Monsantos Saat für Europa!

biohazardWie sich US-Botschaften in Europa für amerikanische Agrar-Konzerne mit zweifelhaftem Ruf einsetzen.

Bei den Cablegate-Veröffentlichungen vom 19. Dezember liegt der Schwerpunkt auf Biotechnologie. Während sich ungefähr die Hälfte der neuen Depeschen mit der Landlosen-Bewegung in Brasilien beschäftigt, ist die andere Hälfte dem Widerstand innerhalb der EU gegen genetisch modifizierte Organismen (GMOs) gewidmet.
In einem Kabel aus Paris vom 14. Dezember 2007 berichtet der Botschafter vom europaweiten und im speziellen französischen Widerstand gegen den Anbau und die Einfuhr von GMOs. Frankreich sei neben Österreich und Italien einer der Anführer in dieser Sache und seine Bemühungen “rückwärtsgerichtet”.

Die Kontaktpersonen (wohl Vertreter der französischen Regierung) seien sogar überzeugt, dass sie im Sinne der öffentlichen Meinung und in Übereinstimmung mit anderen EU-Staaten handeln würden, und führten als Beispiel wiederum Österreich an: Hierzulande ist nämlich die Einfuhr von GMOs entgegen der offiziellen EU-Regelung verboten. Der Botschafter nennt dieses Verbot illegal und verweist auf die Weigerung anderer Mitgliedsschaften in dieser Sache gegen Österreich vorzugehen.
Martialisch wird die Nachricht bei der Empfehlung von Gegenmaßnahmen gegen die europäische Entwicklung (Asbatz 6 im Kabel): Man solle eine “Liste von Vergeltungs-Zielen” ausarbeiten, “die quer durch die EU Schmerzen verursacht”, die aber auch besonders auf die “schlimmsten Täter” abzielt. Die Liste sollte nicht zu bösartig sondern eher gemessen und lange durchzuhalten sein, da man keine schnellen Siege erwarten könne.
Auch Gründe, warum die USA in dieser Sache ein so eminentes Interesse hat, werden gegeben: Einerseits “wegen unseres bedeutenden Pflanzensamen-Geschäfts in Europa”, andererseits, weil Bauern, die einmal Erfahrungen mit Biotechnologie gemacht haben “ihre treuesten Unterstützer” werden.

Auch wenn diese Nachricht bereits drei Jahre alt ist, zeigt sie doch sehr klar die Interessen amerikanischer Außenpolitik in Bezug auf die europäische Agrarwirtschaft. Nun kann man zu genetisch manipulierten Organismen stehen wie man will, besorgniserregend ist aber in jedem Fall, mit welcher Vehemenz hier die USA ein Marktsegment fördern, in dem ein berüchtigter amerikanischer Konzern längst weltweit übermächtig ist: Monsanto ist im Bereich der GMOs global mit Abstand dominantester Saatgutverkäufer. Wer mehr über das Vorgehen der Firma und dessen Folgen wissen möchte, dem sei der Dokumentarfilm Monsanto – mit Gift und Genen empfohlen. Ein auf Südamerika und die dortige Sojaproduktion angewandtes Exempel gibt der Bagger-Artikel Tropenfrucht oder Rinderschnitzel.

Weitere Depeschen (08MADRID489, 09MADRID482, 09MADRID1013 aus Madrid bestätigen, dass diese Agenda noch nicht aufgegeben wurde. Spanien, das mehr Lebensmittel braucht als es produzieren kann und mit hohen Lebensmittelpreisen kämpft, gilt als eher williger Abnehmer für genmanipulierte Nahrungsmittel und ebensolches Saatgut. Allerdings scheint die Zustimmung in der Bevölkerung zu kippen, Lobbying-Verbände machen dagegen mobil und Spaniens Staatssekretär für Landwirtschaft und Wasser, Josep Puxeu, ein erklärter Befürworter von GMOs, steht zunehmend auf verlorenem Posten. Deshalb bat er gemäß der zweiten der drei Depeschen die US-Regierung, in dieser Sache Druck auf Brüssel auzuüben. Die Botschaftsdepesche empfiehlt im Weiteren ebenfalls eine “high level intervention” der US-Regierung.
Monsanto wird in dieser Nachricht übrigens sogar mehrmals erwähnt: Zunächst liefert das Unternehmen Informationen über ein Abkommen zwischen der Französischen Regierung und den beiden NGOs Greenpeace und Friends of the Earth, demnach Frankreich Bemühungen gegen GMOs unterstützen will, während die NGOs Sarkozys Atomenergie-Initiative zu ignorieren versprechen. Weiters wird klar, dass es wiederholte Treffen zwischen Vertretern des Konzerns und der Botschaft gibt, bei denen das Unternehmen über die zunehmend GMO-feindliche Stimmung klagt. Der Botschafter tut, wie mau sehen kann, sein Bestes …

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