Virtueller Theaterraum

Die zum Theater in der Josefstadt gehörigen Kammerspiele scheinen sich indes bewusst zu sein, dass man nicht immer nur alte Hadern aufwärmen kann und zeigen ab 7. Mai Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ in einer von dem bekannten (Standard-)Autor erarbeiteten Bühnenfassung. Schön und gut, aber welcheR DramaturgIn – der/die zumindest schon einmal selbst im Theater war – kommt auf die glorreiche Idee, einen „E-Mail-Roman“, einen, wie’s so wunderschön im Klappentext heißt, „Briefroman im Internet-Zeitalter“ für die Bühne adaptieren zu wollen. Eine Lesung – meinetwegen, ein Hörspiel – wunderbar, aber was in Goethes Namen soll ein Text über zwei Menschen, Emmi Rothner und Leo Leike (man beachte die Poesie der Namensgebung), die sich abwechselnd E-Mails schreiben, auf dem Theater? Eine Verfilmung vielleicht – wenn es die nicht schon so ähnlich gäbe. „Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist Küssen mit dem Kopf“, heißt es im Text. Schlechtes Theater ist wie Kopfweh, nur ohne Tabletten. Schlechtes Theater ist mit dem Kopf gegen die Wand schlagen, heißt es ab Mai in den Kammerspielen.

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