Vielgeprüftes Opferreich

Bei Verbrechen gibt es generell zwei große Nutznießer. Einerseits der_die Täter_in, der_die sich dadurch einen (unmoralischen) Vorteil verschafft; andererseits die Polizei, die in Folge davon ihre Existenzgrundlage rechtfertigen darf. Dummerweise hat aber immer auch eine_r das Bummerl: das Opfer. Noch dümmererweise leben wir hier in einem Land, dessen Bewohner_innen diesbezüglich ganz besonders leidgeprüft sind.

Man erinnere sich etwa an eine Zeit, in der bekanntlich nicht alles sooo schlecht war, wir uns aber im Nachhinein dann trotzdem irgendwie ganz schön überrumpelt gefühlt haben. Und wären wir damit noch nicht Opfer genug gewesen, hat man uns noch mit einer gnadenlosen Besatzungszeit den Rest gegeben! Wirft man nun einen Blick auf die heutige Zeit, so scheint es, als ob der homo austriacus eine ziemlich leichte Beute abgeben würde. Ohne jetzt die FPÖ ins rechte Eck zu stellen (wäre eine gemeine Diffamierung!) und ohne einen Bezug zu vergleichsweise mickrigen Baggerdellen einer blauen Regierungsbeteiligung herzustellen, aber in Anbetracht diverser Skandale wurden wir wieder einmal Opfer. Wir armen Hascherln aus dem gemeinen Fußvolk wurden, nachdem uns das Blaue vom Himmel versprochen wurde, um sauer verdientes Steuergeld beraubt – woran sich ein paar (rechtlich) Unschuldsvermutete doch ein bisserl mehr bereichert haben, als es eine halbwegs humane Sozialmoral erlauben würde. Wobei man fairerweise eines dazu sagen muss: die Freiheitlichen selbst hat es dabei ja am meisten erwischt. Folgt man der stichhaltigen Argumentation eines Herrn Vilimsky, so befand sich die jetzige FPÖ-Opferriege damals in der Geiselhaft einiger weniger Bösewichte, von denen man sich aber glücklicherweise trennen konnte, um heute als „Saubermannpartei“ mit weißer Weste dazustehen (da würde sich wieder ein Vergleich zur „Entnazifizierung“ in der Nachkriegszeit anbieten, was aber wiederum völlig unangebracht wäre und daher besser gar nicht erst angedacht wird). Dazu darf gratuliert werden, ebenso wie zu einer – in mehrfachem Wortsinne – blendenden Ironie der Geschichte.
 

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