Schlecht

Das Wetter ist schlecht heute. Morgen auch. Immer.

Früher mal war es besser; für die fernere Zukunft müssen wir befürchten, daß es da noch viel schlechter sein wird als jetzt. Nur die Optimisten unter uns hoffen, daß unsere Enkelkinder mal besseres Wetter haben werden als wir. Aber Sie wissen schon, Optimisten!

Die Jahreszeiten laufen ganz aus dem Ruder. Früher, wie noch alles ordentlich war, war es im Winter kalt und im Sommer heiß. Jetzt ist es im Winter warm, das kommt von der globalen Erwärmung, und im Sommer ist es kalt – daran sind die Radfahrer schuld, wenn’s nicht an der Genmanipulation liegt, oder an der Chinesenmafia.
Andererseits, grade wenn man sich dran gewöhnt hat, daß es eh keinen richtigen Winter mehr gibt, hat’s dann doch wieder einmal -15°C, und die Zeitungen – man kann gar nicht genug davon verheizen – haben wochenlang nur “Rekordfrost”, “verheerende Schneefälle” und “Heizkosten explodieren” in den Schlagzeilen, sodaß sie gar nicht dazukommen, von der globalen Erwärmung zu berichten, wo die uns doch alle angeht. Wahrscheinlich eine Verschwörung von den japanischen Wirtschaftsbossen. Im Sommer ist es dann dafür heiß, und Rudi Carell kann seinen dummen Schlager von wegen “Wann wird’s mal wieder” nicht singen. Das liegt dann wieder an der globalen Erwärmung.
Mit dem Regen ist es genauso. Entweder regnet es so viel, daß mir die Brühe in den Keller schwappt, oder der Grundwasserspiegel sinkt bedrohlich. Nie, so wie es sich gehört, der Durchschnitt.

Früher hat man wenigstens noch gewußt, über wen man sich beschweren muß: der Petrus! Heute tun sie so, als hätte alles Gründe, und erklären munter ins Blaue: Kaltfront, Isobaren, Golfstrom, Ozonloch – wetten, die verstehen das selber nicht? Da war mir die diktatorische Wettermache von dem alten Bärtigen mit dem Schlüssel noch lieber. Bei Willkür weiß man wenigstens, woran man ist.

Nein, das Wetter ist auf jeden Fall schlecht. Und erzählt mir nicht, daß es zum Beispiel für die Weinbauern gut ist, wenn es im Juli regnet und im September heiß ist. Bin ich ein Weinbauer? Gut ist das Wetter erst dann wieder, wenn ich mich hinstellen kann und sagen: “Morgen will ich zwischen 7 und 8 Uhr rund 20°C, für meinen Morgensport; dann Sonne bis Mittag, und von 13-15h sanften Regen für meine Himbeerstauden.”
Wenigstens wenn ich mich mit meinem Nachbarn oder meiner Frau zusammen hinstelle und das sage, sollte das reichen.

Kommentare

Eindeutig eine Baggadö!

Eindeutig eine Baggadö!

der arme status quo. niemand

der arme status quo. niemand kann ihn leiden.

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