Doing God’s Work

Da gingen die Wogen hoch, als der Chef von Goldman Sachs behauptete, die Banken verrichten im Grunde doch nur Gottes Werk. Passt doch aber ganz gut, nicht? So wie sich die Kirche damals im Namen Gottes an den Geldbörseln ihrer Schäfchen bediente, um sich seidene Kutten und güldene Ringe anzuschaffen, so wird das sparwillige und steuerzahlende Volk heute von den Banken ausgenommen, um deren Managern zum Glück zu verhelfen. Im Gegenzug wurde den Gläubigen ein gemütliches und sorgenfreies Leben (nach Todes- respektive Pensionseintritt) in Aussicht gestellt.

Auch sonst kümmert sich GS rührend um das allgemeine Wohl: Wenn die Mitarbeiter mit 40 auf „filthy rich“ getrimmt sind, werden sie ausgesandt, um „Gutes“ zu tun – zum Beispiel in der US-Administration; ihre Mission führt sie auch in die Zentralbanken, Finanzministerien und Börsen dieser Welt, wo sie die Reinheit des freien Marktes predigen. Kein Zweifel, Goldman Sachs weiß, wie’s geht. Im Krisenjahr 2009 hat die Bank ihren Gewinn auf 9,5 Mrd. EUR verfünffacht. Mit seinem Privatvermögen könnte GS-Chef Blankfein wahrscheinlich den gesamten Vatikan aufkaufen und die katholische Kirche modernisieren – dann würden sonntags Aktien statt Hostien verteilt, die Absolution erhielte man künftig gegen Bearbeitungsgebühr; man feierte keine Hochzeiten mehr, sondern Übernahmen. Die Zeile „vergib’ uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ würde gestrichen; was bleibt, ist der Klingelbeutel. Im Namen des Heiligen Kapitals.

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