Warum Geld der Joker im Spiel des Lebens ist. Und warum es eigentlich nichts wert ist.

Das Geld liegt auf der Straße

Ist der Titel eines Buches, in dem der Autor (und selbsternannter Börsenguru) „Normalbürgern“ einerseits Tipps zum Sparen und andererseits zur Geldanlage an der Börse gibt. Die Meinungen der bis dato zwei Buchrezensenten auf Amazon liegen weit auseinander:
Der eine bezeichnet das Buch als „die Landkarte zum Glück“ und empfiehlt es vor allem Menschen, „denen [ihr] Geld nicht reicht und [die] mehr erreichen wollen als jeden Monat für zu wenig Lohn arbeiten zu gehen“, die andere verbleibt mit der Empfehlung, dass „der beste Sparansatz ist, das Buch erst gar nicht zu kaufen“.

Nun, der Umgang mit Geld ist etwas sehr Persönliches, ob Sparer- oder Konsummentalität, aber man kommt durch die Omnipräsenz dieses „Etwas“ im alltäglichen Leben eigentlich nicht umhin eine Haltung einzunehmen, irgendwie sein Leben „darauf zu werfen“. Ich würde meinen, dass es unsere Persönlichkeit und Handlungen stark beeinflusst (wenn auch meistens unbewusst), manchmal sogar zu einem Fetisch wird, je nach Sozialisation, Erziehung und persönlichen Erfahrungen damit. Letzlich steigt und fällt ja auch die „Stimmung des Volkes“ mit dem Zustand der Volkswirtschaft und dem persönlichen Wohlstand.
Das war für mich (als zugegeben begeisterter Laie in Wirtschaftsfragen) der Ausgangspunkt ,sich mit der Frage zu beschäftigen, was Geld eigentlich ist. Die Plattitüde „Geld regiert die Welt“ zu ergründen und letzlich auch, um beim nächsten ethanolverstärkten Kulturpessimismusstammtisch der Parole „der Mensch ist halt schlecht“ etwas entgegen setzen zu können.
Ich suchte also eine Theorie, die Geld als Ausgangspunkt ihrer Überlegungen nimmt und am ehesten eine Ursache-Wirkung Erklärung für bestimmte Merkmale/Zustände unserer heutigen Marktwirtschaft bietet, die andere auszublenden scheinen. Genannt seien hier vor allem die exorbitanten Staatsschulden (auch der Industriestaaten!) auf der einen, die steigenden Geldvermögen auf der anderen Seite.
Dabei stieß ich auf die „Freiwirtschaftslehre“, deren Grundideen auf Silvio Gesell und sein Hauptwerk Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld von 1916 zurückgehen.
Heutzutage wird sie von einem eher kleinen Kreis von Volkswirtschaftlern vertreten und weiter­entwickelt, aber meiner Meinung nach viel zu wenig in der Öffentlichkeit diskutiert (www.geldreform.de, www.zeitschrift-humanwirtschaft.de).­
Ich konzentriere mich bewusst auf die Darstellung der Grundideen im aktuellen Kontext, blende den geschichtlichen Hintergrund aus und vermeide Seitenhiebe auf andere Theorien; rationale Überlegungen und nicht emotionale Politisierung soll hier im Vordergrund stehen.

Funktionen des Geldes

Geld soll mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen: Es dient als Tauschmittel und als Preismaßstab der Produkte und Dienstleistungen. Das wird umso essentieller, je ausgeprägter das arbeitsteilige Wirtschaften ist, je mehr sich also der Produktions- und Dienstleistungssektor auf bestimmte Arbeitsbereiche spezialisiert. Denn damit steigt im Marktgeschehen auch die Abhängigkeit voneinander.
Zusätzlich stellt das Geld aber auch einen Vermögensgegenstand durch Wertaufbewahrung dar.

Der Wert des Geldes

Die Geschichte des Geldes zeigt, dass es nicht an einen bestimmten Träger gebunden ist.
Die Geldarten Münze, Banknote, Buchgeld (Sichtguthaben bei Banken) und Wertkarte sind wie Generationen des Geldes auseinander hervorgegangen.
Bis ins 18. Jahrhundert hinein waren die Währungen Europas über ihren Edelmetallgehalt in ihrem Wert definiert. Das Papiergeld mußte lange Zeit durch Münzgeld oder Edelmetall (Goldstandard) gedeckt sein. Ab 1944 waren alle Währungen durch feste Wechselkurse an den US-Dollar gekoppelt, der selber durch Gold gedeckt sein sollte (Bretton Woods). Diese Golddeckung kündigte der amerikanische Präsident Nixon 1973 auf, so dass wir seitdem ein System freier Wechselkurse haben.
Mit dieser Evolution ist die Stofflichkeit des Geldes aufgegeben als auch die Vorstellung eines inneren, physischen Wertes.
Heutzutage wird Geld „geschöpft und vernichtet“.
Diese Aufgabe obliegt den nationalen und supranationalen (» EZB) Zentral- oder Notenbanken. Sie legen unter anderem Leitzinsen fest, zu denen sich die Geschäftsbanken des Landes (die Unternehmen, über die unsere Finanzgeschäfte laufen) Zentralbankgeld leihen können. Die Geschäftbanken verleihen das Geld wiederum unter Zurückhaltung eines Mindestreservesatzes als Kredite weiter, so dass in der weiteren Folge noch mehr Geld „geschöpft“ wird. Der Wert des Geldes als Vermittler im Gütermarkt wird über das Preisniveau der Güter bestimmt. Geld an sich ist nicht wertvoll, sondern bekommt einen Gegenwert im Spiel des Marktes aus Angebot und Nachfrage; um Preisstabilität zu erreichen, muss das Geldvolumen (Geldmenge mal Geldumlauf­geschwindigkeit) auf der einen Seite mit dem Handelsvolumen (Preisniveau mal Waren/Dienstleistungs-Geldtransaktionen) auf der anderen Seite in Balance gehalten werden.
Und in diesem Spiel ist Geld der Joker.

Macht des Geldes

Je nach Ware, Dienst oder Risiko und nach Nutzen des Besitzers wird es ausgespielt oder zurückgehalten und bestimmt über Zustandekommen wirtschaftlicher Aktivitäten.
Es sichert ab gegen die Unsicherheiten der Zukunft und gibt Möglichkeiten zur positiven Gestaltung des eigenen Nutzens.
Mit dem Verzicht auf den Vorteil der Verfügbarkeit des Geldes (Liquidität) durch Verleih wird das Nehmen bzw. Erwarten eines Zinses gerechtfertigt.
Von diesem Zins, geht man nun aus, wenn man überlegt, seinen Besitz auf andere Vermögensgegenstände aufzuteilen (Aktien, Wohnungen, Grundbesitz, Fabrik etc.). Denn das lohnt sich nur dann, wenn eine höhere Rendite (Gewinn) zu erwarten ist als die des „Urzins“ des Geldes, wie ihn Gesell nennt, oder der „Liquiditätsprämie“, wie sie bei Keynes heißt.
Die dabei getätigten Investitionen bedeuten für den Wirtschaftskreislauf gesehen eine Erhöhung der zur Verfügung stehenden Geldmenge.Sinken die Renditen unter den „Urzins“ ( zw. 3-6% ) lohnt es sich für den Kapitalbesitzer sein Vermögen wieder auf liquidere, schnell verfügbare Mittel – z.B. Sichtguthaben bei Girokonten oder Bargeld – umzuschichten. Damit wird dem Kreislauf wieder Geld entzogen. Diese Vorgänge erschweren die Steuerung der Geldmenge und verhindern a priori das eigentliche Erreichen eines von den Vertretern des Neoliberalismus geforderten wirklich freien und vollkommenen Marktes:
Marktgleichgewicht durch vollkommene Konkurrenz und Transparenz, mit einem Gleichgewichtspreis pro Produkt und letzlich keinem Gewinn für den Händler.

Exponentielles Wachstum und geräuschlose Umverteilung

Werden Zinseinkünfte aus Guthaben nicht anderweitig verwendet, wie z.B. für den Konsum, und wieder angelegt, führt der Zinseszinseffekt zum exponentiellen Wachstum des Guthabens. Das Gleiche gilt für das zinsbelastete Schuldenwachstum. Das führte in den letzten Jahrzehnten zu einer sich selbst beschleunigenden Zunahme des Geldvermögens bei gleichzeitiger Zunahme der Schulden (siehe Staatsschulden). Eine Erklärung für die hohe Verschuldung ist systemimmanent: Die Zinseinkünfte, die nicht in den Tauschkreislauf gelangen, müssen über eine Verschuldung wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden, um das Fehlen an Tauschgeldmenge zu kompensieren und das System zu stabilisieren.
Den Kreditnehmern/Schuldnern, ob Unternehmer oder Staat, bleibt langfristig nichts anderes übrig, als die anfallenden Zinskosten auch auf den Verbraucher bzw. Steuerzahler „abzuwälzen“. Schließlich kommt es also zu einer leistungslosen Umverteilung von Geldmitteln. Zudem stellt sich die Frage: Wer deckt die Zinsforderungen? Letzlich muss sie einer realwirtschaftlichen Leistung gegenüberstehen. Anders gesagt: Jemand muss dafür arbeiten (dass das Geld für sie arbeitet).

Wirtschaftswachstum

In der Praxis entsteht die Forderung nach Wirtschaftswachstum um jeden Preis (derzeitige Em­pfehlung 3%).
Denn das ist die einzige Möglichkeit das Lohnniveau stabil zu halten und einer Nachfragelücke durch fehlendes „Konsumkapital“ vorzubeugen. Alternativen wären die Inkaufnahme von Verarmung, Inflation oder weiterer Aufschuldung. Eine wachsende Wirtschaft wiederum führt zwangsläufig zu einem wachsenden Ressourcenverbrauch, da letzlich der Produktionssektor (im Gegensatz zum Dienstleistungssektor, der diesen nur „bedient“) wachsen muss. Vor diesem Hintergrund kann man die Globalisierung und das Erschließen neuer Märkte als Zwang verstehen.
Laut Freiwirtschaftlern entsteht eine schizophrene Situation und man vermutet daraus die Notwendigkeit von Krisen und einer relativen Knappheit:
Würde die Wirtschaft durch das Wachstum zur Bedarfsdeckung tendieren, würden auch die Renditen des Sachkapitals sinken und wären teilweise dann nicht mehr rentabel, sobald sie unter das allgemein angenommene Urzinsniveau (als Vergütung einsetzbarer, liquider Geldbestände) sinken.
Die Folge wäre eine Rezession (Konjunkturabschwung) mit einhergehender Vernichtung von Sachkapital (Konkurse, Liquidierung von Betrieben, Unterlassung von Investitionen und Vernichtung von Arbeitsplätzen), solange bis die Verknappung wieder eine höherer Rendite ermöglicht.
Die Inkaufnahme der Verarmung und Abwertung der Arbeit zeigt ihr Gesicht bei den „working poor“ in den USA oder in GB, durch die zwar die Arbeitslosigkeit öffentlichkeitswirksam abgebaut werden kann, aber nur weil das Lohnniveau niedrig genug ist.

Nun ist der Zins in einer Marktwirtschaft als Knappheitssignal und Lenkungsinstrument für die Zentralbanken unverzichtbar. Unverzichtbar ist aber auch die Verhinderung der Möglichkeit, durch eine Zurückhaltung des Geldes Zinsen auch dann noch erpressen und Wachstumsdruck erzeugen zu können, wenn aufgrund der Sättigungsentwicklungen in der Wirtschaft die Wachstumsraten gegen Null sinken. Erst wenn die Geldvermögen und Schulden nicht mehr durch den Zins- und Zinseszinseffekt in fast astronomische Größenordnungen eskalieren, kann sich die Wirtschaft von dem Dauer-Wachstumsdruck befreien.
In der Freiwirtschaft gibt es dazu den Ansatz, die Geldmenge und den Geldumlauf durch das Einführen von Freigeld (umlaufgesichertem Geld) zu sichern und damit die Liquiditätsprämie zu neutralisieren. Statt eines positiven Zinses erhebt man Gebühren auf die liquiden (schnell verfügbaren) Geldbestände wie Bargeld, Sichtguthaben oder kurzfristige Termineinlagen. Vorschläge dafür sind beim Bargeld die Einführung von Stempelgeld (Entwertungsstempel pro Zeiteinheit), Tabellengeld (Nennwertangabe pro Zeiteinheit) oder kostenpflichtiger Umtausch einzelner Banknotenserien. Bei Sichtguthaben (Buchgeld) könnte man die Idee durch Gebühren seitens der Geschäftsbanken realisieren, deren Höhe wiederum durch die Festlegung von Gebühren auf die einbehaltenen Geschäftsbankbarreserven bei der Zentralbank entstehen. Damit hätte die Zentralbank weiter die Funktion als eine unabhängige Institution oder Gewalt im Staat die wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.
Zusätzlich, durch den zu erwartenden Investitionssturm auf Grundbesitz und damit dessen Preisexplosion wäre eine Bodenreform unabdingbar, in der die Gemeinden den Grundbesitz sukzessive ankaufen und an den Meistbietenden verpachten. Dadurch könnte man letzlich auch die Spekulation mit diesem lebenswichtigen, unvermehrbaren Gut sicherstellen und die Gemeinden hätten gesicherte Einnahmen.
Weitere Überlegungen, welche Reaktionen noch zu erwarten wären, würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Aber der interessierte Leser sei angehalten sich weiter zu informieren, Theorien und Modelle zu entwickeln und sich kritisch mit dem Thema auseinander zu setzen.
Worum es schließlich geht, ist die Annäherung an eine Bedarfsdeckungswirtschaft, worin der kapitalistische Gedanke eines funktionslosen Investors keinen Platz mehr findet.
In diesem Sinne: „Let´s work it out“. Oder so.

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Finanzwirtschaft

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Selber Jocker sein im Spiel des Lebens ist meine Devise!

Ich bin ein Jocker im Spiel des Lebens.
Daher schreckt mich weder der Exzess von Drogen oder Sex noch die Einsamkeit.
Auch die Arbeitslosigkeit schreckt mich nicht.
Ich kann mich selber beschäftigen dazu brauche ich keine Chefs!
Das einzige was ich brauche ist Geld weil das Leben teuer ist!

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