Sie läuft … und läuft … und läuft …

Für viele mag das Perpetuum mobile als eine sich immerfort bewegende Maschine den Stein der Weisen, das Ei des Kolumbus und darüber hinaus noch die Lösung aller Probleme darstellen. Vielen dürfte dahingehend der böse Physikunterricht eine herbe Enttäuschung beschert haben, denn eine solche Maschine gehört leider zu den zahllosen Dingen, die die Menschheit niemals zu Gesicht bekommen wird. Aber weil das hier eine Präzension ist, mögen wir die Physik vorübergehend für einen hirnrissigen Schwachsinn halten und das Perpetuum mobile im Reich des Möglichen willkommen heißen. Aber die Freude währt nicht lange. Eine nüchterne Betrachtung nach dem Rausch der Euphorie zeigt nämlich: So toll, wie viele meinen, ist das Perpetuum mobile gar nicht – ganz im Gegenteil. Zum einen stellt es nicht unbedingt eine erhabene Kunst dar, etwas ständig bewegen zu lassen: Eine kleine Packung Ausdauer, gepaart mit ungebremstem Durchhaltevermögen (oder ein Blick ins Buch der Rekorde), weist auch eine noch so unmögliche Maschine in die Schranken. Zum anderen sollten wir uns darüber im Klaren sein, welche negativen Auswirkungen ein Perpetuum mobile nach sich ziehen würde. Was auch immer es genau macht, es geschieht eben ständig. Und mal ehrlich, das ist vielleicht ein paar Stunden lang lustig zu beobachten, aber irgendwann wird das ganz einfach nur mehr nervig. Dann verwandelt sich das Perpetuum mobile flugs in ein höchst unerwünschtes Molestum mobile, eine lästige Maschine. Völlig zu Recht würde sie, einmal in Betrieb genommen, unverzüglich wieder auf dem nächstbesten Sperrmüllsammelplatz landen – zusammen mit den Aufzeichnungen von Da Vinci und Co. Somit zeigt uns das Perpetuum mobile, wie sehr wir eigentlich all unsere unvollkommenen Maschinen schätzen sollten, da sie uns auch die Gelegenheit zur Erholung von ihrem Herumgefuchtel und Geheul geben und uns zumindest zeitweise in Ruhe lassen. Welch ein Glück (oder Ironie?) also, dass die Physik niemals die lästigste aller Maschinen zulassen wird. Liebe Physik, lass dir deshalb sagen: Merci, dass es dich gibt!

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