theoral

thoral #4

Das Konzept der Serie Baggers Konkurrenz ist ja genau genommen: Welchen Schriftwerken könnte der Bagger an einem gewissen möglichen Ablagerungsort noch begegnen. Wenn auch der besagte Ort in diesem Fall doch etwas unpassend erscheint, wollen wir uns doch ein wenig diesem interessanten Machwerk widmen - wo auch immer wir uns gerade befinden.

Wir sprechen von theoral - eine Kleinbuch-Serie mit dem selbsterklärenden Untertitel: oral music history and interesting interviews.  Auf der projekteigenen Homepage wird das folgendermaßen ausgeführt:

Es ist unser Ziel, einen ständig wachsenden und sich formenden corpus von meist nur mündlich überlieferter Geschichte der creative music (improvisierte, experimentelle, Neue, Jazz, &c. Musik) zu schaffen. Wir treten aber nicht als Autoren auf, sondern übergeben – in Form von Gesprächen – das Wort an jene, die diese Geschichte lebten und leben.

So sind bisher vier Bände erschienen, die jeweils ein bis zwei ausführliche Interviews mit Leuten, die mehr oder weniger ins Musikmilieu gehören, die aber vor allem etwas zu erzählen haben. Das aktuelle Bändchen feiert just diesen Freitag seine Veröffentlichung.

Wer jetzt denkt, da einfach eine Art reduzierte Musikzeitschrift mit den üblichen Frage- und Antwortspielchen zu bekommen, könnte falscher nicht liegen. Vielmehr erweist sich die Fokussierung auf die Musikwelt nach etwas Lektüre als eher nebensächlich. Denn im Zentrum geht es darum, wie gewisse Menschen mit sehr speziellen Existenzentwürfen ihr Leben meistern, wie sie die Gesellschaft um sich herum wahrnehmen und wie sie mit den sich ergebenden Widersprüchen zurecht kommen. So hat theoral eher eine ethnologische Betrachtungsweise und dokumentiert (oder propagiert) alternative Lebensmodelle oder Existenzmodi, die gewisse kreative Schaffensprozesse erst ermöglichen.

Optisch wird das ganze sehr spartanisch präsentiert. Sparsam gesäte Fleurons und vereinzelte Illustrationen schmücken, ohne vom Text abzulenken. Auf Überschriften wird verzichtet, die Schriftgröße ist über das gesamte Buch hinweg einheitlich und auch das Inhaltsverzeichnis wird eigentlich nur angedeutet. Den ästhetischen Höhepunkt stellt das Titelblatt dar: Auf den ersten Blick auf allen vier Ausgaben identisch, ist es tatsächlich jedes Mal neu und variiert gezeichnet. Pro Buch kommt eine spezielle Substanz zum Einsatz, von Kirschsaft bis Kurkumalösung.

Stellt sich nur noch die Frage, wo die Werke zu bekommen sind. Entweder man läuft den UhrheberInnen zufällig auf einem Konzert oder Festival über den Weg und bekommt die aktuelle Ausgabe angedreht oder man wird selbst aktiv und bestellt sich ein Exemplar (oder mehrere) auf der Homepage.

Link
http://www.theoral.org

Releaseparty theoral #4
Freitag, 2. März im Blue Tomato - live: Quintette Oral

 

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