Der Kampf um Wien.

Eine Farce in geheimen Akten.

Am 10. Oktober wird zu Ehren des fünfundzwanzigsten Todestages von Orson Welles sowie des Kärntner Landesfeiertags ein Duell seinen Ausgang finden. Die Protagonisten dieser postmodernen Farce im Wolfspelz sind UHBM (Unser Herr Bürgermeister) Michl Häupl, sowie sein gebissiger Kontrahent Hunz-Christian Strache (weitere zahntechnische Wortspielereien vorbehalten).

Der rote Häup(t)ling, bewaffnet mit dem Hausmeisterführerschein und einer rund um die Uhr fahrenden U-Bahn, die in Zukunft die Exekutivbeamt_innen auf ihrer Streife sicher und auch im Winter angenehm warm durch die Nacht bringen wird, ist aber was die Schlagkraft und Säbelführung angeht nur auf den ersten Blick Duellmeister Hatschi unterlegen. Nicht nur hat Häupl seine Lehre ebenfalls in einer schlagenden Verbindung absolviert, qua Studium kennt er auch die biologischen und zoologischen Abgründe Wiens und seiner Bewohner_innen (und will sich trotzdem – oder deswegen? – nicht mit den Grünen dieser Stadt verbinden). So schießt er nun schon seit Wochen gewohnt grantige Gallepfeile gegen alle Farben des politischen Regenbogens, um die Angst der ihm politisch noch Anhängenden zu schüren. Die Angst vor der Ungewissheit, was nach dem Untergang der „sozial“-„demokratischen“ Oligarchie geschehen könnte. (Wird Herr Häupl auch ohne absolute Mehrheit noch jeden Gastgarten der Stadt persönlich eröffnen? Wird er die Kunst, sich möglichst oft selbst zu widersprechen, damit für alle Leute und jede Meinung der richtige Satz dabei ist, an Frau Vizebürgermeisterin Renate Brauner weitergeben?)

Tu Felix Vindobona
Friedensreich Strache, UHMF (Unser Herr Menschenfreund) will eine „freie offene Stadt, die eine Weltstadt ist“, dann, wenn Schluss ist mit der „Ausgrenzungspolitik“, denn er will doch „nur ein Ende von Hetze und Hass“. Gegen seine Person und Partei wohlgemerkt. Nur wir Nestbeschmutzer_innen, Kulturschaffenden und sonstigen Sozialschmarotzer_innen müssen sich vor der zu erwartenden Ausräucherung des „Subventionsdschungels“ fürchten. Für die Rechtschaffenen Wiens wird sich der Sicherheitshimmel auf Erden auftun. Überhaupt scheint es nur fair, dass, wenn sich die FPÖ zu einer sozialen Alternative zur SPÖ inszenieren will, die SPÖ auch rechte Argumente in ihr Programm aufnimmt. Auge um Auge. Zahnstein um Zahnstein.
Zu Sekundantinnen dieses Duells befördert wurden währenddessen Frau Marek und Frau Vassilakou, die, ginge es nach dem regierenden Winzerkönig, ruhig „Ministrantinnen“ bei Raplegende Stra-Chi bleiben könnten.
Was bleibt, sind Fragen: Wer entscheidet nun eigentlich nach dem Ableben von Regiealtmeister Onkel Hans über die Geschicke dieses Landes? Wird FC Strache eine Hauptrolle in der ATV-Doku „Saturday Night Fever“ bekommen? Und wer wird Wien in den nächsten Jahren regieren? Diese Rolle wird wohl, oder wohl eher übel dem großkoalitionären Praterkasperl zufallen. Und wenn man bedenkt, wie fortschrittsorientiert und harmonisch dies auf Bundesebene bereits funktioniert, wundert es, dass darauf nicht schon früher jemand gekommen ist.
»Wien ist frei« wird es dann von den Balkonen des am Riesenradplatz neu gebauten Rathauses tönen, wohin die gesamte Stadtregierung übersiedelt ist, um ihrer Liebe zu architektonischen Perlen der Stadt keine Zweifel anhaften zu lassen.
Fast wünscht man sich – gleichgültig, wie es denn ausgehen sollte – ein Schicksal, wie das des Installateurs Rudolf Prikryl. Dieser war 1945 Bürgermeister von Wien. Vom 13. bis zum 16. April.

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