Glücklichsein (oder: die Hölle auf Erden)

Von allen politischen Idealen sei der Wunsch, die Menschen glücklich zu machen, vielleicht der gefährlichste, meinte Karl Popper; der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, produziere stets die Hölle. Recht hatte er, der gute Meister Popper. Was den Mächtigen vor Glück aufjuchzen lässt, wird der Glückseligkeit des Geknechteten wohl weniger zuträglich sein und vice versa et cetera. Dauerhaftes Glück gibt’s nun einmal nicht, und wenn es denn so etwas gäbe, würde die Welt wohl völlig anders aussehen – die globale Wirtschaft bräche zusammen, wenn alle plötzlich erkennen, dass sie, um glücklich zu sein, weder den neuesten Flachbildfernseher noch das angesagteste Guckmal-Ledertäschchen benötigen. Die Folgen wären unvorstellbar! Denken Sie an die süßen Kinder in den Sweatshops, die Baumwollpflücker- und GoldschürferInnen, Börsenmakler- und GeldwäscherInnen, Steuereintreiber- und MafiachefInnen, Rüstungshersteller- und SchmugglerInnen, PiratInnen, UmweltschützerInnen, PessimistInnen, KaffeesudleserInnen – alle arbeitslos und/aber glücklich! Stellen Sie sich vor, eine Welt, in der Gerechtigkeit und sauberes Klima herrschen! Der Mensch, unfähig, etwas anderes als Glück zu empfinden, und also gänzlich motivationslos, stellt alles Streben ein und erkennt das Paradoxon: Glück ist nichts als tödliche Langeweile!, bevor er plopp von der Erdoberfläche verschwindet und sich an oben erwähntem, himmelsfernem Orte wiederfindet. Und dorthin gelangen wir früher oder später ja auch mit der jetzigen Methode.

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