Panama, Suez – Thaikanal?

Technisch gesehen ist der Kanal keine Herausforderung. Dafür umso mehr politisch. Warum er seit 300 Jahren geplant ist, aber nie gebaut wurde.

„We have cut America in half, we cut Africa in half, we can also cut South Asia in half“, meint der Brite Eric euphorisch. Ihm gehört die Farang-Bar in Chumphon. Farang bedeutet auf Thailändisch Westler. Seine Hauptklientel ist an diesem Samstagabend aber nicht zu finden. Vier thailändische Angestellte sitzen gelangweilt vor dem Fernseher. Eric meint trotzig und doch entschuldigend, dass unter der Woche viel mehr los sei. Am Wochenende pilgern die Backpacker eben auf die Ferieninseln Ko Tao und Ko Samui. Da will keiner in Chumphon gestrandet sein. Der verschlafene Ort lebt von den Touristen, die abends in der Stadt ankommen und die Fähre auf die Inseln nicht mehr erwischen. Sie bleiben eine Nacht und sind frühmorgens mit dem ersten Schiff auch schon wieder weg. In Chumphon hält sie nichts. Auch nicht die Farang-Bar.
Thaikanal Chumphon liegt direkt am Isthmus von Kra – der Landenge, die den indischen und den pazifischen Ozean trennt. An der schmalsten Stelle ist sie nur 44 Kilometer breit. Die Idee, die beiden Weltmeere zu verbinden, existiert bereits seit über 300 Jahren. Schon 1677 beorderte der damalige König von Siam, die Möglichkeiten eines Kanals auszuforschen. Die Schiffe der Marine müssten nicht mehr den weiten Weg um Singapur herumfahren, um von einer Küste zur anderen zu gelangen. Laut den Plänen wäre der Kanal direkt an Chumphon vorbeigelaufen.

Eine rosige Zukunft

Der Kanal würde einiges verändern in der Stadt. „Die Stadt würde aufblühen“, träumt Eric über seinem Bier in der Farang-Bar. Mit neidischen Augen blickt man nach Singapur. Die Hälfte des weltweiten Schiffverkehrs macht dort momentan halt. So viel, wie ein Einwohner von Singapur verdient, verdienen 10 Thais zusammen. Von dem Kuchen will sich Thailand sein Eck abschneiden. Und mehr: Der Kanal steht in direkter Konkurrenz zu Singapur. Denn der Thaikanal würde die Fahrt um Singapur unnötig machen.
Kein Wunder, dass Malaysia entschiedener Gegner ist. Auch Großbritannien mit seinen engen Beziehungen zu Singapur hat oft sein Veto eingelegt. Interesse an der marinen Schlüsselstelle kam von vielen Seiten. Die Franzosen waren hier, später Deutsche, Taiwanesen und Japaner. Mitsubishi wollte etwa den Kanal einfach heraussprengen – mit 20 Atombomben. Auch China würde der Kanal große militärstrategische Vorteile bringen. Die Amerikaner beobachten das chinesische Engagement mit Argusaugen und finden sich in einer Zwickmühle wieder: Aktive Beteiligung am Bau oder starke Vetohaltung dagegen?

Traum oder Alptraum?

Fakt ist, dass der Kanal ökonomische Vorteile bringen würde. Für die globale Schifffahrt und für die Region. Nebenbei hegt Thailand auch Hoffnungen, ein lästiges innerstaatliches Problem zu beseitigen: Im überwiegend muslimischen Süden von Thailand kommt es seit Jahren zu terroristisch-separatistisch motivierten Anschlägen. Ob der Kanal das Problem durch Entwicklung der Gegend lösen kann oder dazu führt, dass sich die Lage zuspitzt, ist allerdings ungewiss.

Genauso ungewiss sind die Folgen für die Umwelt. Ökologisch gesehen ist das Projekt ein Wahnsinn. Sogar ein Mitglied des Senatsausschusses gibt in einem Bericht zu: „Die Umwelt zu schützen ist eine gute Sache, aber wir können deswegen nicht die Möglichkeiten des Landes zerstören.“

Die Möglichkeiten des Landes bedeuten in Chumphon Gäste in der Farang-Bar. Dass die Kanalroute schon lang nicht mehr an Chumphon vorbeigehen soll, ändert nichts an der Begeisterung für das Projekt. Möglichst weit entfernt von Burma, möglichst weit entfernt von Malaysia soll gegraben werden. Das sind 700 km südlich von Chumphon.
Eric’s Bier ist leer. Er hat eine ganz andere Erklärung dafür, warum der Kanal noch nicht gebaut wurde. Die thailändischen Politiker hätten schlicht keinen Weg gefunden, wie sie am besten Geld für sich abzweigen könnten.

Der Kanal in Zahlen
Kanallänge: 120 km
Kapazität: ca. 350 Schiffe pro Tag (Panama: 38, Suez: 87)
Wegersparnis: 1200–1400 km
Zeitersparnis: 2–3 Tage bzw. 4–5 Tage für große Schiffe
Kosten: 20 Milliarden Euro
Baudauer: 10 Jahre

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