Spiegelei

SpiegeleiBisweilen sind Zeitschriften, die das Wort Satire schon im Untertitel führen, durch ein ans Krankhafte gemahnendes Lechzen nach Originalität, ein beinahe manisches Originell-sein-wollen-Müssen gekennzeichnet – hier also das lange gehütete, oft kopierte und doch nie erreichte, fast möchte man sagen: ultimative Rezept für das perfekte Spiegel-Ei.

Man nehme hiefür: ein Ei, etwas Öl oder Butter und eine Prise Salz. Das Geniale daran liegt – für geübte Bagger-LeserInnen wenig überraschend – in der schlichten Vollkommenheit des Rezepts. Dass es im globalisierten Bauernmarkt des 21. Jahrhunderts mannigfache Möglichkeiten und Verlockungen gibt, aus einem schier erdrückend scheinenden Angebot die geeignetste Quali- und Quantität an Zutaten zu wählen, soll uns hier nicht weiter stören – wer mündig genug ist, sich für den Bagger zu entscheiden, wird auch zwischen Bio-, Freiland-, aus Bodenhaltung stammenden, steirischen Hügelland-, Straußen-, Wachtel-, Weich- oder sonstigen Eiern vernünftig zu wählen wissen. Auch in Bezug auf das zu verwendende Öl möchten wir dem/der sich im Geiste schon die Kochschürze umbindenden LeserIn möglichst freie Hand lassen – mit der Einschränkung, dass es sich dabei um Speiseöl handeln sollte, um größtmögliche Genießbarkeit des Endprodukts zu gewährleisten (es braucht wohl nicht eigens erwähnt zu werden, dass der Bagger auch in diesem Fall keinerlei Verantwortung übernimmt). Ist man im Vorbereitungsprozess schließlich so weit fortgeschritten, die sorgfältig gewählten Zutaten mit gutem Gewissen vor sich und anderen verantworten zu können, erhitzt man eine als ausreichend empfundene Menge des Fettes in einer nach eigenem Gutdünken für geeignet befundenen Pfanne, wartet auf den günstigst scheinenden Zeitpunkt um die Schale des Eies, sanft aber bestimmt zu beschädigen – am besten in der Mitte des Eies und am Rande der Pfanne –, teilt die beiden Hälften mit dafür ausreichend sauberen Daumenkappen über der mittlerweile optimal vorgewärmten Speiseölpfütze und überantwortet den Inhalt der beiden Schalenhälften selbiger. Nach Belieben salzen – mit Demut genießen.

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