Sieben Jahre Pech

Wie jedes Kind weiß, zieht das Zerbersten eines Spiegels mit sieben Jahren Pech eine besonders harte Strafe nach sich, deren Ausmaß Betroffene gerne in Frage stellen. Überraschenderweise gibt es jedoch auch durchaus positive Auswirkungen einer solchen Sühne. Man bedenke etwa, welch große Enttäuschung entsteht, wenn wir uns redlich um eine Sache bemühen, die schlussendlich misslingt. Nehmen wir als Beispiel das Bemühen einer österreichischen Regierung um eine Verwaltungsreform oder eine Einigung im Kärntner Ortstafelstreit. Im Lichte der Gewissheit, ohnehin sieben Jahre Pech zu haben, könnte man sich den Aufwand von vornherein sparen – denn der erste Schritt zum Scheitern ist bereits der Versuch, den man somit besser gleich bleiben lässt. Stattdessen empfiehlt sich ausgiebiges Nichtstun, bei dem man nicht viel falsch machen kann und dem Pech wenig Angriffsfläche bietet. Und sollte das Pech tatsächlich eintreten, ist das auch noch keine Tragödie – im Gegenteil, da man als Pechvogel bei Misserfolgen getrost jede Schuld von sich weisen kann. Um sich also im Falle schlechter Regierungsarbeit dennoch die Gunst der WählerInnen zu sichern (was ja im Normalfall undenkbar ist), wäre dem Herrn Bundeskanzler ein Vandalenakt im Spiegelkabinett empfohlen. Einmal auf den Geschmack gekommen, würde die Regierung einen Misserfolg nach dem anderen problemlos schönreden können – und das gleich ganze sieben Jahre lang (wie wär‘s mit einer Verlängerung der Legislaturperiode?).
Aus der Sicht des Stimmviehs scheint das allerdings nicht sehr vorteilhaft zu sein. Wir wollen ja irgendwie doch, dass was weitergeht im Land. Vielleicht ist es doch besser, dass die Spiegel ganz bleiben und die Verantwortlichen auch Verantwortung übernehmen. So bleibt uns das Pech zum Glück erspart.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
By submitting this form, you accept the Mollom privacy policy.