Sakrosankt

Ich sag’s euch, die Wirtschaftskrise. Der Wettbewerb! Skrupellos wie schon lange nicht. Da betreibt man in aller Bescheidenheit sein Wetterdienstchen, indem man vom Baggerführerhäuschen aus die Wolken beobachtet – und hast du nicht gesehen stellt sich jeder Dahergelaufene seine eigene Wetterstation aufs Dach, nur damit er nicht auf unsere Dienste angewiesen ist.

Der Vatikan zum Beispiel.
Jawohl. Die haben doch tatsächlich in den letzten Tagen aufs Dach des Governatoratspalastes (das ist hinterm Petersdom, in den Gärten, wo Normalsterbliche nie hinkommen) eine Wetterstation mit allen Schikanen bauen lassen und senden seit heute früh laufend ihre Meßergebnisse. Hier. Seht nur. Aufreizend. Ambitiös. Sie geben sogar an, wie warm es in den Amtsstuben im Governatorato ist, und ob es in der vatikanischen Postdirektion so feucht ist, daß die Briefmarken von selber zusammenpappen. Und das ist auch noch in fünf Sprachen abrufbar.

Haben die den Papst eigentlich gefragt, ob sie das überhaupt dürfen? Er ist ja gerade in Israel, da kann es sein, daß jemand das hinter seinem Rücken reingeschmuggelt hat. Naturwissenschaftliche Apparaturen müßten doch suspekt sein. Na gut, ob sich die Erde um die Sonne dreht oder sonstwie, ist fürs Wetter nicht wirklich relevant. Aber ist es mit christlicher Gesinnung vereinbar, das Wetter vorhersagen zu wollen? Müßte man nicht in demütiger Haltung abwarten, wann und ob Gottvater regnen läßt? Ist nicht alles andere Teufelswerk? Und wenn es Gott behüte blitzt und in die päpstlichen Gemächer einschlägt, und die Wetterfrösche auf dem Dach haben das korrekt vorausgesagt – werden sie dann verbrannt, oder landen sie nur als dritter Gang, marinierte Froschschenkel alla Vaticana, bei einem kurialen Diner? Und womit werden sie hinuntergeschwemmt? Colle del Vaticano oder Papst-Bier?
Man sieht: die päpstliche Wetterstation wirft, kaum in Betrieb genommen, mehr Fragen auf, als sie je beantworten wird.

Kommentare

Wenn man

z.B. eines der zehn Gebote verletzt, so kann man über den Daumen gepeilt mit Gewitter rechnen. Diese Vorhersage wäre dann wohl regelkonform.

Übrigens, wie sich die Erde dreht, ist sehr wohl fürs Wetter relevant (und WIE!). Die globalen Wind- und Meeresströmungen sowie dadurch wiederum die Verteilung der Klimazonen werden von der Erddrehung beeinflusst, Jahreszeiten von der Ekliptik und lokale Wetterphänomene merklich von der Rotationsgeschwindigkeit (Tag/Nachtdauer). Ich muss doch sehr bitten.

mußt du vielleicht,

aber ich muß annehmen, daß wettervorhersagen in einem geozentrischen modell genauso möglich waren und sind (wie ja auch das modell als solches grundsätzlich funktioniert, nur halt mit epizyklen und weiß der deibel was).
wetterphänomene lassen sich ja auch in einer scheiben- oder hohlwelttheorie erklären und begründen. daß solche begründungen dann aus naturwissenschaftlicher sicht falsch sind, steht auf einem anderen blatt. und die wettervorhersage, unsere hier natürlich ausgenommen, ist ja auch so oft genug saumäßig falsch. also, eine gleich gute wettervorhersage bekäme man allemal hin, auch wenn man annähme, daß die fixsterne fix am gewölbe kleben und die sonne um die erde kreist.

Ja gut

von mir aus kannst dir noch so abenteuerliche Erklärungsmodelle zurechtlegen, nach gegenwärtigem Wissensstand hat die Erddrehung aber entscheidenden Einfluss, daher auch mein Einwand.

richtig,

von mir aus kannst du einwenden, was du willst: solange man mit dem benutzten erklärungsmodell auskommt, ist völlig zweitrangig, ob ein anderes modell anerkannter, einfacher oder sonstwie besser ist. das meinte ich mit "nicht relevant".
die wolken sind große himmelselefanten, die mit ihren rüsseln wasser runterspritzen, das sie aus dem himmelsfluß (=milchstraße) schöpfen. das erklärt völlig zureichend die unbestrittene tatsache, daß es regnet :-)

nach den entwicklungen der letzten ca. 100 jahre sollten die naturwissenschaften vorsichtig sein mit der behauptung, sie würden eine objektive wirklichkeit beschreiben. in dieser hinsicht sympathisiere ich sogar mit dem papst.

p.s.: wenigstens wir selbst sollten den irrtum vermeiden, in den unbedarftere baggerleser immer wieder verfallen, und bedenken: manches, was auf baggerseiten steht, ist satire ;-)

Wie heißts in der Mediamarkt-Werbung?

Ich bin doch nicht blöd! Keine Angst, ist mir nur grad schön gelegen gekommen, den meteorologischen Lehrstoff zu reproduzieren ;-)

Aber um noch ein bissl nachzuhaken: Es ist ein Unterschied, ob ein bestimmtes Erklärungsmodell an sich relevant ist (ist es per se nicht, da geb ich dir ja recht), oder ob ein bestimmter Prozess als Ursache relevant ist (sehr wohl - nur halt nicht in deinem falsifikationsanfälligen Modell).

widerspruch.

prozessen jedweder art kann relevanz nur innerhalb eines bestimmten modelles zugeschrieben werden. wenn also ein modell die erddrehung nicht enthält, dann wird ein kluger vertreter dieses modells alle wirkungen, die der vertreter eines anderen modells der erddrehung zuschreibt, konsistent durch sonstige ursachen erklären.
natürlich könnte er dir nach langem disput auch glauben, daß sich die erde wirklich dreht. aber dann hat er sein modell bereits geändert und deines übernommen (oder wenigstens aspekte davon).

jedes erklärungsmodell ist falsifikationsanfällig, solang es falsifikationsfähig ist; und nur die allereitelsten zeitgenossen werden behaupten, ihr modell sei der weisheit letzter schluß. damit würden sie dann auch aufhören, wissenschaftler zu sein.
mit anderen worten: wenn du mir zumutest, die relevanz eines phänomens anzuerkennen, das in meinem modell gar nicht vorkommt, behauptest du damit letztlich, dein modell wäre (zumindest in dem bestimmten punkt) richtig und meines falsch. damit behauptest du implizit die untseits heftig zurückgewiesene objektive wirklichkeit und vereinnahmst sie für deine seite - oder wenn nicht, dann etwas, das ihr sehr ähnlich sieht.

selbstverständlich könnte ein solcher zustand in einem disput zwischen caru und pro nie existieren, aber wohl z.b. zwischen benedikt und einem seiner meteorologen.

Natürlich ist “mein”

Natürlich ist "mein" Modell richtiger, weil nützlicher: Es erklärt mehr Vorgänge und es ist wohl schwieriger zu widerlegen als deins. Außerdem beruht es auf Beobachtungen und nicht auf Hirngespinste.

So, und jetzt nehm ich mir eine kleine Auszeit, ich hab für ein erfolgreiches Ablegen der Diplomprüfung nur mehr erschreckend wenig Zeit.

darauf antworten wir,

daß richtigkeit nicht über nützlichkeit etc. definiert werden muß und daß wohl zu jedem modell auch ein set von argumenten gehört, daß es als das richtigste ausweist.
mein regenelefanten-modell erklärt den regen vollständig, beruht auf beobachtung - die wolken sehen wirklich wie elefanten aus, groß und grau - und macht mir spaß, was der höchste nutzen überhaupt ist.
viel spaß bei der prüfung, und hoffentlich denkt der prüfer im gleichen modell wie du, sonst gibt's probleme ;-)

danke – tja, einer is

danke - tja, einer is physiker, einer philosoph. könnte gefährlich werden. Ich werd einfach in der Form daherreden, in der ich auch meine Artikel schreibe - viel redend und nichtssagend ;-)

hoffentlich sind das keine

hoffentlich sind das keine baggerleser, sonst kennen sie die masche schon.

und

von einer objektiven Wirklichkeit hab ich sicher nicht gesprochen, das wurde mir in stereotypisierender Manier in den Mund gelegt.

hui, hitzig.

hui, hitzig.

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