Die Revolution

Lassen Sie Ihren Hund doch auf die Straße scheißen!

Gerne hätte ich an dieser Stelle einen sinn­vollen Beitrag in Form eines exzellenten Artikels zu einem revolutionären Thema geleistet. Ich hätte mich z.B. mit aller aufzubringenden Eloquenz und Sachlichkeit darüber ereifert, wie groß meine Abneigung gegen die in alle möglichen Bereiche dringende Forderung ist, sinnvolle Beiträge zu leisten. Am besten lässt sich diese Haltung aber möglicherweise mit einem Artikel vertreten, der versuchsweise von allen größeren Sinnzusammen­hängen befreit, aber dennoch in kritischem Ton gehalten ist. Der Lesbarkeit halber habe ich mich jedoch bemüht, mich weitestgehend an die allg. Grammatik und Rechtschreibung zu halten. D. Verf.

Nächtens plagt mich der grobe Unfug. Blutrote Fahnen schwingende Paarhufer fallen über die Sonne her, diese Metaphorik macht mich fertig. Keine Etymologin der Welt kann das er­klären! Soll sie nun Pflastersteine werfen auf die kieselgrauen Fassaden unserer zu düsteren Ruinen verkümmerten ach so säkularisierten Gedanken­gebäude, pfui, sage ich da, lieber ­nehme ich Blasen an den Füßen in Kauf als alle ungeschlachte Schafsköpfe, meiner Seel’! Anderer­seits, wenn man nun, was ja zum guten Ton gehört, alle Umstände einer genaueren Betrachtung unterzieht, was hat es dann überhaupt für einen Zweck, wenn man brav den Mantel an der Garderobe abgibt. Lassen Sie Ihren Hund doch auf die Straße scheißen! Keiner könnte sagen, naja, das war wieder einmal typisch und sowieso und gang und gäbe, diese ewige Litanei, herausgewürgt von mit Halbwissen eklektisch bestückten manikürten Klugscheißern mit Dachterrasse; so mancher Denkanstoß erstickt auf diese Weise, wie man sagt, im Keim. Es wäre hingegen durch­aus überlegenswert, die langsam dem Verfall anheim fallenden Kratzbäume unserer immer heterogeneren Gesellschaft (anderswo) aufzustellen, aber sozusagen tunlichst das Kinde nicht mit dem Bade auszuschütten, um die vermeintlich Wohlwollenden einzusperren in dunklen, wenn auch aufgrund struktureller Beschaffenheiten zur Aufbewahrung tiefgefrorener Moorleichen nur leidlich geeigneten Kellerschächten. Nun, Tausende und Abertausende leidende Seelen tragen nicht eben zur Lösung bei – mag auch alle Polemik gewissermaßen auf der Müllhalde landen; was getrost ad acta gelegt werden darf, wenngleich sich im Zuge der fortschreitenden Multiplikation der ständigen Da capo-Schreier auch gewaltig die Balken biegen. Rastlos wandert indes der große Weltenlenker – an verregneten Samstagabenden pflegt er auf seinem Menschenxylophon Tonarten zu erfinden –, indem er sich fortwährend ereifert, in seiner honiggelb getünchten Singlewohnung auf und ab, nicht ohne von Zeit zu Zeit gewitzt auf die eine oder andere Möglichkeit hinzu­weisen, etwa: Tragen Sie bei Tauwetter weder Kopftuch noch Kalotte, im schlimmsten Fall könn­ten Ihnen die Haare zu Berge stehen. Lautes Getöse, sage ich da, welches die ganze Tragweite dieser Umstände, denken Sie nur an die Folgen!, welches also die ganze Tragweite der genannten Umstände mit der unüberschaubaren Vielfalt all ihrer Parameter und Faktoren, die es da mit größter aufzubringender Sorgfalt zu eruieren und nach penibler Façon zu notieren gibt, den Fehler endlich zu Gehör bringt, zeit­lebens unbeachtet, nun doch posthum von Heuchlern der übelsten Sorte gewürdigt und mit allerlei Gold und Silber behängt, allerdings fehlt der Hinweis auf korrekte Vorgehensweise. Zahle aus diesem Grund niemals mit Kreditkarte; Fenster kriegt man auch ohne nennenswerte Inkommoditäten mit Zeitungspapier sauber. Alsbald regnen pomologische Mixturen auf myopische Frauen von gedrungenem Körperbau nieder, solcherart, dass man versucht ist zu denken, ein leibhaftiger Gottseibeiuns würde uns heimsuchen, während wir, nicht ahnend, dass wir damit nicht, wie fälschlicherweise angenommen etwas für die Rekonstitution allen irdischen Strebens und auch Sterbens tun, hundertmal aufgezeigt in diversen Hörfunksendungen und von einschlägigen Beratungsagenturen verwettet und verpulvert, weitersuchen nach dem kleinsten Karomuster, aber am falschen Ort. Den wenigsten ist das Insinuatiöse im Kern dieser nur scheinbar ­naiven Groteske bewusst, oder denken Sie, Arthur, nur an das weite Problem­feld der Kulturanthrosophomorphophilologie – Mattheson, dem der Geifer ja schier auf’s Obs­zönste aus dem zuvor mit allseits unbeliebten, farblose Konterfeis zur Schau stellenden Briefmarken voll gestopften Maul zu tropfen pflegt, spricht hier etwa vom sog. kontemplativistischen reraffinativen Affekt­affirmationsradius, nach dem Leitsatz hic Rhodus, hic salta!, während als gesichert an­genommen werden kann, weil a eben nicht gleich b ist, dass all diese gemeine Hedo­nistik in nicht allzu naher Zukunft die grüne ­Wiese austrocknen wird, auf der unsere und auch eure Kinder und Kindeskinder Gärten und abermals Gärten aus prächtigen Neurosen anlegen werden, sowie sie auch selbst dem grässlichsten Unkraut allen Lebenssaft entzieht, auf dass es nicht mehr sprieße, denn denken Sie nur, auch im Wasser befinden sich kleine narkomane Lebewesen (wie uns schon die unwürdigen Khitaristen im Flüsterton weismachen wollten), die Ihnen und den Ihren Böses wollen! Bleibt nur zu erwähnen, dass der Vollzug der von ganz ­unten angeordneten Maßnahmen zur Verhöhnung aller An- und Abwesenden im Eifer des Ge­fechts aus nicht näher zu benennenden Gründen, als da sind: 1.(a) Dialektische Hygrome sind in abs­tracto(!) mit aller gebotenen Vorsicht aufzustechen; dass der Vollzug dieser Maßnahmen also auf einem Parkplatz an der Hauptverkehrs­ader Westautobahn ausgesetzt wurde – zeitgleich übrigens mit der Auferstehung des totge­sagten (oder viel­mehr totgetretenen, wie manche munkeln) Katers Paul, ein buntschillerndes inkonvenables Pseudopetrefakt wie es im Buche steht, in der drückenden Schwüle einer bewölkten Vollmondnacht, ich weiß auch nicht, was das soll. Alles ist anonym geblieben, ignoramus et ignorabimus, sozusagen. Nun, und doch steht auch fest, dass man in gewissen Supermärkten erfahrungsgemäß besser einen jener Drahtverhaue auf Rädern verwendet, um die Anhäufung so genannter Nahrungsmittel, welche in selbigem Drahtverhau zu platzieren sind, zu erleichtern – ein alter Irrtum, zweifellos, aber egal. ­Niemand hat sich indes schändlicherweise bemüßigt gefühlt, der Zeit, der alten Schwätzerin, einmal ordentlich in den Arsch zu treten, wie soll das denn auch gehen, wenn sie jahrelang nur mit allerlei Koloratur­zeugs verzierte alte Scharteken abbürstet und Sterne zählt, nur nicht die Leoniden, diese pflegt sie, naturgemäß, sanft von schwarzsamtenem Nachthimmel zu pflücken und in einem dunkel­senffarbenen Necessaire, ein Gewirk aus 1.999 gedarrten dunkelsenffarbenen Engelszungen, zu verwahren, Tag ein, Tag aus, das ist ja unerträglich. Vielleicht einmal etwas Leichtes für zwischendurch? Völlig unhaltbar, würde der dienst­habende Idiot sagen – er war unterdes in fetteren Jahren der Mann von Welt – völlig unhaltbar, spräche er also und erginge sich – nicht ganz zu unrecht – in einer Betrachtung über die völlige Unhaltbarkeit ­dieser sowie überhaupt aller Thesen, ja, man könne sie geradezu als Ausgeburt einer, so Sie wollen, personifizierten, oder wie andere (z.B. Bavaria höchstselbst) es schlechthin auf den Punkt bringen würden, exempli­fizierten „Inkonsistenz“ betrachten, auch wenn das natürlich, milde ausgedrückt, totaler Bullshit ist.
Wie ja weiters namhaften Hobby-Eschatologen zufolge de facto schon seit Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrtausenden, nicht mehr von der Hand zu weisen ist, stößt Mutter Erde der ganze nachmoderne Kram, wie wir ihn von damals kennen, als Fahrräder noch keine Dynamos, Schulkinder noch keine Autos, Hausfrauen noch keine Rechte hatten, mitunter sauer auf, auch wenn heutzutage ja alles und jeder retro ist. Ertrin­ken könnte man ja in diesem Meer aus Lichtern, ­roten, gelben, xenonfarbenen, in dem auf und ab der urbane Tumult wogt, Schienenfahrzeuge wie Ameisen in einem Labyrinth auf einer frankobelgischen Hautelisse – Aufhören! Ich bitte Sie, das ist doch das Letzte, ein Eklat, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat! Schubert in der U-Bahn, was sagen Sie da, das geht doch gar nicht. Die ganze aufwendige Kollokation der letzten Jahre, die nebenbei noch dazu Unsummen verschlungen hat, die man stattdessen besser in An- oder Ausbau von Befreiungstheolog(i)en oder mensch­licher Ausbeutung investiert hätte, hat hier ­wieder einmal kläglich versagt, sei mir ein starker Fels, dass ich nicht lache. Nein, zum Weinen ist das alles, diese ganze verdammte Inversion des Guten und auch des Bösen, Brüder und Schwestern, diese ewige Lämmerschlachterei nebst abscheulichen Fratzen. Vermissen wir also den kostbaren Saft, der früher bevorzugt in rauhen Mengen in den pulsierenden Lebens­adern der Kontinente floss, nun aber in immer weiter fortschreitender Deamplifikation zu ­staubigen, mit Kadavern übersäten Landschaften verkrustet, wie sie etwa die kambrische eine ist, wenn man dort letztlich auch eher einen Lazzarone als einen Kadaver anträfe. Spucken Sie der Revolution ins Gesicht, c’est la guerre! Von mir aus hauen Sie auch dem Ursprung ­allen Übels eine runter! Das kann nicht schaden, die Welt as we know it ist höchstwahrscheinlich sowieso dem Untergang geweiht.

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