Walverhalten

Nun ist es soweit: wir werfen unser blitzfunkelnagelneues, höchst kostspieliges Wal-Barometer an.

Sehr spannend ist es zwar nicht, weil: zuoberst schwimmt sowieso gar kein Wal, sondern der HeiFisch. An der Heifisch-Waldichte können wir ablesen, wieviele Leute hierzulande einfach echt nur wollen, daß alles beim alten bleibt, und wenn’s geht ein bisserl fad. Eine Art Nullniveau.
Erst weit unterhalb gibt’s einen Wal: den Braun- (wenn unter Spiritus Blau-) Wal Barbarus Rosicrucianus. Dieser Wal ist wirklich ein dicker Hund. Einige haben vorgeschlagen, den Barbarus-Dichteanzeiger schlechthin als “Bazimeter” zu bezeichnen. Wer außer einem Bazi wird schon ein Kreuzl dorthin machen, wo “Barbarin Rotzngraus” steht? (Bei der Konkurrenz hieß es schon vor Wochen sinngemäß: “Dies ist keine Wal-, sondern eine Bazi-Zählung.”) Allerdings wird bei einer solchen Lesung nicht zwischen Neon- und Altbazis unterschieden, und dann gibt es ja auch fallweise den Protest-Wal. Der schwimmt im übrigen bald nach rechts, bald nach links. Vorgestern im Wirtshaus gehört: “Ich geh’ zur Wal und wäl’ den Heifisch, damit diese [Parteibezeichnung]-F[ra?]tze wenig Stimmen kriegt.”
Nebenbei wird uns von einem Kleinstadtpfarrer berichtet, der tatsächlich eine Wal-Empfehlung für einen Hering abgibt, und das in der Predigt. Erstaunliche Symbiose, wo doch der Meteorologe W. Busch konstatiert hat “Der Walfisch stört des Herings Frieden”. Na ja. Der Hering schwimmt, wie wir wissen, tief, ganz tief, wo es finster ist, deswegen muß er immer ein Kerzerl mithaben – daher heißt der Heringswal-Parameter auch Kerzlschlucker-Koeffizient. Der wird zwar angezeigt, aber er ist, wie der Name sagt, Gering.

Muß man die Walzettel eigentlich unterschreiben? Dann mach’ ich drei Kreuzln. Was? Beim Walvorgang geht es gar nicht darum, ob ich z.B. den griechischen Staatsbankrott sanieren will? Auch nicht, ob es mir paßt, daß plötzlich 100 Millionen € vom Bildungsbudget gestrichen werden sollen, und so? Pfeif auf den Wal. Ich geh’ spazieren. Sonne scheint.

Kommentare

Ich frage mich

warum in politischen Belangen immer Luftdruckmessgeräte herangezogen werden.

in wirklichkeit

braucht man eine ganze wetterstation. man muß wissen, wie großer druck herrscht, von wo der wind weht, wann es heiß wird - höchstens fürs hygrometer fällt mir nichts ein. um kandidaten nach der feuchte ihrer aussprache zu klassifizieren? oder der trockenheit ihres humors?

Angstschweiß wegen

Angstschweiß wegen aufgetischter Lügen vielleicht?

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