Weltuntergang übermorgen

Gletscher
Über das Leben nach dem Ende des Maya-Kalenders und warum uns auch dann nicht langweilig wird.

Wenn wir 2012 gut überstanden haben, thront wohl über allen drohenden Übeln nach wie vor der Klimawandel, dem wir uns nun widmen wollen. Für alle ZweiflerInnen sei hier noch einmal ganz wissenschaftsnah zusammengefasst, warum er zwar schon ernst zu nehmen, Hysterie aber auch etwas unangebracht ist.
Natürlich ändert sich das Klima der Erde immer wieder auch naturbedingt. Allerdings verzeichnen wir in den letzten fünfzig Jahren einen massiven Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre (insbesondere Kohlendioxid und Methan, wovon Zweiteres in geringerem Ausmaß vorkommt, aber einen stärkeren Einfluss auf die Erwärmung hat).

Zeitversetzt, aber doch eindeutig parallel steigt die durchschnittliche Temperatur an der Erdoberfläche seit den 80ern kontinuierlich an. Die Erwärmung wird dadurch verursacht, dass die genannten Stoffe zwar die Sonneneinstrahlung ungehindert durchlassen, die Infrarotstrahlung der Erde jedoch absorbieren, sich selbst erwärmen und selbst wiederum Richtung Erde zurückstrahlen.
Zwar kommen Treibhausgase auch natürlich in der Atmosphäre vor, seit der industriellen Revolution aber trägt der Mensch durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, durch Abholzung sowie durch Vieh- und Agrarwirtschaft maßgeblich zu ihrer Freisetzung bei und verstärkt so ihren Effekt.
Bis zum Jahr 2100 prognostizieren verschiedene Studien eine Erwärmung von zwischen einem und sieben Grad, global im Jahresdurchschnitt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass verschiedene Weltregionen zu verschiedenen Jahreszeiten unterschiedlich stark betroffen sind. Generell lässt sich sagen, dass die Nordhalbkugel wesentlich stärker erwärmt wird, da sich die Atmosphäre über Festland stärker aufheizt. Deutlich lässt sich das an der Arktis sehen, deren Eispanzer seit Jahren merklich schrumpft, so dass im August 2008 sowohl die Nordost- als auch die Nordwestpassage, also die Seewege nördlich von Sibirien und Kanada, erstmals durchgehend eisfrei waren.

Spiegelsteigung

Nun schmilzt aber dabei nicht nur den Eisbären der Boden unter den Füßen weg, nein, auch der Meeresspiegel steigt durch das Mehr an Wasser. Hinzu kommt, dass sich die Ozeane erwärmen und so auch eine thermische Ausdehnung erfahren. Prognosen für das Jahr 2100 rechnen mit einer durchschnittlichen globalen Erhöhung zwischen 20 Zentimetern und zwei Metern. Wie schon bei der Klimaerwärmung gilt auch hier, dass Regionen unterschiedlich stark betroffen sind und so das Mittelmaß weit über-, aber auch unterschritten werden kann. Besonders gefährdet sind davon Pazifikinseln wie Tuvalu, dessen höchster Punkt nur fünf Meter über dem Meeresspiegel liegt. Ausgerechnet in diesen Breiten steigt der Meeresspiegel ungünstigerweise am stärksten. Katastrophal wäre ein Anstieg um nur einen Meter in Bangladesh: Dort müssten bis zu 70 Millionen Menschen umgesiedelt werden. Das wäre fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung des dicht besiedelten Landes. Wohin aber mit ihnen in einem Land, das nicht ganz doppelt so groß wie Österreich ist?
Bemerkbar macht sich diese Problematik bereits heutzutage durch steigende Opferzahlen bei alljährlichen Wirbelstürmen und Überschwemmungen.
Abgesehen vom höheren Meeresspiegel könnte die Erwärmung der Ozeane aber noch einen weiteren, fataleren Effekt haben. An den Hängen hin zum Meeresboden liegen in der Tiefe von 500 bis 1000 Meter unter dem Meeresspiegel nämlich weltweit verstreut gewaltige Mengen Methanhydrat. Dieser eisförmige Stoff entsteht durch den bakteriellen Abbau von organischem Material, wenn Druck- und Temperaturverhältnisse genau passen. Durch Erdbeben, Plattenverschiebungen, aber eben auch die Erwärmung der Ozeane oder die regionale Zufuhr von warmem Wasser durch veränderte Strömungen kann Methanhydrat an die Oberfläche aufsteigen und zersetzt sich dort schnell. Übrig bleibt ein bisschen Wasser und ein Vielfaches an Methan, das in die Atmosphäre abgegeben wird. Ein Kubikmeter Methanhydrat kann nämlich bis zu 164 Kubikmeter dieses Treibhausgases beinhalten.

Auswegslos?

Der Effekt ist ein Teufelskreis: Methan in der Atmosphäre trägt zur Klimaerwärmung bei, diese bewirkt eine weitere Erwärmung der Meere, welche wiederum mehr Methanhydrat an die Oberfläche liefert. Zu allem Unheil sind auch im grönländischen Eisschild und in der Antarktis gewaltige Mengen Methan gespeichert, die bei deren Abschmelzen ebenfalls freigesetzt werden.
Das klingt zunächst alles unheimlich gefährlich, aber glücklicherweise ist die Welt oft etwas komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Denn erstens ist die Durchmischung in den Meeren so gering, dass ein Temperaturanstieg in den betreffenden Regionen sehr langsam vor sich geht. Und zweitens bewirkt der Anstieg des Wasservolumens durch das Abschmelzen der Polkappen einen erhöhten Druck auf die Meeresböden, wodurch das Methanhydrat stärker gebunden wird. Das Gefahrenpotential ist also doch eher längerfristiger Natur und bremst sich dankenswerterweise auch ein bisschen selbst ein.
Riskanter ist da wohl die menschliche Gier. Methan wäre nämlich ein hervorragender Energielieferant. Der Abbau ist jedoch schwierig, da sich das Hydrat bei schwindendem Druck eben zersetzt und so ein Großteil des gehobenen Methans in die Atmosphäre verloren geht. Selbst wenn dieses Problem durch verbesserte Abbaumethoden verringert wird, bleibt der Effekt, dass bei der Verbrennung von Methan zur Energiegewinnung letztendlich wiederum Kohlendioxid entsteht, welches ebenso den Treibhauseffekt fördert.
In diesem Zusammenhang wird weiters vor dem Auftauen des Permafrostbodens gewarnt. Auch in Tundra und Taiga sind nämlich große Mengen Methan gespeichert. Aber wieder hat Gefahr ein zweites, freundlicheres Gesicht, denn dort, wo zuvor gefrorener Boden war, entstehen Feuchtgebiete mit neuer Vegetation, welche Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen und im Boden speichern. Wenn dies auch aller Voraussicht nach die vorangehende Freisetzung von Treibhausgasen nicht ganz aufheben kann, so verringert es sie doch etwas.

Das liebe Vieh

Auch was die Viehwirtschaft betrifft, haben wir bekanntermaßen unsere liebe Not mit dem Methan­ausstoß. Aber abgesehen davon, dass die Menge an Fleisch- und Milchprodukten, die hierzulande verzehrt wird, schlichtweg ungesund, die Tierhaltung in weiten Bereichen eine Sauerei und der Ressourcenverbrauch eine Katastrophe ist, verringern Reduktion des Fleischkonsums, Vegetarismus oder gar Veganismus dieses Problem zwar, lösen es aber nicht automatisch. Denn beispielsweise auch der Nassreisbau ist ein bedeutender Faktor bei der menschverursachten Erzeugung von Treibhausgasen. Und wenn für die Palmöl-Produktion oder den Soja-Anbau tropische Regenwaldgebiete wie in Borneo abgeholzt werden, die wichtige Kohlendioxid-Speicher sind, und die Erzeugnisse um die halbe Welt transportiert werden müssen, wobei wiederum Treibhausgase entstehen, dann werden auch Ersatznahrungsmittel wie Tofu und Analog-Käse die Welt kaum retten.
Solange mit einem Produkt Geld gemacht werden kann und die breite Öffentlichkeit nicht so genau hinsieht, unter welchen Umständen es geschieht, wird sich an diesen Vorgängen nicht viel ändern. Wohl nur ein verstärktes und vor allem differenzierteres Bewusstsein über die begrenzte Verfügbarkeit der Ressourcen sowie ein entsprechendes Handeln im Konsumbereich kann da vielleicht zu einem tatsächlichen Kurswechsel führen. Kann sein, dass die Menschheit dazu von sich aus nicht sehr fähig ist, aber unter Umständen greift uns da ja gerade ein breiter Wirtschaftsabschwung in der industrialisierten Welt helfend unter die Arme und schränkt die Konsummöglichkeiten und damit nebenbei auch den Ressourcenverbrauch auf ein vernünftigeres Maß ein.
Wasser

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