S...loch!

S…loch!

Die Spielzeit 2008/09 der Theaterszene neigt sich nun wieder unaufhaltsam ihrem Ende zu. Mit den Wiener Festwochen bekommen Theaterjunkies noch eine letzte Dosis, den gloriosen Goldenen Schuss, um dann Ende Juni aus dem Rausch an internationalen Erfolgsproduktionen wider Erwarten doch noch lebend wieder aufzuwachen und sich in einem zwei- bis dreimonatigen Cold Turkey – oder nüchterner gesagt „Sommerpause“ – wiederzufinden, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.
Was tun als nach Kultur oder Gegenkultur gierender Mensch, der die innenräumliche Unaufhaltbarkeit zu kompensieren sucht, wenn die kühlen Theaterkeller geschlossen bleiben?

Findige, und über weite Strecken geld- und publikumslieblingshungrige Produzenten haben sich hierfür vor vielen Sommern ein Konzept überlegt.
Menschen begeben sich an zum Teil visuell eindrucksvolle Örtlichkeiten, um gemeinsam zu Grillengezirpe oder ähnlichen Naturgeräuschen zum 100. Mal dieselbe Operette oder das ewiggleiche unlustgige Luststück zu erleben.
Nun ist das Problem mit dem Konzept eines Verrisses jenes, dass – wenn auch negative – so doch Werbung gemacht wird für etwas, das selbige nicht verdient. Und worüber man nicht Werbung machen will, darüber soll man schweigen!
Darum: Liebäugelt nicht mit Léhar! Schießt Strauss in den Wind! Sprengt die Steinbrüche! Flutet die Seebühnen! Läutert die Laientheater! Bleibt am Baggersee oder bewerft schlechte StraßenmusikantInnen oder kleine Hunde mit Eismarillenknödeln! Besinnt euch auf eure Jugend und besucht Open-Air-Konzerte! (Die Musikbranche braucht eure finanzielle Unterstützung dringender.) Packt eure geblümten Picknickdecken aus und belagert die öffentlichen Grünflächen! Aber vor allem: Make love not Sommertheater!

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