To all the dirty mothers and sexy bitches

Wenn die ersten Blümlein sprießen und der April sich ausgewettert hat, weiß man, dass er irgendwann dann kommen muss. Der Muttertag, Tag der Salzteigherzen und der schlechten Reime. Für kinderlose Frauen wie mich hat dieses Ereignis definitionsgemäß nicht viel zu bieten, außer der armseligen Rose, die allen gebärfähigen Konsumentinnen bereits am Vortag an der Supermarktkasse verliehen wird. Vorschusslorbeeren sozusagen, ein kleiner Wink vielleicht, die Geburtenrate unseres Landes doch noch etwas in die Höhe zu treiben.

Auch Österreichs buntestes Sonntagsblatt, mein Garant für leichte Früh‑­stücksunterhaltung, verstand den Tag als Gelegenheit und widmete sich verstärkt den lustvollen Seiten des weiblichen Daseins. Neben dem Hinweis darauf, dass Mütter heutzutage nicht nur mit der Kind-Job-Haushalts-Problematik zu kämpfen haben, sondern dabei auch noch „schön und cool“ sein sollen, erfährt man auch, dass Papa Christian der Mama Lilly (vormals „die scharfe Blondine mit dem tollen Busen“) nicht mehr „unter die Bluse greifen“ mag. Eine Pfarrerin hält ein einfühlsames Plädoyer auf die Sexualität als Weg zu Gott, denn „Die Mutterschaft ist aus der Lust geboren“, und um der Blattlinie treu zu bleiben, darf auch das barbusige Girl auf Seite 9 die Mama ehren.
Am Nachmittag sah ich mich dann mit einer Flut von Spam-Mails konfrontiert, die unter dem Motto „Mein verfickter Muttertag“ mit kleinen, illustrativen Fotogeschichten die jüngere, männliche Generation daran erinnern sollen, dass auch „Muttis gerne rangenommmen“ werden. Für den einzigen Tabubruch des Tages sorgte der österreichische Rundfunk, der mit einer Dokumentation über gelebte weibliche Sexualität im fortgeschrittenen Alter doch noch für einen gelungenen Feiertagsausgangklang sorgte.
So bescherte mir der Muttertag in diesem Jahr nebst einer Blumenleiche auch die Einsicht, dass er mir angesichts der Sachlage weiterhin gestohlen bleiben kann. Und zwar so lange bis Omi endlich in der Playgirl-Villa Zigarren pafft, halbnackte Schönlinge TV-Shows dekorieren und mir die Kronenzeitung jeden Morgen einen Knackarsch präsentiert.

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