Reisen

Es ist wieder soweit- wir verreisen. Überall ist zu lesen, man soll doch das Smartphone weglegen, wenn man verreist, man soll doch den Augenblick genießen und ein bisschen digital Detox betreiben- also fasten. Aber ich möchte nicht. Ich möchte mit meinem Smartphone verreisen, ich möchte online sein, ich möchte Nachrichten lesen und hören, und zwar in einer Sprache die ich kann- denn die Sprache die in diesem Land gesprochen wird- kann ich nicht.

Ich möchte nicht fasten, es ist mir egal wie gesund es angeblich ist. Ich kann mic nur dazu durchringen, seltener auf mein Handy zu sehen, da ich zwischendurch ins kühle Nass springen werde und mich dann auf den Sand lege und mit Sand beklebt zu sein- einfach weil ich will. Ich weiß nicht ob das gesund ist und es ist mir auch egal.

Ich möchte übrigens ein Foto davon machen und ich möchte es teilen, ich denke nämlich dass die neuen Medien uns mitteilsamer gemacht haben und dass das eine gute Entwicklung sein kann. Auch wenn wir Unsinn mitteilen- wir kommunizieren, wir wandeln uns. Fotos machen hat eine Bedeutung gewonnen, die es früher nicht hatte und ich mag den Ausdruck der Gesichter von Erwachsenen Menschen die sich ulkig verrenken um ein schönes Foto zu machen. Ich mag den Glanz in ihren Augen, wenn sie sehen dass ihr Posting geliket wurde. Gemocht wurde. Ich mag es wenn andere sich gut fühlen, auch wenn manche nur ihren Busen fotografieren oder ihr neues Auto und dann ein Kussmund formen. Ich mag es wenn man online einander Stress macht, weil man denkt alle haben Erfolg nur man selbst nicht und dann findet man ein Posting von einer ulkigen Karrikatur die einen herzhaft laut zum Lachen bringt. Ich mag es, dass Trost so leicht zu finden ist gleich neben Anfeindung und Mobbing, sich Trost behaupten kann.

Ich will auf meiner Reise auch den Werdegang meiner Mozarellafarbenen weiss beigen Beine in Richtung Cremebraun- dokumentieren. Ich möchte die Nachrichten meiner Familie ignorieren oder beantworten- ich möchte da sein irgendwo- zwischen meine Dasein als Treibholz im Meer.

Und dass Flüchtlinge im selben Meer gestorben sind wo ich Spaß habe, erinnert mich daran dass auf der Parkbank letzte Woche wo ich min Speckwürfel Salat verdrückt habe, jemand gestorben ist, vergewaltigt wurde, erstickt ist, vom Blitz getroffen wurde.

Ich möchte mich freuen, weil ich besonders melancholisch bin, nicht umgekehrt- ich werde mein Aufladegerät auch immer dabei haben und auch so ein solarbetriebenes Aufladebäumchen mir besorgen.

Ich werde mir nicht einreden lassen, dass die neuen Medien- die meine Generation ausmachen- schlecht sind, oder dass ih Fasten muss, um zu wissen wie es mir geht oder gehen könnte.

Ich möchte weg sein und nichts verpassen, nicht weil egoistisch bin , sondern weil das Verreisen, ein Wunsch ist- in andere Welten einzutauchen, was mich an mein Sci fi- Buch denken lässt - dass ich als e book habe- mein Handy App, das mich ausspioniert- nicht wie früher wo Menschen einander ausspionieren- eher anders- eher wie heute- wo es die eine oder andere Applikation macht, die man de installieren kann- auf einm Handy das ich mit einem Vorschlaghammer zertrümmern kann, wenn ich wollen würde, was ich einfach nicht will. Noch nicht.

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