Fettfrei in die Fressnot

Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass die Zahl der hungernden Menschen im Jahr 2008 rund 1 Milliarde (das ist ca. jeder siebte Mensch) betrug, Tendenz steigend. In unregelmäßigen Abständen bricht auf einem der Urlaubskontinente eine sogenannte „Hungersnot“ aus und ausgewählte Nachrichtensender berichten auch darüber. Dann werden mitunter Bilder von apathischen, blähbauchigen Kindern mit Fliegen im Gesicht gezeigt und abwechselnd das Klima und die Politik beschuldigt, manchmal auch AIDS.

In Europa und den USA gelten etwa 15-30% der Bevölkerung als adipös – das ist medizinisch wertfrei für „fett“. Die WHO spricht im Zusammenhang mit Fettsucht inzwischen von einer Pandemie und schätzt, dass etwa 300 Millionen Menschen weltweit an Adipositas leiden. Die westliche Welt ist inzwischen so fett, dass sie gezwungen ist, ihr Futterkonzept im großen Stil zu überdenken. Während für unsere Großeltern ein Stück Schmalz noch als hocheffektiver und schmackhafter Energielieferant galt, müssen sich westliche Regierungen wohl bald überlegen, den Fettgehalt von Butter und Margarine legislativ zu begrenzen, um die Bevölkerung vor dieser Versuchung zu schützen. Es ist klarerweise nicht ganz trivial, speckfreien Speck herzustellen. Unsere Futterkonzerne leisten aber zum Glück enorme Entwicklungsarbeit, um unnahrhaftes Essen herstellen zu können. Penibel entfernen sie Prozent für Prozent von diesem unerwünschten Fett, um vielleicht eines Tages energetische Nullnahrungsmittel produzieren zu können. Womöglich schafft man es sogar, sättigendes Futter zu produzieren, dessen Verdauung mehr Kalorien verbraucht, als es zuführt … das bleibt aber wohl lediglich eine romantische Utopie.

Auch wenn es viele nicht gerne lesen, es besteht Handlungsbedarf. Jede und jeder einzelne Betroffene sollte sich an der Knollnase nehmen und eine der zahlreichen viel versprechenden Diäten beginnen oder gleich Nägel mit Köpfen machen und sich eine gesellschaftsfähige Essstörung zulegen. Andernfalls passiert es in einigen Jahren vielleicht, dass wir den Fernseher einschalten (sofern körperlich noch dazu fähig) und wir in die teilnahmslosen, von Schmeißfliegen umkreisten Fratzen unserer aufgeblähten Landsleute blicken.

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