Filmempfehlungen am Jahresende

Zwei Dokumentarfilmchen, auf die man schon während der Viennale linsen konnte, laufen seit November auch in den hiesigen Kinos: Wer also American Passages von Ruth Beckermann und Tahrir Liberation Square von Stefano Savona noch nicht gesehen hat,  möge sie sich doch hiermit wärmstens ans Herz legen lassen und sich bei nächster Gelegenheit ins Kino des Vertrauens begeben.

American Passages ist eine liebevoll gemachte Studie der vielen Schichten nord-amerikanischer Bevölkerung, Ruth Beckermann kommt ihnen nahe, egal ob sozial unten, oben, außen oder innen angesiedelt, ihr Blick beschönigt nicht, ihre Fragen sind nüchtern. Nach zwei Stunden weicht die Verwunderung über den Verbleib der Zeit einem sehnsuchtvollen Verlangen nach einer Fortsetzung. Wie auf der Reise von New York nach Las Vegas kann man sich auch dem Sog von Tahrir Liberation Square nicht entziehen, selbst wenn man wollte, aber warum sollte man. Innerhalb eines Tages nach den ersten gewaltsamen Eskalationen am Tahrir Platz in Kairo im Jänner 2011 reist der Ägyptologe und Filmemacher Stefano Savona an den Schauplatz des Geschehens, ausgerüstet nur mit einer kleinen Kamera und einem Audio-Aufnahmegerät. Und er nimmt auf: politische Diskussionen in kleiner Gruppe, extatische Revolutionsparolen oder den flimmernden Hagel der Steine. Das Portrait der wohl wichtigsten politischen Zäsur in jüngster Vergangenheit entwickelt einen Rausch der Authentizität, der unausweichlich, unerbittlich und trotzdem unverfälscht ist.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.