Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten. dtv, München: 2009

Detective Landsman vom Morddezernat des Distrikts Sitka ist wegen seiner Ermittlungsmethoden berüchtigt, dem Alkohol verfallen und beruflich wie privat eher auf dem Weg nach ganz unten. Dazu kommt, das der (fiktive) Distrikt Sitka, eine Art jüdisches Reservat in Alaska, das den Überlebenden des Holocaust und des verlorenen Kriegs in Palästina 1948 zur Verfügung gestellt wurde, in wenigen Wochen wieder an die USA zurückfällt. Es sind „seltsame Zeiten für Juden“, denn die Zukunft der jüdischen Bevölkerung Sitkas nach dem bevorstehenden Verlust auch dieser letzten verbliebenen Heimstätte ist alles andere als gesichert. Als schließlich noch Mendel Shpilman, in dem viele den Messias sehen, erschossen wird, sieht sich Landsman vollends in ein Geflecht aus mafiösen Strukturen, ultra-orthodoxen Sekten und religiösem Fanatismus sowie von langer Hand geplanten Verschwörungen verstrickt. Eine verzwickte Situation … Formal genügt der Roman allen Konventionen des Krimi-Genres, tatsächlich entwirft Michael Chabon jedoch ein aberwitziges Szenario, in dem sich die Fakten und ein fiktiver Entwurf jüdischer Geschichte auf skurrile Weise miteinander vermischen. Verschwörungstheorien, Messianismus und Fanatismus blühen in diesem Fall auf höchstem literarischem – und nicht etwa antisemitischem! – Niveau.

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