Der elegante Rest – Ungeduld (Problembär, 2011)

ungeduldDas werden jetzt nicht alle verstehen. Der Elegante Rest, die Band, die ihr Publikum bei Konzerten gern mit „Hallo wir sind Der Elegante Rest aus der DDR“ begrüßt, aber in den Texten keine Nuance Politik zulässt, serviert 2011 unter anderem „Küsse zum Abendbrot – Küsse so labend“. Ein komischer Kauz, dieser Jörg Wolschina, ein schlaksiger Dandy irgendwo zwischen Nick Cave und einem frühen Sven Regener. Und er trägt dick auf. Ganz dick: Discobeat, gerechtes Brett und Schnulzen.

Der Frage „Was ist Schlager“ versuchen dieser Tage viele Bands auf den Grund zu gehen, aber keine hat sich dabei so weit in die Höhle des Löwen gewagt, ohne dabei mit beiden Augen zwinkern zu müssen. Der elegante Rest ist keine Band am Puls der Zeit, sie versucht nicht, den Indiekids eine Nasenlänge voraus zu sein, damit sich die morgen notwendigerweise in sie verlieben. Diese Band ist nicht der neueste heiße Scheiß aus einem Spex-Facebook-Posting. Sie bricht keine Skandale vom Zaun, macht keine Videos, die auf Provokation angelegt sind und schreibt keine schwülstigen Manifeste.
Kurz: Der Elegante Rest ist ein anachronistische und also zutiefst eigensinnige Band, die an sich selbst über die Länge von drei Alben zu einem kaum zu durchschauenden musikalischen wie auch poetischen Paralleluniversum gefunden hat: „Was willst du machen, armer Schlucker? Was willst du machen, la vida loca?“ Oder eben noch kürzer: Ungeduld.

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