Hosni im Verbenwunderland

„Wie heißt Kuhstall auf arabisch?“ – „Muh-barack.“ (Uralt-Witz)

„Ich verbe gerne Wörter. Verben skurrilt die Sprache“, bemerkte einst Calvin zu seinem Tiger Hobbes. In den letzten Tagen hat die arabische Welt – zumindest soweit sie in englischer Sprache bloggt – den Familiennamen des ägyptischen Ex-Präsidenten geverbt. „To mubarak“ bedeutet jetzt „kleben“ – am Sessel oder anderswo. „Mubarak die Scherben zusammen, vielleicht kann man den Topf nachher noch brauchen.“ „Now we must all mubarak together.“ Stick together, soll das natürlich heißen. Oder auch als Gewaltandrohung: „Ich mubarak’ dir eine, daß du an der Wand mubarakst.“

Mubaraks Name wurde außerdem noch geeigenschaftswortet; das Adjektiv bedeutet „schwer von Begriff“. „Der Bub braucht Nachhilfeunterricht, er ist eben ein bißchen mubarak.“ Man kann ihn aber auch als Substantiv stehen lassen; er steht dann metonymisch für „psychopathischeR Ex-PartnerIn, der/die nicht kapieren will, daß die Beziehung vorbei ist“. „Seine Frau ist ein echter Mubarak – fünf Monate nach der Scheidung stalkt sie ihn noch immer.“

Bei uns zulande wurde ja auch schon mancher Politiker geverbt, und manche haben sich als Verb erst richtig durchgesetzt. Zum Beispiel ein ehemaliger Sozialminister und Vizekanzler: „Das kannst du doch nicht einfach so beHaupten!“ Er taucht auch in Adverbien auf – und das macht uns überHaupt nichts. Andere wurden sogar sprichwörtlich. Nicht nur wer die Politik unserer Grünen ein wenig zahnlos findet, wird bisweilen sagen: „Hunde, die vanderbellen, beißen nicht.“ Und wann immer wir uns über etwas mockieren, bedienen wir uns einer Wendung aus dem Französischen, das unser ehemaliger Außenminister so vorzüglich spricht: „Je m’en Mock.“

Auch wer dieser Tage ins Parlament schaut, sieht einige, die – nun ja, vielleicht nicht im Duden enden werden, aber zumindest im Sprachbastelbuch. Wie heißt einer, der ins Wirtshaus kommt, sich breitgesäßig auf dem bequemsten Sessel niederläßt, ordert, nicht nur die Teller ratzekahl leerfrißt, sondern auch das Brotkörbchen bis zum letzten Krümel, schließlich auch noch das Silberbesteck und die Servietten in den Ärmel stopft und sich schleicht, ohne auch nur auf den Gedanken zu kommen, er könnte dafür auch etwas hergeben müssen? Zech-Pröller. Zugegeben, auch seine Vorgänger haben das Volk gepröllt. Umso verdienter ist sein Platz im Wörterbuch. Wir hatten ja auch schon mal einen Sozialminister, der das BeHumsen erfand.
Stumm im Hintergrund sitzen und warten, bis die Legislaturperiode vorbeigeht, heißt „stögern“. Wer nicht weiß, was er unterschreibt, wurde gehundstorfert. Wer die Klassenzimmer einer österreichischen Schule abschreitet und dabei vor Kreide- und Feinstaub sein letztes bißchen IQ einbüßt, kann sich grade noch an einem der stinkigen alten Plastikvorhänge festklammern und ächzen: „Mir wird so schmied zumute.“ Er will sich stärken, man serviert ihm etwas Gesichtsloses, Hohles – ein darabosiertes Ei.
Immer noch besser, als sich in die Stammkneipe einer Burschenschaft zu verirren. Seltsame weißrote Bänder und Eichenlaub an den Wänden, dazwischen FotoGrafien von Herren mit Schnurrbart – die Atmosphäre ist, wir sagten es schon, reichlich graf. Aber da sitzen auch schon die Vandalen, Kimbern und Teutonen am Stammtisch, mit lustigen Hüten auf dem Kopf, kombinieren Adjektive wie deutsch, national, sozial mit Substantiven, pardon Hauptwörtern wie Blut und Heimat, rufen einander Heinrich und Wotan, zeigen eine sehr persönliche Geschicht-sauffassung, und wenn sie nach drei Bier kurz vorm Kotzen sind, äußern sie Grauslichkeiten über den Islam, die ein Volksschüler nach zwei Religionsstunden als sachlich unrichtig entlarven könnte, weil er nämlich türkische Freunde hat – kann man das nicht auch kürzer ausdrücken? Ja: sie stracheln. Sie kennen ja auch dieses braune Tier im Zoo, das immer auf und ab trabt und gräßlich mit seinen Stacheln raschelt, aber im übrigen nichts tut – nennen Sie es aber nicht „Strachelschwein“, das wäre Tierquälerei. Hingegen, wenn die Plakatwände mit schreienden Postern voller Krampfreime zugemubarakt sind, können Sie sagen: „Die ganze Straße ist verstracht.“
Eventuell wird die Strachlerei der Kellnerin einmal zu bunt, und sie mahnt: „Benehmt’s euch, sonst werdet’s g’fektert!“ Das heißt „mit Gewalt nach draußen geschafft“, und ist eine relativ milde Drohung. Kann man doch in Österreich auch gefritzlt werden – auf unbestimmte Zeit in einen schimmligen Keller gesperrt.

Wenn Sie sagen wollen, daß man in Österreich unter allerlei seltsamen Vorwänden der gesamten höheren Bildung nach und nach das Wasser abgräbt, sagen Sie heute nicht mehr, wie noch vor etwas über einem Jahr: „Sie setzen den Universitäten den schwarzen Hahn aufs Dach.“ Heute werden die Unis – gekarlt? Nein – hier können wir ruhig persönlicher werden: Die Studierenden werden ausgebeatrixt!
Jetzt nur noch einen, zum Üben. Wenn jemand sein Geld auf allerlei Schlupflöcher im nahen Ausland verteilt, wo es vor dem Finanzminister sicher ist (ah so, der Finanzminister war er selber?), und dann später, wenn man ihm draufkommt, ganz ganz langsam seine nach Eichhörnchenart verschollenen Erinnerungen an den gebunkerten Mammon ausgräbt – wie nennt man das dann?
Antwort: „Er hat sein Vermögen vergrassert.“

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