Leben in Krisenzeiten

Wir leben in einer eigentümlich krisenreichen Zeit. Viele Krisen stürzen über uns herein, nach der Angst vor dem Terrorismus ist nun neuerdings Alarmbereitschaft (vgl. K. Rögglas Buch „Die Alarmbereiten“) angesagt – die Weltwirtschaft und so manche Volkswirtschaft sind in permanenter Gefahr. Mit ihnen unser Sicherheitserleben: Wird sich die Währung, die Preis- und Arbeitsmarktstabilität auf dem derzeit schon nicht sonders befriedigenden Niveau halten können? Auf eine geregelte Alterssicherung (das wäre schon Zukunftsoptimismus) mag man nicht mehr wirklich vertrauen. Folgt also ein Rekurs auf wahre Werte jenseits des Geldes und der Macht? Nach den zahlreichen Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche ist das mitgliederstärkste und einflussreichste Gegengewicht zum innerweltlichen Chaos selbst in der Krise. Man wählt nun „einfach“ aus austauschbaren Alternativen eine neue Heilsbotschaft – oder eben keine mehr. Vertrauensverluste allerorts begünstigen einen Rückzug ins passive Private, doch selbst dorthin folgen uns medial unentwegt Hiobsbotschaften. Wir haben vergessen, wie wir uns der Dopplung des unbefriedigenden Ist-Zustands erwehren könnten, und sitzen länger vor TV und anderen virtuellen Welten als je zuvor. „Was darf ich (also in dieser Lage) hoffen?“, fragte sich einst auch Immanuel Kant. Ihm fiel eine Antwort leichter, da er sich vermittelst der anderen ernsthaft ergründeten Fragen „Was soll ich tun?“ „Was kann ich wissen?“ „Was ist der Mensch?“ im unablässigen Meer der Zufälle positionierte. Diese Suche nach sicherem Grund kann eine Folge der Krise sein und eine gute noch dazu, weil jene neue Stabilität Weltoffenheit und Handlungslust erst erwirkt.

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