Sterben in Wien

Eine Führung im Wienmuseum Karlsplatz

„Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“ vermag man wie Epikur zu denken. Wird somit der an die Wand gemalte Teufel genannt, so kommt er auch schon gerannt, und man befindet sich an einem düsteren und wolkenverhangenen Sonntagnachmittag, an dem man mit einem Besuch des Wienmuseums am Karlsplatz die Zeit totschlagen wollte, mitten in einer Führung zum lebensfeindlichsten Thema überhaupt: nämlich über die Geschichte der ewigen Wiener Jagdgründe. Man erfährt einiges über Tötungs- und Bestattungsriten, wie sie im Laufe der Zeit ihren Wandel erfahren haben, und wie bzw. warum nicht mal vor dem Tode alle gleich waren (Die Habsburger waren zum Beispiel um einiges gleicher und durften sich dreifach bestatten lassen – wie ungerecht!).

Die Führung bietet zwar nicht unbedingt das Riesenspektakel schlechthin, allerdings ist mit der Erläuterung höchst delikater Szenarios zur Hinrichtung Delinquenter auch für Horrorsüchtige was dabei. Außerdem bietet die Führung einen guten Rahmen für das Abklappern der Dauerausstellung in drei Etagen zu jeweils verschiedenen Epochen, wo eigentlich zu den einzelnen Ausstellungsstücken nur recht spärlich Informationsmaterial angebracht ist. Somit vergehen eigentlich auch die 60 Minuten Führungszeit recht schnell.

Ansonsten bietet die Dauerausstellung auch einiges für Freundinnen und Freunde des Sakralen (die Kirchenfenster im Erdgeschoß lassen kurz vergessen, dass man sich nicht in der Sonntagsmesse befindet), der Kriegskunst (gemessen an den unzähligen Schwertern und Rüstungen im ersten Stock), sowie auch von Farbe und Pinsel (für den dritten Stock gilt: sind wir hier im Kunsthistorischen oder was?). Also, für jedeN was dabei – und noch mehr, denn die Karten und Stadtmodelle aus ausgewählten Epochen sind sicher nicht ohne (naja, ohne viel heutiger Stadt rundherum vielleicht). Hier ist jedenfalls Vorsicht geboten: eine der Karten ist nicht „genordet“, wie das im GeographInnenjargon so schön heißt – aber ein bisschen Denksport kann nicht schaden.

Kleiner Tipp: Wenn Sie das Wienmuseum besuchen wollen, sollten Sie als OrtsansässigeR emotional halbwegs stabilisiert sein – denn die Erkenntnis des Tages bot für mich folgendes Zitat von jemandem, dessen Namen ich zu seinem Schutze bereits vergessen habe (wenn er nicht ohnehin schon eines furchtbaren Verbrechertodes in dieser Stadt gestorben ist): „Wien ist die Stadt der Leute, die ihren Beruf verfehlt haben“.

Wien Museum Karlsplatz
Dienstag bis Sonntag und Feiertag, 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr
(Dauerausstellung Sonntags gratis)
Infos auf www.wienmuseum.at

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