Schweigen

Ich habe nichts zu sagen. Darum schweige ich. Denn worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man ja bekanntlich schweigen. Was aber jetzt nicht heißt, dass ich über etwas nicht sprechen kann, denn dann wäre ja etwas da, worüber ich womöglich nur nicht sprechen sollte (wie ein Geheimnis zum Beispiel). Da ist aber einfach nichts. Und von nichts kommt nichts, auch kein Schweigen (das wäre ja zumindest ein bisschen was). Dann kann ich also gar nicht schweigen. Wenn ich aber nicht schweigen kann, dann muss ich sprechen (sonst würde ich ja schweigen) – darum spreche ich also. Ohne etwas zu sagen zu haben. Schon die ganze Zeit übrigens, falls Ihnen das aufgefallen ist. Naja, eigentlich war das jetzt gelogen. Ich spreche ja nicht, sondern schreibe, und das verbietet ja niemand – auch dann nicht, wenn man nichts zu sagen hat. Aber auch das war jetzt irgendwie gelogen, da ich ja nicht mehr schreibe, wenn bereits etwas hingeschrieben wurde. Eigentlich kann man ja gar nicht schreiben, dass man gerade schreibt. Wenn da steht, dass ich gerade schreibe, dann steht es ja eben bereits da und wird nicht gerade geschrieben. Und wenn etwas noch nicht da steht, dann steht halt noch gar nicht da, dass ich schreibe. Ich kann Ihnen also nicht zeigen, dass ich gerade schreibe. Sie können eben nur das lesen, was geschrieben steht, und nicht das, was man schreibt. Wenn aber niemand lesen kann, was ich schreibe – wozu schreibe ich dann überhaupt? Aber gut, wenn Sie das lesen, dann schreibe ich ja nicht. So gesehen ist’s ja wurscht ob Sie das lesen oder nicht, weil ich ja gar nicht schreibe. Und das ist jetzt zur Abwechslung mal nicht gelogen. Wobei es allerdings wiederum gelogen sein könnte, dass das nicht gelogen war. Schon blöd für Sie, denn dann wissen Sie ja nicht, ob das stimmt was ich geschrieben habe. Obwohl vorhin zudem noch klar wurde, dass ich das hier ja gar nicht geschrieben habe. Aber ehrlich gesagt: das war von Anfang an klar. Ich kann ja über gar nichts schreiben, weil ich ja nicht mal was zu sagen habe. Und genau darum schweige ich.

Kommentare

so mancher

so mancher bagger-mitarbeiter scheint mir wirklich für eine politische karriere prädestiniert :-)

Wer schweigt, stimmt zu ;-)

Wer schweigt, stimmt zu ;-)

also praktisch alle.

also praktisch alle.

Alle

bis auf endlich viele, würde ein Mathematiker sagen.

dann stünde nur noch zur

dann stünde nur noch zur debatte, ob nichts sagen den gleichen zustimmungswert hat wie schweigen.

Dazu sage ich jetzt nichts.

Dazu sage ich jetzt nichts.

ist mir recht. ich dann

ist mir recht. ich dann auch nicht.

also das muss ich mir jetzt

also das muss ich mir jetzt aber nicht bieten lassen.

bieten sollte man sich

bieten sollte man sich alles lassen. aber vielleicht bietet ein anderer weniger.

zum dritten … zum zweiten

zum dritten ... zum zweiten ... zum ersten ...

“zum nullten” scheint

"zum nullten" scheint es nicht zu geben.

... gekauft!

... gekauft!

äonen später:

"....zum minus googolplexten, ..."

eher zum minus

eher zum minus googolplexplexten

im unendlichdimensionalen

im unendlichdimensionalen raum, versteht sich.

na geh. den gibts doch gar

na geh. den gibts doch gar nicht.

das sagt einer

der mir lehren wollte, das es sogar nichtexistentes gibt (stichwort grüne raben und so).

so ein unsinn. ich hatte

so ein unsinn. ich hatte doch sogar ein universum geschaffen, in dem grüne raben logisch unmöglich sind (genauer: in dem es für einen gegenstand, ob existent oder inexistent, unmöglich ist, gleichzeitig rabe und grün zu sein).
und eigentlich hatte ich nur behauptet, daß von nichtexistenten sachen genausogut geprochen werden kann wie von existenten.

Die Moral von der Geschicht'

_si tacuisses, philosophus mansisses_

(soll von mir aus für uns

(soll von mir aus für uns beide gelten. wie sagte schon francesco totti (auf die frage, was er als Römer vom Wahlspruch "Carpe diem" halte): "Was soll der Scheiß - ich kann kein Latein!"

halt! völlig falsch zitiert!

er hat gesagt "Was soll der Scheiß - ich kann kein *Englisch* " - passt so jetzt nimmer dazu, aber dafür ists wenigstens lustig.

da gilt dann “wer kein

da gilt dann "wer kein latein spricht, gehört zum volke" (schopenhauer).

da gesell ich mich gern dazu.

Und der Schopenhauer ist ohnehin mit seinem Latein am Ende.

genaueres zitat:

"Durch das Lateinschreiben allein lernt man die Diktion als ein Kunstwerk behandeln, man lernt Respekt haben vor der Sprache, so daß man nicht nach Willkür und Laune mit ihr umspringt, um sie umzumodeln.
Der Mensch, welcher kein Latein versteht, gleicht Einem, der sich in einer schönen Gegend bei nebligem Wetter befindet; nur das Nächste sieht er deutlich. Der Horizont des Lateiners hingegen geht sehr weit. Griechisch, oder gar noch Sanskrit, erweitern ihn noch um ein Beträchtliches. – Wer kein Latein versteht, gehört zum Volke, auch wenn er ein großer Virtuose auf der Elektrisirmaschine wäre und das Radikal der Flußspathsäure im Tiegel hätte."

“Der Mensch, welcher kein

"Der Mensch, welcher kein Latein versteht, gleicht Einem, der sich in einer schönen Gegend bei nebligem Wetter befindet; nur das Nächste sieht er deutlich"

Lieber Caru - du magst nicht Unrecht haben, aber anzumerken ist, dass es da unterschiedliche Formen von Nebel gibt (Wie wärs mit einem Wetterbericht?). Auch Unkenntnis der Maxwellgleichungen, des Noether-Theorems, der Einstein'schen Feldgleichungen, der Schrödingergleichung und und und verschleiern herrliche Aussichten (ein bisschen kann ich schon durchsehen), Aussichten auf Landschaften, die dem lateinischen Gebiet gänzlich verborgen bleiben. Was schöner ist, bleibt Ansichts- oder besser gesagt Aussichtssache.

erstens mal hab das nicht

erstens mal hab das nicht ich gesagt, sondern der schopi. (und auch der hätte es vermutlich etwas weniger radikal ausgedrückt, wenn er heute leben würde.)
aber grundsätzlich finde ich, daß er recht hat. man muß es zwar im heutigen bildungsbetrieb nicht unbedingt am latein festmachen, aber 1) sollten naturwissenschaftler nicht geisteswissenschaftlich blind sein, sondern wissen, vor welchem kulturellen und denkerischen hintergrund sie arbeiten (wenn physiker, biologen oder - am schlimmsten - ärzte plötzlich anfangen, mit ungewaschenen händen in der metaphysik herumzutapsen, kriege ich gewöhnlich zahnschmerzen vom zuhören), 2) sollten naturwissenschaftler zu einem sprachlichen ausdruck fähig sein, dem auch jemand folgen kann, der etwas anderes studiert hat als sie.
geistesgeschichtliches bewußtsein und sprachliche kompetenz wird durch umgang mit den klassischen sprachen beträchtlich erweitert (gut, nicht in allen fällen). und das meint er ja letztlich, der schopi. (sicher soll umgekehrt auch der geisteswissenschaftler die naturwissenschaftliche seite nicht ignorieren, aber das tun ohnedies die wenigsten. ich habe noch nie einen philologen sagen gehört, daß die welt keine physiker braucht - umgekehrt ja.)
wer noch so virtuos mit gleichungen operiert, die angeblich physikalische zusammenhänge beschreiben, aber keinem außenstehenden erklären kann, was er tut; wenn er außerdem auf allen anderen gebieten das niveau eines elfjährigen nie überschritten hat (ich beschreibe einen bestimmten menschen, der mir persönlich begegnet ist), respektiere ich ihn weniger als die handwerker, die gerade meine fensterrahmen nicht streichen, weil es regnet.

hehe

"sollten naturwissenschaftler zu einem sprachlichen ausdruck fähig sein, dem auch jemand folgen kann, der etwas anderes studiert hat als sie."

Fürs "Volk" sozusagen. Wer die Sprache der Physik nicht versteht, gehört nun einmal auch zum Volk (gemäß der Schopenhauerschen Diktion). Aber gerne, ich versuche, als Physiklehrer mein bestes zu geben - ich könnte ja Physik auch auf Latein unterrichten. Zusatz: Wenn ichs könnte.

der vorzug der

der vorzug der "internationalen gelehrtenrepublik" aus lateinschreibern war gerade der, daß alle wissenschaften eine gemeinsame sprache hatten. ernstzunehmende wissenschaftler pflegten auf allen gebieten auf dem laufenden zu sein. letztlich gibt es die trennung in natur- und geisteswissenschaft ja gar nicht: alle miteinander versuchen, die welt zu verstehen. naturwissenschaft ist ursprünglich ein teilgebiet der philosophie!
allerdings ist heute die forschung in so viele spältchen aufgesplittert, daß schon theoretische physiker einander ihre ergebnisse teilweise nur mehr glauben können: bei etwas unterschiedlichem fachgebiet läßt sich der weg dazu nicht mehr völlig nachvollziehen.
aber auch das war ja immer so, daß jeder sein fach hatte und innerhalb der zunft ein von außen schwer verständliches kauderwelsch gesprochen wurde - wenn deutsche tischler oder steinmetze untereinander kommunizierten, hat auch leibniz nichts verstanden. so gesehen wären alle immer "volk" gewesen.
es bleibt aber immer ein sprachbereich jenseits der fachsprachen. was einer in diesem nicht ausdrücken kann, hat er gewöhnlich selbst nicht verstanden. sowenig ein theologischer zusammenhang siebzehn scholastische sonderwörter braucht, sowenig braucht ein physikalischer sieben seiten mit algebraischen symbolen - vorausgesetzt, er wird von einem kompetenten sprecher vorgetragen, und es handelt sich nicht um unsinn.
ob das dann in latein geschieht oder in rätoromanisch, ist mir letztlich egal; aber zu schopis zeiten (und noch lange später) trainierte man eben gerade am latein den klaren und scharfen ausdruck ("die diktion als kunst behandeln").

nota bene:

text in anführungszeichen gibt nicht in allen fällen carus persönliche meinung wieder.

mein fehler

hab die gänsefüßchen weit vorher gesichtet, als sie tatsächlich dann erschienen sind. verzeihung.

abgesehen davon schreibe

abgesehen davon schreibe ich ja auch nicht "Einem" und "Flußspath". mein stil ist zwar schon ein bißchen 18. jh., aber doch nicht identisch mit dem des herrn sch.

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