Korruption

KorruptionKorruption ist böse. Korruption macht Demokratie kaputt. Korruption führt zu Armut. Korruption hält Armut aufrecht. Korruption führt zu Unfreiheit und verhindert (Lebens-)Freude (umgekehrt jedoch bei den Korrupten). Und – Korruption verhindert ehrliches Bagger-Schreiben!

Vorgestern hielten mich in der Wickenburggasse im Wiener achten Bezirk zwei Männer mit dunklen Brillen sanft an. Die Taschen ihrer Mäntel waren ausgebeult. Sie sahen meinen Blick: „Die Taschen sind ausgebuchtet, es sind jedoch keine Buchteln drinnen, Metall kann mau nicht essen“, knurrte einer, der mit einem Schnauzbart. „Diese Buchtel gibt meinen Wörtern Wuchtel! Das Manuskript, dalli!“, murrte der andere, der mit einer Narbe. Ich händigte ihnen das Manuskript des Enthüllungsartikels über Korruption bei * aus. „Brav“, grummelte der Schnauzer. „Ganz anders schreiben, nichts Konkretes erwähnen, uns schon gar nicht, sonst bum-bum!“, brummte die Narbe.

„Vielleicht kriegen Sie von uns Knödel“, dichtete der Schnauzer. Dann trollten sie sich – und ich ging zdrcen nach Hause und begann wieder am Bleistift zu kauen. Ich musste mich auf Allgemeines beschränken. Den Redaktionsschluss verpasste ich knapp. Aber – kein Knödel auf meinem Konto.

Politische Korruption

Korruption im gängigsten Sinne bedeutet Machtmissbrauch: Ich als Staatsbeamte vergebe Ämter und Aufträge gegen (Geld)-Zuwendungen. Den Auftrag bekommt eine Firma, die teurer und/oder miserabler ist als die Mitbewerber, und den Posten bekommt ein Koffer. Alle leiden dann: Wir alle blechen mehr (durch Steuern) und die Untergebenen/Bürger müssen einen Vollkoffer ertragen. Transparency International hat dazu ein lustiges Ranking, Corruption Perceptions Index genannt, erstellt (die Nummern unten). Muss nicht ganz genau stimmen, aber was wir so lesen und hören, passt es ungefähr.
Es gibt Länder, die sehr wenig korrupt sind, wie Dänemark oder Finnland (Nr. 1). Im Dänischen und Finnischen gibt es gar keine Vokabeln für Korruption mehr: Das Wort wurde mangels Gebrauch amtlich entfernt, so wie einmal der Buchstabe Z aus dem lateinischen Alphabet. Dann gibt es Länder, die wenig korrupt sind, wie Österreich (15, flankiert von Deutschland und Hong Kong). Dann ziemlich korrupte Länder, wie die Tschechische Republik (41, umgeben von Ungarn, Italien und Malaysia). Dann aber wahnsinnig korrupte Länder wie Bangladesch (162), Venezuela (162) oder Burma und Somalia (teilen sich den letzten, 179. Ehrenplatz). Ach, Venezuela, Paradies der österreichischen FidelantInnen! Dort kann ich ohne Bestechung nicht einmal einen Führerschein kriegen!

Korruption ruiniert ganze Kontinente

Nehmen wir Afrika: Afrika ist der korrupteste Kontinent überhaupt. Afrikas Hauptproblem ist neben Diktatur, Mangel an Marktwirtschaft und Rassismus eben Korruption. Da aber ohne Fall der jeweiligen Diktatur nicht mit der Korruption aufgeräumt werden kann, können wir nichts machen, weil wir uns einmischen wollen. Dann haben wir jedoch Schuldgefühle. Auch, weil sich unsere europäischen Vorfahren in Afrika häss­lich verhalten hatten.
Was machen wir mit unseren Schuldgefühlen? Seit Jahrzehnten fließen nach Afrika Wahnsillionen aus der ganzen entwickelten Welt (die meis­ten aus den USA, in Europa aus dem TSG, Topf des schlechten Gewissens) und die Resultate sind katastrophal, weil viele Gelder eben „irgendwo“ verschwinden – am Ende auf den Schweizer Bankkonten der Hotentotenpotentatentanten. Die Dukaten hätten in den europäischen Banken ruhig liegen bleiben können.
Kenianischer Wissenschafter James Shikwati sagt sogar, dass wir die Entwicklungshilfe einstellen sollten, weil sie nur Riesenbürokratie (political industry) geschaffen hatte und die Normalafrikaner davon eh nix spüren. Hören wir seine Worte der Weisheit:
In Afrika stellt China Schecks aus wie kein anderes Land. Im Gegensatz zu den westlichen Staaten verdeckt China seine Interessen aber nicht mit schönen Worten wie Demokratie … China sagt: Wir wollen euer Öl, hier ist das Geld. Chinas Direktheit hat geholfen, das ganze Fiasko der Entwicklungshilfe offenzulegen. In Afrika hängt das Problem der Korruption nur damit zusammen, dass Entwicklungshilfegelder in die Länder hineinfließen. Wo bekommen die Führer in Afrika die Millionen Dollar her, die sie stehlen und ins Ausland bringen? In einem armen Land gibt es nichts zu stehlen. Die Korruption entsteht aus dem ausländischen Geld.
Wer die Korruption verhindern will, muss den Hahn zudrehen: die ausländische Entwicklungshilfe einstellen. Kein afrikanischer Bürger würde einen korrupten Politiker unterhalten, wenn er selbst dafür bezahlen muss. In gewisser Weise hat der korrupte Politiker ja die Steuerzahler in Europa oder Amerika bestohlen. Wenn unsere Regierungen auf unser Steuergeld angewiesen sind, wird kein Afrikaner mehr akzeptieren, dass die Politiker unser Geld stehlen. In diesem Sinne würde es der Demokratie helfen, wenn die Zahlungen von Hilfsgeldern eingestellt würden.
Shikwati ist ein Wissenschafter, die reden kompliziert und verbrauchen viele Zeichen. Der edle Jean-Bedel Bokassa (Zentralafrikanisches Kaiserreich), ein Kaiser so wie unser Karl, sagte es kürzer: „We ask the French for money. We get it, and then we waste it“. Nun: kein Vergleich. Karl hatte nicht Kinder hammi-hammi wie unser edel-Bedel. Bokassa schenkte Giscard d‘Estaing Diamanten – unser Karl korrumpierte vermutlich keinen Franzosen.

Theorie und Praxis der Macht

Korruption hängt natürlich zusammen mit Macht. Macht korrumpiert: Wir sollten vielleicht die Herrschenden nie allzu lange an der Macht lassen. Lord Acton sagte es schon 1887 schön: Power tends to corrupt, and absolute power corrupts absolutely. Aber George Washington wusste es schon hundert Jahre vorher: wollte 1796 nicht zum dritten Male zum Präsidenten der USA gewählt werden, eben aus diesem Grund. Um die Zeit hat sich in Europa ein Zwergerl mit dem lustigen Namen Napoleon, ein Löwe aus Nappa-Leder, emporgeschuftet, um die europäische Tradition der Diktatoren und Megamörder zu begründen (Napo: fünf Millionen Tote). Nachdem die letzten Ostblock-Scheusale 1989 (bzw. 2000 – Milošević) die Macht abgegeben hatten, ist sein letzter Erbe in Europa jetzt Lukašenko. (Medweputin ist ein Kapitel für sich.)
Washington war gescheit, Roosevelt nicht, wollte mehr und wurde dann viermal gewählt – leider, weil in seinem Apparat auch von Moskau korrumpierte Menschen wie Alger Hiss waren, die den Russkis halb Europa auf einer Silberplatte serviert haben. Heute ist das Präsidentwerden in den USA nur zweimal möglich und es ist gut so.

Persönliches

Ich lebe seit 24 Jahren in Österreich und musste nie etwas an Bestechungen zahlen. In CSSR nur einmal 10,000 Kronen, fünf Monatsgehälter, für ein Wohnmagazin. (Ich gehörte bei die Bem zum dissidentischen Abschaum, ein Sanitäter, der eh nix verlangte und auch nix kriegte, außer Polizeiverhöre.) Alle Wohnungen und Häuser über 120 Quadratmeter Wohnfläche waren nämlich verstaatlicht (also gestohlen) und der Staat war der einzige Verteiler der Bleiben. Wegen des absoluten Wohn­mangels hatten oft drei Generationen in einer Wohnung gewohnt. Geschiedene Partner mussten noch jahrelang die Wohnung teilen. Die Korruption blühte – und blüht bis jetzt. Aber es langsam besser: Vor einigen Jahren war Tschechien noch Korruptions-Numero 56, jetzt 41 – steht eh oben. Das Problem ist – sapperlot! schon wieder das kommunistische Erbe: Bis auf Slowenien (Nr. 29) sind alle Ex-Ostblockistanis sehr weit hinten. In einer absoluten Mangelwirtschaft gab es nicht nur einen Schwarzmarkt, sondern auch Beamte mit offenen Händen. Willst du auf die Trabantwarteliste? Zahle! Willst du gute Medikamente? Zahle! Und leider wird die Korruption dort auch heute nicht als Problem angesehen.
Ein Beispiel der letzten Jahre (Name ist mir bekannt): Ein Arzt wollte Assistent des Professors im Krankenhaus werden. Der Professor sagte direkt: 200.000 Tschechenkronen (heute ein Jahresgehalt) auf den Tisch – und Sie haben den Posten. Der Doktor zahlte.
Es wächst aber die Anzahl der Menschen, die dagegen kämpfen, seien wir also optimistisch.

Neue Terminologie

Mitten in der Korruptionstabelle ist eine Grenze zwischen den Scheißländern und zivilisierten Ländern. Natan Sharansky (neun Jahre im GULag, seine Bücher kann ich jedem ans Herz legen!) unterscheidet zwischen free society and fear society: Wo der Bagger öffentlich angeboten werden kann, dort ist die free society, sagt er wörtlich.
Ich bin volkstümlicher: Wenn aus einem Land Menschen flüchten, ist dies ein Scheißland.
Erklärung des Begriffs: Am Anfang waren die Kinder, die Kinder lügen nicht: Das tschechi­sche, in Wien lebende Künstlerehepaar Dáša V. und Londýn V. fuhr bald nach dem Kollaps des Kommunismus (1989) mit den Kindern in die CSSR, in die alte Heimat. Irgend­wo im Waldviertel stiegen alle zum Pinkelzwecke aus dem Auto aus. Kinder jedoch flüchteten in den Wald und schrien: „My do toho šajslandu nepojedem“ (Wir fahren nicht in das Scheißland). Wussten genau, was das Land damals noch war.

Also bitte: nie eine Diktatur zulassen. Sharansky hat recht, wenn er sagt, dass jedes einzelne Land, dass frei(er) wird, die Freiheit in der Welt stärkt. Zerstörung einer Demokratie kann nur Tage dauern, Folgen einer Diktatur werden 30-xxx Jahre verarbeitet. Ronald Reagan: Freedom is never more than one generation away from extinction.

Kommentare

danke f.d. text. hat mich

danke f.d. text. hat mich zum lachen gebracht, was mich selbst erstaunt wenn man bedenkt dass es eigentlich traurig ist.
mein lieblingssatz aus dem obigen text: "Wenn aus einem Land Menschen flüchten, ist dies ein Scheißland." werde ich immer im herzen tragen und nach möglichkeit zitieren. genauso wird es sich mit folgendem (halben) satz verhalten:
"(...)weil viele Gelder eben „irgendwo“ verschwinden – am Ende auf den Schweizer Bankkonten der Hotentotenpotentatentanten"

hihi -- danke!

danke shoka!
freut mich sehr!
war auch so gemeint - sollte schmunzelbar und schmunzellich sein!

auf alles 2009-lachen mit besten grüßen

jan

Was heißt hier Bangladesch oder Venezuela??

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

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