Hochbau: Rauchen

Die Römer saßen gemeinsam auf ihren Latrinen und unterhielten sich während der Verrichtung ihres Geschäftes. Unvorstellbare Sitten, und der Gestank, eine Beleidigung der Sinne! Noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war es undenkbar, ohne Hut auf die Straße zu gehen, eine barhäuptige Gesellschaft im öffentlichen Raum wäre als inak­zeptabel und als Beleidigung für das Auge angesehen worden. Hätten Sie gerne einen Hirn-vom-lebenden-Affen-Verspeiser am Nebentisch? Alkohol im öffentlichen Raum? Bei uns: Ohne 16er-Blech bin i’s ned. In den USA: Pfuiteufel!

Und der Rauch? Um die vorletzte Jahr­hun­dertwende symbolisierten ver­rauch­te Räumlichkeiten die At­mo­sphäre des intellektuellen Bür­gertums. Einen Hauch von Welt(mannstum), einen Lebensstil, Wohlstand und An­sehen. Niemand wäre auf die Idee ge­kommen, zu hüsteln, die „tränenden“ Augen zu verdrehen oder die Kleider nach der Abendunterhaltung chemisch rei­nigen zu lassen.

Politik beeinflußt die Sinne! Weil uns weis­­gemacht wird, daß Rauchen ge­sund­heits­schädlich ist, stinkt Rauch plötz­lich, wer­­den rauchfreie Zonen gefordert, sind ver­rauchte Kleidungsstücke plötzlich nicht mehr tragbar. So wie die römischen Latrinen für uns Nichtgemeinsamscheißer stinken, stoßen sich die Nichtraucher plötzlich am blauen Dunst. Der Weg zurück: verbaut! Es ist viel leichter, jemanden glauben zu machen, daß ihn etwas stört, als umgekehrt.

So erweisen sich gerade die Gelüste der Nichtraucher als gesellschaftlich beeinflußt, ein Phänomen, das immer wieder gerne den Rauchern, vor allem im jugend­lichen Alter, nachgesagt wird. Sind wir wirklich so un­eigenständig, daß wir uns von der Politik unsere sinnliche Wahrnehmung vorschreiben lassen müssen?

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