Der Spiegel – Sturmgeschütz oder Spritzpistole?

Spiegel Nr. 1Nachdem in der letzten Ausgabe an dieser Stelle das Vierblättrige Kloblatt vorgestellt wurde, scheut der Bagger auch diesmal den Vergleich mit der Kollegenschaft im Zeitschriftenständer am statistisch gesehen beliebtesten Örtchen zur Lektüre des Baggers nicht. Denn erst der Blick über den Spiegelrand macht wirklich sicher – und im Spiegel der anderen erkennen wir uns selbst.

Den hohen Ansprüchen des Baggers gemäß ist es nun natürlich nicht IRGENDEIN Spiegel, in den wir diesmal unseren Blick werfen, sondern gar DER Spiegel unter den deutschsprachigen Printmedien: DER SPIEGEL. Seit die wöchentlich erscheinende, ursprünglich dem US-amerikanischen TIME-Magazine nachempfundene Zeitschrift am 4. Jänner 1947 erstmals erschien, hat ihr der eine oder andere mit mächtig mächtigen politischen und wirtschaftlichen Interessen ausgefochtene Strauß den inoffiziellen Beinamen „Sturmgeschütz der Demokratie“ eingetragen – eine bemerkenswerte Parallele übrigens zum Bagger, der ja nicht von ungefähr im deutschsprachigen Feuilleton als „Turmgeschwätz der Demoskopie“ bezeichnet werden könnte. Der 2002 verstorbene Gründer – und bemerkenswerterweise bis heute als Herausgeber firmierende – Rudolf Augstein bezeichnete die Blattlinie des SPIEGEL einmal als „im Zweifelsfalle links“ – eine Charakterisierung, die angesichts der zeitgenössischen Komplexität gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge wohl nicht mehr jedeR SPIEGEL-RedakteurIn in der Form unterschreiben würde. Bei der Wahl zum deutschen Bundestag 2005 wurde dem SPIEGEL aufgrund tendenziell tendenziöser Berichterstattung gar vorgeworfen, sich vom „Sturmgeschütz der Demokratie“ zur „Spritzpistole Merkels“ gewandelt zu haben. Dessen ungeachtet sind jedoch der investigative Journalismus und die umfassenden Reportagen des SPIEGEL bis heute beispielhaft, wie man etwa im durchaus empfehlenswerten, 2009 im Eichborn Verlag erschienenen Band „Wegelagerer – Die besten Storys der SPIEGEL-Reporter“ (herausgegeben von Cordt Schnibben) nachlesen kann.
Mit einer verkauften Auflage von wöchentlich 1.009.996 Exemplaren (lt. Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V., IVW 1/10, www.ivw.de) ist das in Hamburg residierende Sturmgeschütz unserer Pfidschi-Gogerl-Schleuder mit Sitz in Wien zumindest zahlenmäßig zwar noch einiges voraus – für die zuversichtlicheren unter den Mitgliedern der Bagger-Redaktion handelt es sich jedoch nur um eine Frage der Zeit, bis sich auch diese Bilanz zugunsten der „Grabungen zwischen Ernst und Satire“ wendet.

Weiterführendes:
Weblink: www.spiegel.de
Cordt Schnibben (Hg.): Wegelagerer. Die besten Storys der Spiegel-Reporter (= Die andere Bibliothek Bd. 299). Eichborn Verlag, FFM: 2009.
DER SPIEGEL ist im gut sortierten Fachhandel oder beim/bei der Zeitschriften-KolporteurIn Ihres Vertrauens erhältlich.

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