Hundertstelkrimi

Nun ist er also bald vorbei, der so genannte Skizirkus. Jetzt stürzen sich die Spitzensportler noch todesmutig die steilen und eisigen Hänge hinunter, einer nach dem andern, angetan mit hautengen windschlüpfrigen Kostümen, Skibrillen, Helmen. Man fragt sich ja oft, was da wohl für ein Mensch dahintersteckt, von der Kluft und vom Dialekt her sind sie ja kaum voneinander zu unterscheiden. Und dann brausen alle im Grunde mehr oder weniger gleich schnell den Berg hinunter, zumindest die Topplatzierten, bei denen der Österreicher, von Natur aus ja Skiexperte, weil „Wintersports“ is ja „in our DNA“, eigentlich erst den Fernseher aufdreht, weil man die Sportler auf den niederen Startplätzen eh von vornherein vergessen kann. Die spielen im Hunderstelkrimi nicht mit und fahren nur, um Punkte in irgendwelchen Weltcups zu sammeln, und damit die Veranstalter mit dem Rennen schön den ganzen Vormittag ausfüllen können.

Nun, wer beim Hinunterbrettern also von einem ungünstig gefallenen batzweichen Kunstschneeflockerl um drei Hundertstel gebremst wird, kommt halt nur auf den dritten oder vierten Platz. Wer zum Beispiel im richtigen Moment einen Schas lässt und damit, wenn‘s eine ordentliche Blähung war, vielleicht zwei oder auch drei Hundertstel gewinnt, hingegen bei einem leisen Lüfterl nur eines, oder wer von der Natur mit einem strömungstechnisch optimal geformten Hinterteil gesegnet ist, der oder die wird halt beispielsweise Erster; dem wird dann die Goldene umgehängt und die jeweilige Nationalhymne vorgespielt; die, wenn man sich manche Hymnen so anhört, im Grunde ja auch völlig austauschbar ist. Naja, wurscht. Hauptsache ist ja eh nur, dass WIR gewinnen und nicht die Deitschn! Die haben eh schon so viele Medaillen, dass sie sich einbilden, sie könnten wirklich skifahren!

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