Der Wahrheit auf der Spur

wikileakslogoGläserne Staaten für gläserne Menschen!

Einige Wochen nach dem Startschuss zur Veröffentlichung der US-amerikanischen Diplomatendepeschen durch die Plattform Wikileaks stellt sich inzwischen folgendes mediales Bild dar: Mehr als über die Inhalte der Depeschen selbst wird über die Schwierigkeiten berichtet, in denen Julian Assange, medialer Kopf der Plattform, steckt. Das klingt nach spannendem Krimi und lässt sich gut verkaufen. Die Inhalte der Depeschen hingegen liegen meist Jahre zurück, haben keine absolut aktuelle Brisanz und scheinen den durch Presseagenturen verwöhnten, recherche-entwöhnten Mainstream-Medien zudem zu mühsam zu bearbeiten zu sein.
Hinzu mischt sich die Meinung, dass der Inhalt ohnehin nicht sehr bedeutsam sei und nur Diplomaten-Plauderei beinhalte, die bestenfalls Beziehungen belaste, aber eigentlich nicht sehr brisant sei, ja sogar kaum Wahrheitsgehalt habe, sondern nur Einzelmeinungen darstelle. Diese Abwiegelung bezüglich des Inhalts, oft schon in den ersten Tagen geäußert, in denen nur ein Bruchteil der Depeschen publik war, änderte aber nichts daran, dass Wikileaks mit verschiedenen Mitteln stark unter Druck gesetzt wurde.

Alles in allem ergibt dies den Eindruck, als ob versucht wird, die Bedeutung der Informationen, herunterzuspielen, ihre Überbringer zu diskreditieren und Berichterstattung sowie öffentliche Aufmerksamkeit in andere Gefilde zu lenken.

Natürlich ist es plakativ formuliert, wenn Assange behauptet, diese Texte würden die Wahrheit zeigen und natürlich ist es nicht falsch, wenn Gegenstimmen dagegenhalten, es handle sich um Einzelmeinungen. Dennoch dient die Veröffentlichung solcher Dokumente unzweifelhaft der Wahrheitsfindung, weil sie Formulierungen die für einen kleinen Empfängerkreis gedacht waren an eine breite Öffentlichkeit holt und so ihre Adaption auf eine öffentliche Welt erzwingt. Regierungen werden so dazu genötigt, ihr internes Handeln ihren WählerInnen besser zu erklären. Sie müssen diplomatische Realität und medial erzeugtes Bild aneinander angleichen. Sie werden gezwungen, aufrichtiger zu sein.

Regierungen und ihre Verbündeten haben nun zwei Möglichkeiten: Sie können auf diesen Wandel der Öffentlichkeit eingehen, ihre Politik ändern, die Transparenz erhöhen. Oder sie können diese Tendenz bekämpfen, Berichterstattung zensieren oder manipulieren, die Pressefreiheit einschränken und das Vorgehen mit den Interessen des Staates (der ja die BürgerInnen repräsentiert), die ansonsten beschädigt werden könnten, rechtfertigen.
Ziemlich offensichtlich, welcher Weg gewählt wurde.

Natürlich kann mau hier unterschiedlicher Meinung sein. Aber wenn Regierungen ihren BürgerInnen einbläuen, dass sie nur dann nichts zu befürchten hätten, wenn sie auch nichts zu verbergen haben, dann sollte für solche Regierungen derselbe Maßstab gelten.

Deshalb und um die eigentliche Thematik nicht im Ozean der Medienöffentlichkeit untergehen zu lassen, möchte ich hier gerne in nächster Zeit Themen, die in den Depeschen angeschnitten werden, aufgreifen und über sie berichten. Nicht anonym, sondern zum Inhalt stehend, der Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Wahrheitsfindung verpflichtet.
Nachahmungen sind willkommen, insbesondere auch von anderen Bagger-SchreiberInnen, hier oder anderswo.

Link: http://wikileaks.de/mirrors.html

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