Das ist ... Revolog

Die Macht des Zufalls oder wie Fortuna unser photographisches Schicksal manipuliert …

Alles beginnt mit einer simplen Idee.
Inwiefern kann man Filmmaterial verändern und immer noch brauchbare oder gar interessantere, vielleicht auch absolut außergewöhnliche Photos zu erhalten?

Inspiriert durch zufällige Bildfehler auf dem Negativ, die durch eine schadhafte Kamera entstanden waren, beginnt Michael Krebs, sich näher mit dem Thema Bildmanipulatuon zu beschäftigen.

Ihm geht es dabei jedoch nicht um die Auseinandersetzung mit (hinterher) manipulierten Bildern und die damit verbundene medienphilosophische Frage nach der Wirklichkeit, sondern um eine Erkundung des Materials und seiner Fähigkeiten zur Verfremdung (vor der Belichtung). Welche Rolle spielt der Zufall in der Photographie und vor allem – kann man sich diesen zunutze machen?

Wenn man an Manipulation im Bereich der Photographie denkt, so verbindet man dies üblicherweise mit Bildern, die nach der Aufnahme verändert werden. Nahezu jedes Bild, das heute veröffentlicht wird, hat diverse Stadien der Bildbearbeitung hinter sich. Manche sind so subtil, dass von Veränderung kaum gesprochen werden kann, andere so aufwändig, dass es nahezu unmöglich ist, ein Photo als Ausgangsmedium zu erkennen. Viele dieser Publikationen haben etwas Wesentliches gemeinsam: dem Betrachter glauben zu machen, dies sei die Wirklichkeit. Die Manipulation soll auf den ersten Blick so wenig wie möglich erkennbar sein.
Bearbeitet man nun einen handelsüblichen Kleinbildfilm mit verschiedenen Methoden vor der Aufnahme, so ist das Ergebnis elementar manipuliert und der
Photograph♥ kann kaum Einfluss auf das Endprodukt nehmen (er kann bloß durch das Variieren der Belichtungszeit bei manchen Filmen minimal die Intensität des Effekts steuern).

Auf welche Art einer dieser Filme die Wahrheit verfälscht, bleibt jedoch dem Zufall überlassen und wird nicht im Nachhinein durch Menschenhand verändert. Für den Photographen bedeutet dies, dass er einen doch maßgeblichen Teil der bedachten Bildgestaltung dem Zufall überlassen muss. Er kann die Komposition der Motive so wählen, dass die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, den gewollten Effekt an der richtigen Stelle zu schnappen, letztendlich muss er aber auch dies der Göttin Fortuna überlassen.
Sowohl Hochgefühl wie vielleicht auch manch ungewollter Trübsinn werden hervorgerufen – je nachdem, wie sehr das Endergebnis der erhofften Utopie entspricht. Die Chance, durch Zufall absolut einzigartige Bilder zu erhalten, ist jedoch zweifelsohne gegeben.
Gemeinsam mit Hanna Pribitzer macht sich Michi auf, dieses Dogma zu durchbrechen. Beiden ist bewusst, dass Unberechenbarkeit in der analogen Photographie eine durchaus große Bedeutung hat, die sich nicht unbedingt nur positiv abzeichnen kann.
Selbst bei aller Vorsicht und Sachkenntnis tritt das Erwartete nicht immer gewiss ein. Mit ein wenig Pech versagt die Mechanik der Kamera, das Photomodell oder auch das Labor, und der Aufwand war umsonst. Viel wichtiger ist beiden jedoch die Chance, Momente verschiedenster Art mit ungewöhnlichen Effekten zu kombinieren und womöglich ein geniales Ergebnis zu erhalten. Gut spekuliert oder durch reinen Zufall.
Diesen Zufall als Mittel zum Zweck zu gebrauchen ist das Ziel dieses Projektes. Die Photographen, beide Studenten an der Höheren Graphischen Bundes- Lehr- und Versuchsanstalt, beginnen ihre Ideen innerhalb eines Diplomprojekts zu verwirklichen. Da sie das Potential ihrer Idee höher einschätzen, wollen sie ihre Erkenntnisse und die daraus entstandenen Produkte einem breiteren
Publikum zugänglich machen. Noch während der Ausbildung beschließen sie, sich selbstständig zu machen und eine Onlineverkaufsplattform einzurichten. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten bei der Namensfindung ent­­steht revolog, ein Neologismus zusammen­gesetzt aus den Wörtern Revolution und analog. Beide Begriffe sind Synonyme für die Grundidee des Projektes: etwas völlig Neues in einem (oft schon totgesagten) Bereich zu kreieren.
Gemeinsam mit Christiana Lugbauer und Elena Rieser, zwei Studentinnen aus der Grafik- und Kommunikationsdesignabteilung der Graphischen, entwickeln sie eine Marke mitsamt Corporate Design und Webshop. Parallel dazu richten sie sich eine kleine Dunkelkammer ein, in der sie beinahe ein ganzes Jahr experimentieren und versuchen, ihre Ideen praktisch umzusetzen und die Filmeffekte zu standardisieren. Hunderte Filme werden in feinster Handarbeit produziert, getestet und kontinuierlich weiterentwickelt. Immer wieder haben die beiden Photographen mit Rückschlägen aller Art zu kämpfen, bis sie schlussendlich acht Effekte wiederholbar standardisieren können.
An Ideen mangelt es jedoch noch lange nicht. Schon in naher Zukunft sollen neue Spezialeffektfilme von revolog produziert werden.

sperrminoritäteneintragsnachweiserbringungsversuch

Die Filme:

600nm Zufallsquote 40 % Der Effekt der 600nm-Filme zieht sich über das ganze Bild und verursacht Farbverschiebungen. Je nach Labor weisen die Photos einen Cyan- bis Rotstich, zum Teil auch einen grünlichen Effekt auf. Die Intensität der Farbe ist über die Belichtungszeit zu steuern. Bei Überbelichtungen wird die Farbe intensiver, bei Unterbelichtung flauer.

460nm Zufallsquote 20 % 460nm-Filme verursachen einen ganzflächigen Farbeffekt. Je nach Ausarbeitungslabor variieren die Farben von Lila/Blau/Violett bis Gelb/Grün. Die Intensität der Farbe ist, wie bei Kolor und 600nm, über die Belichtungszeit zu steuern. Bei Überbelichtungen wird die Farbe intensiver, bei Unterbelichtung flauer.

kolor Zufallsquote 30 % Kolorfilme weisen bunte Farbverläufe von Grün über Rot, Pink, Blau oder auch Türkis auf. Der Effekt ist ganzflächig. Die Intensität der Farbe lässt sich über die Belichtungszeit steuern. Bei Überbelichtungen wird die Farbe intensiver bei Unterbelichtung flauer.

tesla 1 Zufallsquote: 60 % Der Effekt dieses Filmes ist ein leicht bläulicher Blitz, der sich über Teile des Photos erstreckt. Auf hellem Hintergrund ist der Blitz schlechter zu erkennen, auf dunklen Flächen zeichnet er sich stärker ab. Der Blitz selbst tritt an verschiedenen Stellen im Bild auf und kann durch eine Bildgestaltung von hell dunkel richtig in Szene gesetzt werden. Mit etwas Glück fügt er sich auch inhaltlich in das Bild ein.

tesla 2 Zufallsquote: 60 % Dieser Film weist ebenfalls einen Blitz auf, jedoch ist dieser weniger stark verästelt und rot gefärbt. Durch die rote Färbung ist der Blitz jedoch sowohl auf hellen als auch auf dunklen Flächen gut zu erkennen.

texture Zufallsquote 60 % Texture-Filme besitzen einen partiellen Struktureffekt, der sich zum Teil aber über das gesamte Bild ziehen kann. Die organische Struktur verschwindet auf hellen Stellen und kommt auf dunklen Stellen stark zur Geltung. Die Farbwiedergabe und der Kontrast des Bildes werden allerdings kaum beeinflusst. Die Struktur kann durch eine Bildgestaltung von Hell-Dunkel richtig in Szene gesetzt werden.

rasp Zufallsquote 50 % Der Effekt des Rasp-Filme sind verschiedenfarbige Linien, die sich horizontal über das gesamte Bild erstrecken. Wie beim Rasp-Film bleiben Farbwiedergabe und Kontrast erhalten, allerdings ist der Effekt sowohl in hellen als auch in dunklen Stellen sehr gut erkennbar. Der Effekt kann durch den Bildinhalt unterstrichen werden.

volvox Zufallsquote 50 % Beim Volvoxfilm ist das Bild übersät mit grünen Punkten in verschiedenartiger Größe und Struktur. Die Punkte kommen auf dunklem Hintergrund stärker als auf hellem Hintergrund zur Geltung.

Mehr dazu ab Mitte Juni auf http://www.revolog.net

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