Nicht nur irgenda Zahnradl irgendwo

Bmst. Lugner

Betrachtet man die ös­ter­reichische Promi­nenz näher, findet sich unter den Reichen und Schö­nen doch tat­sächlich ein Bau­meister. Baum­eister und berühmt? Grund ge­nug für den Bagger, sich mit R. Lugner zum Ge­spräch auf einen Sa­lat zu tref­fen. Be­vor wir noch eine Frage stellen konn­ten, legte der ehe­mali­ge Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat mit seiner Le­bens­ge­schichte los ...

Na schauen Sie, ich war in Latein schlecht und hab dann zur Kenntnis nehmen müssen, dass, wenn i mi net anstreng, i möglicherweise durchfall. Und auf das wollt ich’s nicht ankommen lassen und bin daher in die HTL übersiedelt. Hab zu meiner Mutter gesagt: „Du, erkundig dich mal, ob i do hinkann.“ Am nächsten Tag hab ich gefragt: „Na, hast du dich erkundigt?“ „Na freilich, ich war schon dort. Ich hab dich auch schon eingeschrieben.“ Ich: „In was denn?“ „In Hochbau.“ Sag ich: „Um Gottes Willen, Hochbau! Elektrotechnik, Maschinenbau, das sind die Berufe der Zukunft.“ Im Nachhinein bin ich eigentlich froh, dass mein Mutter entschieden hat, weil ich hab eh net gewusst, was ich machen soll.

Bmst. LugnerIhre Eltern waren mit Ihrer Berufswahl also einverstanden?
Also meinen Vater, den hab ich das letzte Mal gesehen, wie ich 10 war. Im Krieg hams ihm bei minus 20 Grad die Stiefel weggenommen, weil er Offizier war. Da ist er drei Tage bloßfüßig durch den Schnee gegangen und des hat er net überlebt. Brutal, aber es ist so. Meine Mutter hat nie wieder einen anderen Mann geheiratet und hat sich für ihre beiden Söhne wirklich aufgeopfert.

Sie haben dann bei Mobil Oil Austria gearbeitet …
Ich habe bei einer Baufirma gearbeitet, die ganze Ferialzeit und auch dann nachher. Und in der Mobil Oil Austria war ich in der Bauabteilung.

Und warum haben Sie sich dann entschieden selbstständig zu werden?
Ein Schulkollege hat mich als Juniorpartner in seine Firma genommen. Er hat aber mitm Geld net umgehn können – er ist dann auch später in Konkurs gegangen. Und ich habe, nachdem ich die Baumeisterprüfung zwischenzeitlich gemacht habe, zu meiner damaligen Frau ge­sagt: „Naja, mach ma eine Baufirma.“

Glauben Sie, dass es damals schwieriger oder leichter war, sich selbstständig zu machen?
Man muss halt immer wissen, wie man’s macht. Schauen Sie, damals war’s vermutlich schon leichter, als Baumeister. Weil damals haben sich die Baumeister alle dafür interessiert, große Wohnhausanlagen zu bauen, und ich hab damals als Nischenproduzent gearbeitet und hab ­Wohnungen renoviert, hab Tankstellenreparaturen gemacht.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie dann die Moschee für Saudiarabien gebaut haben?
Na, also die Moschee war wieder was ganz was anderes. Ich saß an einem Samstag im Büro, geregnet hat’s, grauslich war’s – so wie jetzt, die Arbeit hat mich überhaupt nicht gfreut. Und da hat mich eine Bekannte angerufen und hat ge­sagt: „Da ist jemand von der saudiarabischen Botschaft, der mecht a Moschee bauen.“ Und ich hatte das Glück, dass ich in dem Jahr, im Mai, Juni, einen Betriebsausflug nach Istanbul gemacht habe. Ich hab da Reiseführer gelesen und hab wirklich gewusst, um was es geht. Und dann war ich in Rhodos auf Urlaub und dort sind auch Moscheen, das ist auch ein islamisches Insel­volk. Ich kannte mich mit Moscheen besser aus als mit katholischen Kirchen.

Haben Sie einen besonderen Bezug zu Weltreligionen bzw. in Österreich lebenden Minderheiten – weil sie auch in der Lugner City immer wieder Projekte in die Richtung gemacht haben?
Nein. Schauen Sie, die Lugner City hat einen Veranstaltungsbereich und wir stellen den allen zur Verfügung, wir schließen niemanden aus.

Bmst. LugnerDas heißt, auch die Renovierung vom jüdischen Stadttempel hat sich zufällig ergeben?
Das war ein bisschen mehr geplant. Nachdem wir gerade die Moschee gebaut haben, wollten wir natürlich das religiöse Gegenstück, den Stadttempel machen. Wir sind mit olle guat, wir mochen net nur Moscheen, wir machen auch ­einen jüdischen Tempel.

Als Sie ca. 25 waren, haben Sie sich da Ihren weiteren Werdegang so vorgestellt?
Mit 25 hab ich … mit 25 war ich bei der Mobil beschäftigt und war glücklich, dass ich dort bin.

Haben Sie sich damals schon gedacht, dass Sie mal für die Präsidentschaft kandi­dieren?
Nein … Da war ich wirklich froh, mal einen Job zu haben. Der Job hat mir Spaß gemacht.

Sehen Sie sich selbst als Vorbild?
Naja, ein Chef muss immer ein Vorbild für seine Mitarbeiter sein. Weil der Mitarbeiter muss sich auch an etwas orientieren können. Ich selber hatte in meinem Leben immer wieder Vorbilder, die beruflich sehr erfolgreich waren. Zuerst kleinere und dann immer größere. Und von denen habe ich viel gelernt und auch viel angenommen.

Bmst. LugnerAngenommen, Sie hätten sich damals für etwas ganz anderes als die Bauwirtschaft entscheiden müssen, hat’s da irgendwann mal eine andere Idee gegeben?
Nein, meine Mutter hat mir den Weg vorgegeben und der war richtig. Es ist auch schöner, aus heutiger Sicht gesehen, Baumeister gewesen zu sein als was anderes. Als Baumeister hinterlassen Sie Spuren, sichtbare. Wenn ich durch Wien gehe … es gibt keine Gasse, in der ich nicht schon mal gebaut habe. Und wenn ich bei der Moschee vorbeifahre, sage ich: „Die hab ich geplant und gebaut.“ Und ich kann überall sagen: „Das hab ich gemacht.“ Und das sieht man. Wenn ich Maschinenbau oder Elektrotechniker geworden wäre, da sehn’s gor nix. Irgenda Zahnradl irgendwo.

Standen Sie immer gern im Rampenlicht?
Nein, ich war sehr schüchtern als Jüngling. Ich hab mich nicht einmal allein vorstellen gehen getraut, da hat immer meine Mutter mitgehen müssen.

Was war Ihnen in jungen Jahren wichtig? Bzw. welche Themen haben Sie am meisten beschäftigt?
Wichtig war mir immer, Erfolg zu haben. So­wohl als Angestellter als auch Selbstständiger. Es zählt nur der Erfolg, und wenn ich einen Mit­arbeiter frag: „Was ist?“ und er erzählt: „Ich erreich den und den nicht“, sag ich: „Ich will nicht wissen, was sie net kennan. Ich will wissen, was Sie erreichen.“ Wenn er das nicht kann, dann lebt er bei mir nicht sehr lange. Weil’s nicht ­anders geht. Ich kann ja keine Schlafwagen­kompanie installieren.

Sind sie über Leichen gegangen?
Es gibt natürlich welche, die da nicht mitmachen wollen, aber da müssen sie einfach mitmachen. Das hat nichts mit Leichen zu tun. Wie z.B. auch bei der Baufirma: Wir haben halt gute Arbeit geleistet und Termine eingehalten, aber da ­müssen die Mitarbeiter halt mitziehen. Ich bin mit meinen Mitarbeitern, mit den Maurern, in drei verschiedenen Erdteilen gewesen. In ­Afrika, in ­Asien und in Europa. War mit ihnen im Lido in Paris, und was weiß ich was alles. Man tut natürlich auch was für die Mitarbeiter. Das kriegt man natürlich auch zurück, wenn irgend­wo eine Arbeit zu machen war und keiner wollte, dann bin halt ich hingegangen und sag halt: „Es hilft nix, wir müssen morgen fertig sein, und kann ich auf euch zählen?“ „Freilich, Chef, wir mochen des.“ Und so war’s auch immer und die stehen auch hinter mir. Auch heute noch. Aber heut hab ich nimma viele.

Bmst. LugnerWas würden Sie jungen Leuten für einen Tipp geben? Grad mit Selbstständigkeit?
Grundsätzlich einmal, zu versuchen in jeder Branche was anderes zu machen als die anderen. Eine Nische zu suchen. Bei der Baufirma war’s eben das Spezialisieren auf Reparieren und auf Tankstellen. Beim Einkaufszentrum war’s das, dass man an einem Samstag im Monat am Nachmittag offen haben darf.

Sie feiern nächstes Jahr Ihren 75. Geburts­tag. Was waren bisher die „großen Baustellen“ Ihres Lebens?
Die schlimme Zeit der Kriegsjahre. Die Wieder­aufbauzeit nach dem Krieg. Dann eben die berufliche Ausbildung. Angestelltentätigkeit ein paar Jahre. Dann Selbstständigmachen als Baumeister. Ich hatte einen relativ großen Erfolg. 62 eröffnet, 64 hat schon ein Bundespräsident eine meiner Baustellen eröffnet. Ich hab es bis zur größten gewerblichen Baufirma in Wien gebracht. Hab mich dann vor der Präsidentenwahl aus der Firma zurückgezogen, meine Söhne haben halt die Baufirma zu stark zurückgefahrn und das ist sich von den Kosten her nicht ausgegangen.
Die haben das Personal stark reduziert, es hat sich dann nicht gerechnet und dann hab ich’s zugesperrt, weil’s eben sonst schiefgegangen wäre. Und da waren wir dann auch eine Zeit in Zahlungsproblemen und haben Konkursantrag gemacht, doch wir haben alles abwenden können und die Baufirma gibt’s nach wie vor, aber die baut nur noch für mich.

Hat Ihre Tochter schon irgendwelche Berufsträume?
Die wird wahrscheinlich meinen Job als Einkaufsbetreiber machen. Nachdem beide Söhne Baumeister sind, ist das nahe liegend. Das liegt einer Frau auch mehr, Geschäfte zu beurteilen. Ein Mann tut sich schwerer zu sagen: „… des oder des Geschäft. Das ist billig oder teuer.“ Eine Frau sieht das gleich. Und das wird Sie vielleicht zambringen. Aber sie ist erst zwölf.

Bmst. LugnerSind Sie stolz auf ihre Söhne und ihre ­Tochter?
Ja freilich, muss man ja sein. Es ist halt nicht immer alles leicht. Die Situation, wie die Baufirma ins Schleudern gekommen ist, ist natürlich innerfamiliär nicht lustig. Wir haben das halt überstanden und jetzt geht’s wieder.

Ein bewegtes Leben.
Naja, es gibt den Baumeister, es gibt den Einkaufs­zentrumsbetreiber, den Gastronomie- und Kino­betrieb, das ist wieder ganz was anderes, dann gibt’s den Präsidentschaftskandidaten.

Was kommt als nächstes?
Es kommt immer wieder was Neues dazu. Neulich ist wieder jemand zu mir gekommen, ob wir eine zweite Lugner City bauen, am Stadtrand von Wien.

Und? Realistisch?
Man muss sich das Projekt anschauen, aber möglich. Und auch die bestehende wollen wir ausbauen, da gibt’s auch momentan Ideen, die prüf ma grad, vielleicht wird der Teil da (Anm.: Gastronomie in der Lugner Kino City) umgebaut.

Vielen lieben Dank für das Gespräch, wir wären am Ende.
Ich bin mit meinem Salot noch nicht so weit. Hams net no a paar Fragen?

Weil also der Herr Bmst. Lugner mit seinem Salot nocht nicht fertig war, haben wir uns noch ein bisschen unterhalten.

Zum Opernball-Lugner: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Prominente zum Opern­ball einzuladen?
Zur Eröffnung der Lugner City hatten wir für den 2. Samstag den Thomas Gottschalk enga­giert gehabt und da war die Besucherfrequenz genauso stark wie beim ersten Wochenende, weil eine bekannte Persönlichkeit einfach Leute anzieht. Und dann kam der Harald Juhnke und die Maria Kubitschek usw. Und wir haben festgestellt, dass das die Kunden interessiert.

Sie sehen den Opernball also auch als Promotion für die Lugner City?
Na nur. Das ist ja seine Aufgabe. Zu meinem persönlichen Vergnügen moch ich das net.

Wobei Sie ja teilweise Gäste haben, die man schon ganz gern treffen würde.
Naja … aber des is a schon mühsam und anstrengend.

Wer war der anstrengendste Gast?
Hm … Grace Jones war anstrengend und Pamela Anderson war auch nicht einfach. Joan Collins war auch anstrengend.

Haben Sie viel Freizeit?
Gor kane. Na, momentan gar nicht. Ich habe noch meine Baufirma aufzulösen, Rechnungen, die schon drei Jahre alt sind, einklagen und solches Zeug.

Und wie gehts mit der Lugner-City?
Ja …, das ist mein Lebenswerk, wenn Sie so wollen. Schauen’s, es gibt ja auch eine Fernseh-­Serie „Die Lugners“ mit 35 Folgen, da wo ich mir jetzt die Hand dabei gebrochen habe, wo die Medien schon wieder schreiben: „Der Lugner hat ­behauptet, er hat sich die Hand gebrochen, in Wirklichkeit ist’s nur ein Werbegag.“ Na … Ich kann Ihnen die Wunden zeigen.
Und über wen gibt’s schon eine 35-teilige Fernsehserie? Es gibt an 1½-stündigen Film, der auch sehr schön ist. Und irgendwann wird es ein Buch geben über den Lugner.

Sie schreiben?
Na, es rennt mir ständig wer nach, aber ich hab mich noch nicht entschieden.

Und die Fernsehserie sehen Sie auch in erster Linie als Werbung für die Lugner City?
Ich bin stolz drauf, dass jemand über meine Frau und mich, eine Fernsehserie macht. Über wen macht man schon so was? Und sie ist sogar eine erfolgreiche Fernsehserie.

Und macht’s Spaß?
Ja, das macht schon Spaß. Ich seh’s als Freizeit, Spaß – meine Frau sieht’s als Arbeit. Naja… nach Shanghai fahren, es wird einem faktisch fast alles bezahlt, in der tollsten Suite von ganz Shanghai hab ich gewohnt, net schlecht. Im August waren wir an der Cote d’Azur, in St. Tropez … I find des lustig.

Was ist für Sie der Sinn des Lebens?
Ich würd sagen, einfach, es zählt der Erfolg. Wenn man Erfolg hat, macht’s ma Spaß und wenn man Erfolg hat, verdient man auch Geld. Und ich bin nicht der, der Geld verdienen will, sondern ich will Erfolg haben. Und damit verdient man Geld. So viel, dass man damit auskommt.

Vielen lieben Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben.
Zahlen bitte!

Das Interview führten Anna Sawerthal und Vitus Angermeier.

Bmst. Lugner

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.