Underwater Love

Wer im Hochsommer in der Wiener Innenstadt lauschige Sommerabende in Zweisamkeit verbringen will, dem bleibt in Ermangelung einer vor Nachbarsblicken geschützten Dachterrasse nur die ehrwürdige Altbauwohnung. Und für diese gilt bekanntlich von Juni bis August: Innentemperatur ist gleich Außentemperatur plus noch ein bisschen was. An den Tagen, an denen ein Weg zum Billa einem Marsch durch die Lut-Wüste glich, litt mein Liebster Höllenqualen. Nur bei dem Gedanken sich zu bewegen, versammelten sich Schweißperlen auf seiner Stirn. Jeder Akt wurde zum Kraftakt, auch der unsrige. Und so begann es.

Kleine Wassertropfen fielen auf meine Stirn und verloren sich in meinen Haaren, ließen sich auf meinen feuchten Lippen nieder, beträufelten meine Wangen, benetzen die geschlossenen Lider. Er war heiß. Buchstäblich. Die Temperatur in der unmittelbaren Umgebung meines Geliebten war innerhalb von wenigen Minuten auf gefühlte 50 Grad gestiegen. Ich rang nach Atem und versuchte dem schwer arbeitenden Mann über mir Einhalt zu gebieten. Doch zu spät, seine Lust brach wie ein Wärmegewitter über mich herein und ein Platzregen aus dicken Schweißtropfen überschwemmte mein Gesicht, strömte über meine Brüste und flutete meinen Bauchnabel. Ruft die Feuerwehr, holt Sandsäcke, das geht so nicht! Ich flüchtete unter die Dusche. Als ich zurück kam, saß er, etwas verstört über den plötzlichen Abbruch der Mission, immer noch am Bett und sah aus als hatte ihn jemand mit einem Kübel Wasser übergossen. Entschuldige, sagte er, und blickte auf das klatschnasse Leintuch. Mach dir nichts draus, mein Schatz, der nächste Regen kommt bestimmt.

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