Don’t Look back in Schadenfreude!

Was haben der gemeine Kritiker sowie die gemeine Kritikerin gerne? Recht! So wollen wir nun einen kleinen Rückblick auf die Produktionen des letzten Jahres wagen, vor denen an dieser Stelle bereits gewarnt wurde, und befragen bekannte Edelfedern und Giftspitzen des deutschsprachigen Feuilletons zu ihrer Meinung, um noch einmal zu bekräftigen, was ihr nicht verpasst habt und wie (ungemein) Recht der Vorverriss doch hatte.

Beginnen wir doch bei Macbeth im Akademietheater (siehe Bagger No. 8). Für Technikpannen kann man einer Inszenierung in den seltensten Fällen Schuld geben. Müssen wir auch gar nicht, dafür gibt’s einen Regisseur und dieser wurde bei der Premiere auch heftig ausgebuht und „gepfiffen. Nicht wegen der passierten technischen Missgeschicke, sondern weil diese „Readers-Digest-Shakespeare-Show“ zum „Schnarchen langweilig“, voller „fahler Figuren“ und „peinlicher Pointen“ sei, oder wie es der Pohl von der Standard formulierte, eine „aus den gedankenvollsten Shakespeare-Versen öde herausgepresste Schwund- und Plumpform eines Königsdramas“, die „gar niemals die Chance besaß, zu verfinstertem Leben zu erwachen“. Donnerworte, die runtergehen wie Öl.
Die Reifeprüfung (ebenfalls Bagger No. 8), für die Bühne adaptiert und vom Volkstheater aufgeführt, bescherte dem Hauptdarsteller Claudius von Stolzmann eine Nominierung für den Theaterpreis Nestroy. Was braucht ein verhärmter Rezensent mehr, um sich wohlig in der Schlammmulde der eigenen Treffsicherheit zu suhlen! Aussagekräftiger als jegliche Vernichtung durch Sued­deutsche, Zürcher Zeitung und Theater heute zusammen ist die Partizipation bei diesem „heuer zu Recht im Zirkuszelt veranstalteten“ Event (im dunkelsten Sinne des schlimmen Wortes).
Das Lachsblatt bestätigt uns einmal mehr, denn die Aufführung bleibe „eine nette sachliche Nacherzählung“, die in der zweiten Hälfte „schwer nachvollziehbar zusehends ins Klamaukhafte“ kippe. und sich „in eine x-beliebige, gar romantische Komödie“ auflöse.
Auch Nestroys Talisman im Theater in der Josefstadt hat uns nicht enttäuscht. Diejenigen, die es entgegen der begründeten Warnung aus dem Bagger No. 9 gesehen haben, berichteten: „Am meisten stört das schreckliche Forcieren der Darsteller.“ „Viel zu hyperaktiv“, „groteske Fehlbesetzung“; ersparen wir uns den Rest, zu zynischerletzt sei nur festgehalten: „Das Premierenpublikum wirkte dennoch angetan.“
Selber Bagger, selbes Theater, anderer Spielort: Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind in den Kammerspielen.
Die Fischzeitung nörgelt zwar ein wenig über die konventionelle Form der Inszenierung, aber sonst ist natürlich alles supi (kommt doch Redakteur Glattauer alias Covermodel dag zwischen Promotionstourneen für seine belletristischen Werke immer wieder zum Tagesbrotjob zurück – darob ihm nicht ans Bein gepinkelt werden sollte).
Unvoreingenommenere Medien gibt es in diesem Fall wohl kaum, so ätzt beispielsweise die böse Stiefschwester von der Standard, die Presse: Michael Kreihsl habe so „ansprechend, modisch und glatt inszeniert, wie die Geschichte ist“.
Was den Vorverriss zum Sommerloch in der Bagger No. 10 angeht, so wäre allein die noch ein singuläres Mal erfolgte Erwähnung von Sommertheater der Werbung zu viel.
Schlussendlich wird es zu der mit so viel Hingabe unsererseits bedachten Posse namens Ära Hartmann am Burgtheater (Bagger No. 11) auch in Zukunft noch zu viel zu hadern, zetern, fluchen und schadenfreuen geben, noch so viel Schönes, und wenn wir Schönes sagen, meine ich selbstverständlich Böses, zu schreiben geben, dass wir es hiermit gut sein lassen. Ach ja, und froh sind wir natürlich auch, dass Linz 09 nun bald wieder Platz macht für Kultur in Linz.

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