Neue Keramik

Gerade bei den wohlhabenden, bereits pensionierten Eltern von schnöseligen Freunden zu Gast überkommt einen des öfteren ein dringendes Bedürfnis und infolge die Notwendigkeit, einen gewissen Ort aufzussuchen. Und auch in solchen Haushalten könnte – gleich neben dem Klobesen, der stilsicher in einer weißen Porzellankatze Zuflucht gefunden hat – ein goldener Messingzeitungständer mit gut sortierter Lektüre für längere Sitzungen unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

In gewissen Dingen sind bekanntlich alle Menschen mehr oder weniger gleich … Und wenn es nun der Zufall so will und die Frau des Hauses vor kurzem ihre Begeisterung für das Herumkneten mit grauem Gatsch entdeckt hat, finden wir hier eine Ausgabe von Neue Keramik – Das Europäische Keramikmagazin. Sollte tatsächlich nichts spannenderes dabeisein (vielleicht ein unstandesgemäßer Donald-Duck-Band gleich darunter?), wagen wir vielleicht tatsächlich einen Blick hinein, nur um festzustellen, dass der Inhalt genauso abgehoben langweilig ist, wie der hochtrabende Name der Zeitschrift schon schließen lässt. Portraits von „Künstlerinnen“, die Staubfänger für die Regale von Leuten mit zu viel Knete produzieren, langweilige Keramikkurse für gelangweilte Hofratswitwen und andere halbadelige Unterbeschäftigte, Ankündigungen für Ausstellungen, Märkte, Porzellan-Festivals, wo dann endlich das passende Tee-Service für das letzte noch freie Vitrinenfach gekauft werden kann. Undsoweiter.
Was tun? Das nächste mal einen Bagger in das gute Haus einschleusen und zu Bildungszwecken der ganzen Familie am stillen Ort „vergessen“.

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