Die Demokratische Bank

Aus der Wirtschafts- und Bankenkrise ist eine neue Art von Institut hervor- und auch schon wieder zugrunde gegangen, die sich „Demokratische Bank“ nannte. Die Grundidee, die reichlich Bewegung in den Bankensektor bringen sollte, war es, ein Institut zu gründen, das Sparguthaben verwaltet und Kredite vergibt, vorrangig an private Haushalte bzw. ökologische und soziale Projekte, sowie den Staat, ohne dabei auf die Profitmaximierung und den globalen Markt zurückzugreifen.

Das ganze sollte möglichst demokratisch und transparent organisiert sein und unter der Aufsicht eines Bankenrates stehen, der eine möglichst breite Basis in der Gesellschaft hat.
Schon hier traten gravierende Probleme nach der Lancierung der ersten Zweigstellen auf. Von Anfang an erwiesen sich diese Gremien als äußerst unbeweglich. Die Interessensvertreter konnten sich meist auf keine gemeinsame Linie bei den Richtlinien der Vergabepolitik einigen, da die Interessen oft gegenläufig waren. Durch die demokratische Prämisse, Vertreter jederzeit abwählen zu können, wurden Kompromisse meist im Keim erstickt. Kein anderes Institut hatte eine ebenso hohe Fluktuation bei den Vorständen und Bankmanagern zu verzeichnen, da diese ständig von rasch gebildeten Mehrheiten abgesägt wurden. In den öffentlichen Sitzungen der diversen Gremien entwickelte sich schnell ein Diskussionsniveau, das parlamentarischen Debatten in nichts nachstand. Entscheidungen konnten schließlich nur durch Absprachen hinter den Kulissen herbeigeführt werden. Die Kreditvergabe erfolgte meist ohne statistische Bonitätsverfahren aufgrund der Einschätzung von lokalen „Experten“, was einerseits zu haarsträubenden Kreditausfällen und andererseits zu einem enormen Anstieg bei scheinbar ökologischen und sozialen Projekten führte, welche jedoch meist nur als Deckmantel bestanden und oft als günstige Finanzierungsinstrumente für Grossbetriebe missbraucht wurden. Die Ausrichtung auf den lokalen Markt und die somit oft gegebenen persönlichen Beziehungen zwischen den Angestellten und den Kunden bei gleichzeitigem Fehlen von objektiven ökonomischen Kriterien führte zu einem unerwarteten Abschmelzen des Risikokapitals. Das aus dem Boden gestampfte und weitverzweigte Filialnetz verschlang ebenfalls Unsummen. Großinvestoren mieden diese Institute von Anfang an, da die zu erwartenden Renditen weit unter denen von diversifizierten Investitionen in globale Finanzprodukte lagen.
Am Ende mussten die kleinen Sparer den Verlust ihrer Einlagen nach dem Konkurs der ersten Zweigstellen in Kauf nehmen. Nach dem Abklingen der ersten Begeisterung auch in Teilen des Finanzsektors fanden sich kaum mehr fähige Manager, die diesen Mix aus persönlicher Verantwortung und lokalem politischen Hickhack auf sich nehmen wollten. Das Leistungsniveau der gut bezahlen und vernetzen Mitarbeiter, die im Gegensatz zu den Vorständen über eine hohe Jobsicherheit und zusätzlich über außergewöhnliche Sozialleistungen verfügten, war bald an einem Punkt angelangt, der an die Zustände im ehemaligen Ostblock erinnerte, denn durch die demokratischen Strukturen auch innerhalb der Bank waren Maßnahmen zur Effizienzsteigerung gegen den Willen der Mitarbeiter nicht durchsetzbar.
Schneller jedoch als die „Sozialistischen Paradiese“ des 20. Jahrhundert zerfiel die Institution Demokratische Bank sang- und klanglos und ohne Revolten und Mauerfälle, von den Protesten einiger geprellter Sparer abgesehen. Einmal mehr zeigt sich also, dass ein Eingriff in das Wirtschaftssystem, der ohne die legislative Autorität eines staatlichen Instrumentariums vor sich gehen soll und auf der Verantwortung, die jeder einzelne für die Gesellschaft zu übernehmen hat, von Vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Für Unverbesserliche:
http://www.demokratische-bank.at/
http://www.demokratische-bank.at/fileadmin/media/Demokratische_Bank.pdf

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