaft und ent­hält Phosphor, Eisen und Magnesium. Leider aber kein Vitamin A, B12, C und D. Ein chroni­scher Mangel an Vitamin A ist eine sehr bösartige Sache und führt zu Sehschwäche bis hin zur Erblindung, sowie zu einer massiven Erhöhung von Infektions­krankheiten, sowie weiteren Be­ein­trächtigungen.
Gentechnik-Gegner behaupten, Vitamin-A-Man­gel ließe sich eigentlich sehr leicht aus der Welt schaffen, indem man einfach allen armen Menschen, deren Ernährung auf Reis basiert, eine gesunde und ausgewogene Ernährung zukommen lässt. Ok, der war gut – wirklich. Also Plan B. Goldener Reis. In den Jahren 1992-2000 in den Labors des ETH Zürich und der Uni Freiburg entwickelt und mittlerweile in verbesserter Form, die einen erhöhten Beta-Karotin-Anteil (Vorläufer der als Vitamin A bekannten Stoffgruppe der Beta-Jononderivate) enthält, verfügbar. Das Gute an dem Ganzen ist, dass für Kleinbauern keinerlei Lizenzgebühren anfallen und durch Auskreuzen mit lokalen Reissorten keinerlei finanzieller und logistischer Aufwand verbunden ist. Die Reisernte wird wie gehabt durchgeführt, nur die Mangelerscheinungen und die damit verbundenen Krankheiten werden sukzessive minimiert. Derzeit sieht es so aus, als ob goldener Reis erstmals 2012 auf den Phi­li­ppinen angebaut wird (Zulassungsverfahren brauchen vieeeeeeeeel Zeit). Wird goldener Reis alle Ernährungsprobleme der Dritten Welt lösen? Sicherlich nicht! Aber auch ein Schritt in die richtige Richtung ist wichtig. Er zeigt, was mit Gentechnik möglich ist und wie die Zukunft die­ser Technologie aussehen sollte. In weiterer Zukunft wird man sich eventuell über gentechnisch modifizierte Pflanzen unterhalten, die die Energieprobleme unseres Planeten lösen könnten. Aber bis dahin werden wohl noch viele Kinder in Bangladesh ihr Augenlicht verlieren. Böse Gentechnik! Oder doch nicht?

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