Präsidentenhagel

Mit einer gewissen Besorgnis melden wir, daß es in der Umgebung von Smolensk polnische Präsidenten hagelt. Zugegeben, es war nur einer. Dennoch – besonders in bezug auf die auch historisch betrachtet äußerst geringe Anzahl von Präsidenten Polens – ist die Falldichte dort höher als an jedem anderen Punkt.der Erdoberfläche.

Gerüchte über eine persönliche Intervention des Teufels sind, wie in solchen Fällen üblich, bestenfalls verfrüht; die Instrumente verzeichnen nur eine ganz geringe Konzentration von Schwefeldampf. Bösen Zungen zufolge muß es bei einer Tupolev eher mit dem Teufel zugehen, daß sie nicht abstürzt; angeblich wurden zu Stalins Zeiten einige Kampfflieger durch das heimliche Gebet regimekritischer Popen zu Boden gebracht. Ob diesmal Kommunisten gebetet haben?

Auf tote Staatsoberhäupter schimpft man nicht: das erfahren wir fast täglich am Beispiel von Mao Tse-tung, Ho Chi Minh, Breschnjew, Saddam, Ceausescu und Hitler. Und wenn ich schon vom Präsidentschaftswahlkampf rede: Das politische Klima bei den Polen (Sie wissen schon, Nordpol, Südpol) war in letzter Zeit nicht viel anders, als wäre Herr Hehring (oder wie er heißt) bei uns Präsident und Bundeskanzler gleichzeitig, und hinter ihm stände sein Bruder, ein gewisser Dollfuß.

Ich schlage vor, wir schauen uns alle O dwóch takich, co ukradli księżyc an (in den weiland DDR-Kinos lief der, wirklich nette, Film unter dem Titel Die beiden Monddiebe) und entsetzen uns darüber, welch begabter Kinderschauspieler da vom Himmel gefallen ist.

Kommentare

ja und nein

ja, kaczynski war ein hump, keine besonders repräsentative person und eigentlich in vielerlei hinsicht untragbar. aber ihn deswegen mit den erwähnten herrschaften zu vergleichen, das geht mehrere ticks zu weit, das muss mal gesagt werden.

dass hier auch ein wenig durchschwingt, dass es vielelicht eh nicht so schlecht ist mit dem absturz und so, ich weiss nicht, eine tragödie bleibt es in jedem fall, und auch wenn die betroffenen einer politischen gesinnung anhängig waren, die mehr als sauer aufstößt, sie waren doch noch in einer anderen kategorie anzusiedeln, als die im text genannten.

vielleicht reagier ich über, wahrscheinlich sogar, und eigentlich is eh lustig. vielleicht kommts hier ein wenig umfangreicher raus: http://inartissojo.com/blog/?p=58

danke auf jeden fall fürs schreiben und erwähnen, so...

nicht alles was hinkt ist ein vergleich

Naja, die angesprochene Problematik ist ja, ob auf tote Staatsoberhäupter geschimpft werden darf. Die Beispiele (nicht Vergleiche! - höchstens im Sinne des Staatsoberhauptseins) zeigen nur, dass es Fälle gibt, wo kaum jemand Einwände hat. Wo aber soll die Grenze gezogen werden, wer beschimpfbar ist? Oder gibt's da eine Verjährungsfrist?
Also entweder alle oder niemand, denke ich. Und so versteh ich auch die Aussage im Text.

eher sollten sich die

eher sollten sich die kommunisten beschweren, daß ich sie im gleichen absatz mit dem teufel erwähnt habe ;)

schimpfen, freilich

kritik muss natürlich immer möglich sein, auf jeder ebene, sofern sie in einer entsprechenden form geliefert wird.

allein, ich seh hier halt nichts, das auch nur annähernd etwas zu tun hätte mit ernst, und kaum etwas mit satire, irgendwie. natürlich, klamauk kann man aus allem machen, und in wahrheit isses mir auch herzlichst wurscht, was über diese karikatur eines politikers geschrieben wird, bloß, ach, wahrscheinlich versteh ich einfach nicht, worauf man hier hinaus möchte, und halte einfach meine virtuelle pappn.

ist doch recht einfach:

ist doch recht einfach: über ihn als politiker verliert mau am besten kein wort, da käme nichts nettes dabei raus. aber ein großartiger schauspieler war er. ich verstehe das durchaus als satirisch und keinesfalls als klamauk.

herr ernst, frau satire und

herr ernst, frau satire und das kleine klabautermännchen klamauk sind ohnedies so definitionsabhängig, daß das publikum am besten schon vor dem betreten des theaters seine erwartungen deaktiviert. oder aber sich nicht wundert, wenn sie enttäuscht werden.

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