Schlüpfriges aus Popowitsa

Fatma machte uns schöne Augen. Mitten im bulgarischen Niemandsland, nicht unweit von Popowitsa. Ob mein vollbärtiger Freund und ich auf ihr schlüpfriges Angebot eingehen sollten?
An diesem Tag wollten wir es in unserem Roadmovie eigentlich noch bis Sofia schaffen. Dort kannten wir zumindest schon ein Hotel, wo man mit den Küchenschaben kuscheln konnte. Aber nicht heute. Vielleicht, weil uns jemand davor eindringlich gewarnt hatte: Wenn ihr nach Bulgarien kommt, fahrt n i e m a l s , wenn es dunkel wird… Da es bereits dämmerte, brauchten wir also dringend einen Schlafplatz.
Auf unserer Karte war er als ÖAMTC-Campingplatz eingezeichnet. So stand es auch auf dem verwitterten Schild über dem Eingangstor. Keine Spur von einladend. Hundegebell, verkommene Bungalows und zwielichtige Gesellen. H i e r wollt ihr wirklich übernachten? Gebrochenes Englisch, ungläubige Blicke. Ja. Blagodarja, das heißt Danke. Obwohl wir mit Lew bezahlten, bellten uns die Hunde noch immer an. Und dann kam sie. Fatma. Eine bulgarische Türkin Mitte 40. Mit einer Einladung der Liebe …
Jetzt gingen auch die Lichter an in den Bungalows. Kleine rote Lämpchen, die wie liebestolle Glühwürmchen glimmerten. Nach und nach kamen Fatmas Freundinnen und führten Männer dorthin, wo das schummrige Licht bereits auf sie wartete. Und daneben auf dem Parkplatz brummten riesige Maschinen.
Nein. Das wollten wir alles nicht. Lieber im Auto bleiben. Lieber warmes Bier. Lieber Spaghetti aus der Dose. – Eine letzte Stärkung für das, was uns heute noch bevorstand:
Eine Nacht im bulgarischen Fernfahrer-Puff.

Und nein, Fatma hätte sicher keine Freude gehabt mit einer Gute-Nacht-Geschichte aus dem Bagger, also ließen wir es lieber sein.

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