Santa Marmota!

Warum hier monatelang kein neuer Wetterbericht erscheint? Keine Frage: Winterschlaf. Aber heute strecken Ihre Bagger-Wetter-… äh, Frösche ist, obwohl die auch überwintern, nicht ganz der richtige Ausdruck, dringender meteorologischer Verpflichtungen wegen ihre Nasen aus dem Bau.
Heute ist nämlich Groundhog Day.

Am 2. Februar feiert die katholische Kirche, besonders die keltisch geprägte, den Namenstag des irischen Heiligen Groundhog. Er war klein, dick, hatte auffallend lange scharfe Oberkiefer-Schneidezähne und kleidete sich hauptsächlich in die eigene, beträchtliche Körperbehaarung (daher der Audruck “härenes Kleid”). Seine Frömmigkeit äußerte sich namentlich darin, daß er den ganzen Winter tief in Meditation und Gebet versunken in einer Höhle im Wald zubrachte. Anfang Februar jedoch pflegten ihm die nötigen Whiskey-Vorräte auszugehen. Das freundliche Laienvolk – jeder meinte, er sei der einzige – rechnete insgeheim aus, wann der Heilige die letzte Flasche anbrechen mußte, und so pilgerten sie alle am Lichtmeßtag zur Waldhöhle; jeder heimlich, jeder einzeln, und wenn einer den andern im Wald traf, sagten sie “Der frischen Luft wegen” oder “Schneehasen beobachten”. Für das Aufstocken seines Getränkespeichers dankte der Heilige, indem er eine Prophezeiung murmelte (Sie haben richtig gehört: murmelte!), die meist das Wetter der nächsten paar Wochen betraf.
Nachdem der Heilige das Zeitliche segnete und sich fürder nur noch an den geistigen Getränken des Himmels labte, übertrug sich der fromme Brauch auf lokale Murmeltiere. Mit ihm die meteorologische Kompetenz.
Deswegen holen Bürgermeister aller möglichen Kaffs in den USA und Kanada heute friedlich schlummernde Murmeltiere aus ihren Löchern und drehen die Viecher mit aller Gewalt so, daß sie nicht in den Schatten gucken. Wem’s Spaß macht.

Da “den eigenen Schatten sehen” ein Ereignis ist, das nur wenige Abstufungen zuläßt, gibt es auch nur zwei mögliche Prophezeiungen. Erstens: Es konmt ein früher Frühling. Dafür stimmten dieses Jahr das Murmeli Tumbleweed aus Brookfield, Illinois; Gus aus Athens, Georgia; Grady aus Chimney Rock, North Carolina; Chuckles aus Manchester, Connecticut; Susquehanna Sherman aus Mount Wolf, Pennsylvania; Mel aus Malverne, New York; Willie aus Wiarton, Ontario; Sam aus Shubenacadie, Nova Scotia; Jimmy aus Sun Prairie, Wisconsin; Chuck und Buckeye Chuck aus Staten Island (New York City) und Marion, Ohio; Dave aus Dunkirk, New York; General (jawohl, Murmelis haben auch ihre Dienstgrade!) Beauregard Lee aus Lilburn, Georgia, sowie das berühmteste aller Murmeltiere: Philipp alias Phil aus Punxsutawney, Pennsylvania.
Zweitens: Es bleibt noch sechs Wochen Winter. Diese gruselige Prognose murmeln heuer Octoraro Orphie aus Quarryville, Pennsylvania; Billy aus Balzac, Alberta; Woody the Woodchuck aus Howell, Michigan; Sir Walter Wally aus Raleigh (man beachte den Reim), North Carolina; Poor Richard und Dover Doug aus York bzw. Dover, beides Pennsylvania; Hal aus Holtsville, New York; Uni aus Myerstown, Pennsylvania; Stormy Marmot aus Aurora, Colorado und der streitbare Mountain Maryland Murray aus Cumberland, Maryland.
Insgesamt 14 Stimmen für baldigen Frühling, bei nur 10 Gegenstimmen. Woodstock Willie aus Woodstock, Illinois, wo “Und täglich grüßt das Murmeltier” gedreht wurde, mußte seinen Auftritt wegen Schneesturms absagen, aber bei Schneesturm hätte er seinen Schatten eh nicht gesehen, folglich ist er auch für Frühling.

Eine sinnreiche Zusammenfassung des Murmeltierbrauchs bietet die altschottische Bauernregel:

“Pennt’s Murmeltier im Wald,
bleibt’s kalt.
Wärmt ihm die Sonne den Bauch,
auch.”

Wollen Sie mehr? Na, dann nehmen Sie sich ein Beispiel. Wieviel kriegt wohl so ein Murmeltier für die Überstunden zu winterschlafender Zeit? Wahrscheinlich Whiskey.

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