Hochbau: Leerlauf

Um Maschinen in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen, ist oft mehr Energie nötig, als diese über einen bestimmten Zeitraum in einem solchen zu bewahren. Als Beispiel möge hier ein Hochofen, der durchgehend beheizt wird (eher sinnig), oder ein Videorecorder im Standby-Modus (böse) dienen.
Interessant wird es, wo dieser Leerlauf zum eigentlichen Motor eines Konzeptes wird. So etwa bei der äußerst unterhaltsamen Videoinstallation, wo ein Camcorder auf die Betrachter gerichtet wird und das so eingefangene Bild diesen mit ein paar Minuten Verzögerung vorgeführt wird. Durch diesen zeitlichen Versatz ergeben sich rhythmische Handlungsmuster: Es geschieht etwas, drei Minuten später erscheint es auf der Mattscheibe und wird kommentiert, nochmal einen Durchlauf später wird der Kommentar diskutiert usw. Eine andere schöne Anwendung des Leerlaufes ist die des ständig tretenden Radfahrers eines Velos mit starrem Gang, also ohne Freilauf. Was zuerst anachronistisch erscheint, nicht ganz zu Unrecht – handelt es sich hier doch um eine Urform des modernen Zweirads, hat neben den erfreulichen Effekten, wie besserer Traktion auf unsicherem Untergrund oder geringerem Materialverschleiß, den großen Vorteil, dass der Antrieb – der Mensch – gleichmäßig in Bewegung bleibt, was für Gelenke und Muskelaufbau eine feine Sache ist.
Wir lernen: Leerlauf gezielt eingesetzt macht Spaß und ist gesund.

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