Der Elegante Rest gibt uns Lessons in Japanese

Lessons in Japanese - Der Elegante Rest

Die Band um Jörg Wolschina legt ihr viertes Album vor: Ein wohltuendes Stück Indie-Pop, das die Romantik der Gewöhnlichkeit feiert.

Eigentlich könnte man sich über die Fülle an Musik aufregen und laut schreien, dass alle endlich auch mal die Klappe halten sollten. Man könnte jeden auf die Massen losgelassenen Song, zumal wenn er schlecht ist, schon dafür schelten, dass er sich für wichtig genug hält, der universalen Kakophonie noch mehr Lärm hinzuzufügen. So werden wir von manchen, auf die Hörgewohnheiten und Breitenwirkung hin getrimmten Popsongs regelrecht nervgetötet, wenn wir sie hören müssen, andere legen sich angenehm ins Ohr und lösen interessante Stimmungen aus.

Die deutsche Band Der Elegante Rest, die vor allem aus Jörg Wolschina besteht, veröffentlicht diese Woche das Album Lessons in Japanese und es gehört erfreulicherweise zur zweiten Kategorie, wenngleich einige bewusste Ausflüge ins Kratzige und Nervige unternommen werden. Das Album enthält 13 gehaltvolle Lieder, die wissen, was sie wollen.

Gut ist es auch deshalb, weil es den Wegwerfbrei unterwandert und nüchtern musikalische Qualität dagegenhält. Inhaltlich geht es um die Liebe, die Normalität und die stetige und etwas einsame Behauptung vor der Masse aus Oberflächlichem und Redundanz. Die herausragendste Qualität des Albums sind Wolschinas Texte.

Die Musik könnte man, wenngleich die Genre-Bezeichnung auf der Facebook-Seite „Verlust in allen Bereichen“ lautet, als Indie-Pop deutscher Schule mit gewinnendem „Retrochic“ bezeichnen. Sie ist vielschichtig, ausgereift arrangiert, tendiert zur Schwermut und zwielichtigen Zwischentönen bis hin zur Dissonanz. Von britischem Rock ist viel dabei, Gitarren und Keys dominieren, aber auch Synths wurden eingesetzt. Die programmatische Zeile „Du wirst nie wieder so aussehen wie der frühe Mick Jagger“ aus dem Song Haarausfall rahmt mit ihrer Rückwärtsgewandtheit die Stilrichtung der Texte. Es geht ums Nachgeben und Nichtmitmachen, und - getreu dem Bandnamen - den eleganten Umgang mit den Resten. Mit Barsaxophon beginnt Frösche im Regen die Müdigkeit des Protagonisten zu erläutern. „Und wenn hier jemand meint das wär nicht klug / lass ich ihn einfach schweigend in Ruh.“ Keine Aggression, sondern ironische Abkehr vom Firlefanz, und auch eine Liebe für charmante Popkultur und die Romantisierung des Alltäglichen spricht aus den Liedern. Vor allem Last life in the universe, das auch den Albumtitel näher ausführt, begeistert mit der schleppenden Schönheit eines Nick Cave oder David Bowie. Wolschina gibt den „last man standing“ und erklärt uns in eloquenten Bonmots seine Überdrüssigkeit. Morbid freundlich werden jede Menge Vanitassymbole genannt, meist beharrend auf dem trotzdem: „This is a party Song that makes the party going on / ein Plastikschwert und jede Menge Zucker / ich vertrag zwar nicht mehr so viel wie früher / aber ich kann liegen, sitzen, stehen und reden.“ Er bricht die Hysterie runter auf verspielten Ernst, passend dazu piepst am Ende dieser bewusst unangenehm tönenden Melodien auch der Wecker: „Ungeschönt am Morgen / Bingo die ganze Nacht / ihr macht alles richtig / ich mach nur Spaß.“

Am gelungensten wirkt das Lied Halsabschneiderblues. Es fordert rhythmisch drängend die Liebe heraus, um dann zu einem flirrenden „Tanz um den heißen Brei“ zu modulieren. Etwas simpel ist zwar der Refrain „Bleib mit mir / sei mein Held / und uns gehört die ganze Welt“. Und auch Schuster ist aus nämlichen Gründen bis auf den Reim „Ich lauf alleine nach Berlin / und treff mich dort mit Anne-Kathrin“ und den Schlussausruf eher schal. Zu oft werden Sprichwörter unverändert eingebaut. Auch wenn sie meist intelligent kontextualisiert werden, lassen diese Zeilen Originalität vermissen. Wohltuend aus der Struktur-Rolle fällt das improvisatorische Silent Path mit seinen schrammenden Clustern, der Orgel und den Auszuckern, die von lieblichem Gezupfe abgelöst werden. Schwarzer Reiter besingt den Kontrast zwischen nächtlicher Exaltation und der Rückkehr in den Stadtalltag: „Gestern hast du Blut geleckt und heute bringst du den Müll raus.“ Hinter den Bildern verstärkt noch einmal das Lob des Subterrains, mit dem versöhnlichen Ende „Und wir können jetzt aufhören zu streiten / ich glaub die Leute lieben uns sehr“. Die Singleauskopplung Silvester verabschiedet uns ohrwurmtauglich in eine ambivalente Dunkelheit: „Sag einfach auf Wiedersehn / Hier kommt die Nacht wie ein Haufen Geld / ich war auf Liebe eingestellt“.

Abrundend kann man von einem poetischen Stück Indie-Pop sprechen, das auf dem Boden bleibt, auf dessen Wohlgeformtheit man sich verlassen kann, das textlich und musikalisch auftrumpft und das sich wohl in den letzten Abendstunden am besten macht.

Dem aufmerksamen Kenner der lokalen Musik werden einige Referenzen an die befreundete Kompanie Das Trojanische Pferd  („Der Tag ein hartes Brot“, „ich du er sie es sind wir“) nicht entgehen – die beiden Bands treten auch gemeinsam auf, als nächstes am 15.05. im Chelsea zu Wien.

„Lessons in Japanese“ erscheint am 13.05. am Leipziger Label Kick the flame/Analogsoul.

 

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